Kennen Sie Panko?

Heutzutage wird nicht einfach nur gekocht. Und schon gar nicht, worauf man Appetit oder Schmackes hat. Im Trend ist, sich ganz speziell und persönlich zu orientieren und die Zubereitungsart zu finden, die nur zu Ihnen, Ihrem Wesen, Ihrem Jungerhaltungsspleen und zu Ihren Zipperlein passt. Wer seinen Zipperlein angepasst und stimmungsbetont zubereiten und essen möchte, der sollte sich mit dem ayurvedischen Kochen vertraut machen.

Wollen Sie Dampfgaren oder mit dem Thermomix zubereiten? Sind Sie vegetarisch oder vegan orientiert? Experimentieren Sie gerne zum Thema Molekularküche? Kochen Sie mit Gas oder elektrisch? Haben Sie einen Lavagrill oder grillen Sie im Winter auch im Freien? Sind Sie ein Freund der Kräuterküche oder gar Wiesenkräuterküche, mögen Sie ausschließlich nur Fisch und wenn ja welchen?

Diese Fragen sind zu beantworten, bevor man sich die Schürze umbindet, den Kochlöffel schwingt, Topf und Pfanne anheizt oder andere Gerätschaften zum Einsatz vorbereitet. Falls es an Hightech-Helfern oder manuell gesteuertem Zubehör mangelt, der macht sich online bei lidl.de schlau und bestellt das fehlende Handwerkszeug, oder geht in eine Filiale. Der Online-Shop ist megabesser, da ist alles vorrätig, immer geöffnet, Schlagestehen an der Kasse entfällt und das Schleppen übernimmt der Paketbote von DHL.

Trotzdem: So einfach kochen und futtern wie früher bei Muttern oder bei Oma ist nicht mehr. Vergessen Sie auch Ihren Büchsenöffner, den können Sie getrost auf den Müll werfen. Zum einen ist Essen aus Konservendosen absolut verpönt und das Letzte und zum anderen hat Büchsenfutter einen Schnellverschluss und Sie müssen nur noch am Ring ziehen. Aber vorsichtig bitte, sonst reißt der Schniepel womöglich ab und Sie brauchen doch noch schweres Gerät zum Öffnen der Dose.

Verwenden Sie etwa zum Panieren des ohnehin ungesunden Schweineschnitzels noch einfaches Semmelmehl, geriebene Semmel oder Brösel? Das unterlassen Sie mal ab sofort – man nimmt Panko. Wie jetzt – kennen Sie nicht? Panko-Mehl stammt aus Japan und den Rest können Sie bei wikipedia nachlesen. Das Zeug ist total in, macht das Bratgut knusprig und im gut sortierten Supermarkt dürfen Sie für kleine Abpackungen großes Geld an der Kasse abdrücken.

Obst und Gemüse kaufen Sie vermutlich noch im Supermarkt an der Ecke oder gar beim Discounter. Na, hoffentlich sieht Sie denn niemand aus Ihrem engeren Umfeld bei der Lebensmittelbeschaffung! Der moderne Küchenmensch ruft beim Öko- oder Biobauer seines Vertrauens in seiner Region an und lässt sich jede Woche eine Kiste mit saisonalem Obst und Gemüse nach Hause liefern. Unterschiedliche Größen und Preise sind selbstverständlich. Falls das Angelieferte mal nicht ganz frisch ist, geben Sie es Pinky, Ihr Stallhase freut sich drüber.

Gutes Essen will gut zubereitet sein, sagen alle renommierten Spitzenköche und je nach Gusto zeigen Ihnen die Lafers, Lichters, Wieners und Mälzers des deutschen Fernsehens, wie es funktioniert. Einer kreiert Kunstwerke, ein anderer baut Butterberge ab, die Dame liebt es fleischlos und Natur pur und der letzte mag es rustikal und bevorzugt die spanische Hausmannskost.

Es soll Menschen geben, die frei nach Schnauze, ohne Rezept, Kochbuch und noch mit ganz einfachen Küchenhilfsmitteln in der Küche werkeln. Die haben keine japanischen Sushi Messer, nur eine einfache Zitronenpresse, keine Multifunktionsküchenmaschine, die rühren, kneten, schnippeln und Smoothies machen kann, keinen Brotbackapparat – also außer einen altmodischen Sparschäler für Möhren, Äpfel, Kartoffeln und Spargel gleichermaßen, null Küchenwunder in der Schublade – und trotzdem zaubern auch diese täglich Schmackhaftes auf den Teller.

Diese Ignoranten der neuzeitlichen Küchenwunder schaden auch massiv der deutschen Wirtschaft, weil sie all das Schöne und Neue für die Küche nicht kaufen. Sie verweigern auch alle Bücher moderner Kochkunst, legen absolut keinen Wert auf einen Thermomix, der bis auf alleine einkaufen gehen und Müll entsorgen alles kann. Die genießen und zelebrieren aber trotzdem ihre Mahlzeiten, sehen gesund und munter aus. Dann gucken sie auch noch mit viel Genuss Kochsendungen im Fernsehen, wenn zum Beispiel sechs bayerische Landfrauen sich gegenseitig beim Kochen in die Töpfe schauen und in einen fröhlichen Wettstreit regionaler Gaumenfreuden treten. Herrlich altmodisch!

„Ich lade gern mir Gäste ein, man lebt bei mir recht fein….“
Laden Sie auch manchmal Gäste zum Essen zu sich nach Hause ein? So ganz nach dem Motto aus der Fledermaus von Johann Strauß und Fürst Orlowski vollmundig singt: „Ich lade gern mir Gäste ein, man lebt bei mir recht fein….“

Nee Leute, so einfach geht das heute nicht mehr! Schon alleine alle Wunschkandidaten terminlich unter einen Hut zu bekommen, ist kein leichtes Unterfangen. Je älter die Klientel, umso komplizierter, kann ich euch sagen. Am schärfsten sind Rentner und Pensionäre – man ist eben beschäftigt:

Nee, da klappt’s nicht, machen wir gerade ne Kreuzfahrt!
Da ist Krankenhaus angesagt. Neue Hüfte, verstehst du?
Schlechter Zeitpunkt, da sind wir in eine Woche in Berlin zur Taufe unserer Enkelin!
Schiete, da fahren wir mit dem Kegelclub nach Paris!
Schade, da ist Party bei den Laubenpiepern und außerdem wird Oma noch 95 Jahre!
Können wir nicht – Motorboot-Tour – oder war’s Segeln – in der Ostsee!
Da machen wir Kur in Bad Kissingen und anschließend Urlaub im Schwarzwald!
Is nich, vier Wochen mit dem Wohnwagen durch die Bretagne!
Freitags fährt Heinz immer Rad und ich geh‘ zum Square Dance!
Klappt nicht, bin wandern im Erzgebirge!Ja, aber nur wenn ich Joschi mitbringen kann! (Wer ist denn Joschi?)
Auweia, kann ich nicht sagen, muss ich erst mit Gerda reden, die macht doch Ehrenamt!

Zweieinhalb Stunden verplemperte Lebenszeit und kein Ergebnis! Alle wollen entweder den Partner, die Freundin oder den Kalender befragen. Melden sich dann aber umgehend!

Und wenn dann endlich ein für alle passender Termin gefunden ist geht die Sisyphusarbeit erst richtig los.

Was bringe ich auf den Tisch? Ist nicht so einfach, sage ich euch!

Gerda hat’s mit dem Darm, die isst nichts, was sie „zum Windbeutel mutieren lässt“ wie sie selbst sagt.
Heinz verträgt nur noch Korn und Bier, um den muss ich mir keinen Kopf machen!
Meine beiden Kartenspieltanten Hanni und Nanni sind fleischfressende Pflanzen, wie sie im Buche stehen.
Heide und Dieter sind glücklicherweise Alles(fr)esser und vertragen auch alles.
Die Zwei aus der Stadt dürfen weder Fruktose, Laktose noch Gluten und keine Nüsse.
Henni ist seit einem Jahr vegan-affin und fühlt sich seither wie zwanzig.
Rudi ist auf seine alten Tage wegen seiner neuen Freundin zum Vegetarischen gewechselt.
Fiete steht auf Käse und Rotwein, vielleicht noch ein bisschen Baguette.
Bernd isst am liebsten Tomaten und Nudeln.
Karin hat null Bock auf alles, was aus dem Wasser kommt.
Anna und Karsten sind die geborenen Suppenkasper und echt pflegeleicht.

Wie toll war das doch früher. Da hab ich bei jedem angerufen und gefragt, ob der kommende Samstag ein guter Tag wäre, um mal ne Kuh fliegen zu lassen. Die meisten hatten Zeit, einige brachten was zu essen und zu trinken mit, der Abend war lustig und dauerte bis zum Sonnenaufgang. Es wurde gegessen, was die Kelle gab und getrunken, was reinpasste. Dieses Feeling aus längst vergangener Zeit ist passé, kann man knicken, kann man sich abschminken – so was Unkompliziertes und Spontanes klappt nicht mehr!

Na klar ist es auch heute noch toll, sich zu treffen! Aber anders. Am lustigsten ist es immer dann, wenn die Uhrzeiger die Geisterstunde überschritten haben und nur noch der harte Kern am Tisch sitzt. Jetzt werden die berühmten letzten Zigaretten geraucht und die letzten Gläser nicht im Stehen sondern gemütlich im Sitzen getrunken – und das kann dauern!

Den halben Abend haben wir über gefühlte 95 Varianten der Laktose-Unverträglichkeiten von Conny geredet und die Darmgeräusche von Gerda diskutiert – zum Glück nicht gehört. Jetzt lachen wir wie Teenies und es ist wie früher als wir alle noch jung, hübsch und tierisch albern waren! Zwischendurch schleicht sich abwechselnd jeder mal in die Küche, denn auf dem Büfett ist noch viel Leckeres vorhanden. Jetzt ist es auch total piepe, ob Fleisch, Fisch, Suppe, Karnickelfutter oder Süßes vom Teller in den Magen kommt. Alle Zipperlein sind ohnehin vergessen und der nächste Arztbesuch in weiter Ferne. Zur besseren Verträglichkeit bietet sich ein edler Obstler an, für den Durst Wasser und Bier, zum Genuss Rotwein. Die letzten der Mohikaner sind rundum schmerzfrei – jedenfalls jetzt und hier am Tisch.

Doch irgendwann hat alles ein Ende und auch dieser schöne Abend. Es hat sich gelohnt, alle zusammenzutrommeln und einige Stunden miteinander zu verbringen. Auch für das Lukullische zu sorgen – selbst wenn es eine große Herausforderung mit sehr viel Aufwand und Arbeit war – hat Spaß gemacht. Na und das Lachen erst, das war wohl das Gesündeste, was der Abend im Angebot hatte.

Es hat Spaß gemacht und es war super – ein Meeting wie dieses sollte regelmäßig stattfinden. Gemeinsame Termine sind aber schwierig hinzubekommen.

Daher mein Vorschlag an meine Gäste und Freunde und alle anderen, die Lust auf Geselligkeit haben: An jedem zweiten Dienstag im Monat verabredet ihr um 16 Uhr einen Termin beim Doktor eures Vertrauens. Den Termin sagt ihr dann kurzfristig ab. Stattdessen trefft ihr euch alle nachmittags um vier Uhr an einem vorher ausgemachten Ort, um ein paar lustige Stunden miteinander zu verbringen. Der Slogan sollte dann lauten: Lachen ist die beste Medizin! Vielleicht bei einem Stück Apfelkuchen, denn one apple a day keep the doctor away!