Tatort ARD

Frau Merkel gibt am Mittwochmittag eine Regierungserklärung ab. Sie hat der Nation noch vor dem „Flüchtlingsgipfel“ am Donnerstag in Brüssel was zu sagen. Selbstverständlich ist die ARD an Merkels grüner Seite und live auf Sendung dabei.

Drum wird das „Mittagsmagazin“ zur Halbzeit gekillt und auch die Fans der täglichen Telenovela „Rote Rosen“ gucken in die Röhre! Es folgen neunzig Minuten Bundestag mit Mutti & Co.!

Zwei Tage später geht vormittags Wintersport bei ARD an den Start und der Schlusspfiff erfolgt zum Abendessen! Anderes ist gestrichen – ersatzlos gestrichen! Acht Stunden Wintersport für den sportlichen Typ Couch Potato!

Das sind nur zwei Beispiele – aufzählen lassen sich jede Menge – wochentags und am Wochenende. Okay, die Einschaltquoten bei Sportveranstaltungen sind angeblich riesig, aber andere Sendungen leiden auch nicht gerade unter chronischem Zuschauermangel, denn sonst wären sie vermutlich nicht im Programm – oder?

Sagen Sie mir doch mal, warum der Fernsehkonsument, der noch einen Faible für das normale ARD-Programm hat, dermaßen vergewaltigt wird? Er kann sich nur zwischen Wegschalten oder Dranbleiben entscheiden – oder Umschalten! Es ist wie im richtigen Leben: andere Mütter haben auch attraktive Töchter und unterhaltsame Söhne! Bei solchen Gelegenheiten lernt der Unzufriedene aus der ersten Reihe andere Formate kennen, die ihm gefallen. Und die Privaten kassieren übrigens keine Zwangsabgabe und senden trotzdem!

Warum ist das Erste unaufhörlich darum bemüht, seiner Klientel vor den Koffer zu stoßen? Die einstige Verlässlichkeit ist Vergangenheit und ein Großteil des Programms besteht aus Wiederholungen. Anfang des Jahres hat sich die Talk-Show-Szene mal wieder zeitlich und namentlich verändert! Warum der Blödsinn? Beständigkeit schafft Einschaltquoten – oder?

Das ERSTE ist die Nummer Eins und eins ist first class, steht an erster Stelle der Rangliste – egal wo. In der Schule, an der Uni, im Sport allgemein, im Fußball besonders. Die Eins ist hundert Prozent super, steht ganz oben und ganz vorne, ist eben das Beste!

ARD heißt Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ und war zum Gründungszeitpunkt 1950 die einzige und erste Rundfunkanstalt nach dem zweiten Weltkrieg in unserem Land.

Sechs Landesrundfunkanstalten, zwei im Norden, im Westen und jeweils eine im Südwesten und Süden schlossen sich zusammen – in Berlin gehörte der RIAS dazu. Erst machte man Radio dann Fernsehen. Die ARD-Familie wuchs und der öffentlich-rechtliche Auftrag bestimmte das Tun der Aktiven in den Landesfunkhäusern. Es entstanden inzwischen zehn ARD-Anstalten mit vielen neuen Sendern und Töchtern, Gremien, Kontrollmechanismen, Intendanten, Mitarbeitern in Verwaltung und Journalismus für Radio, Fernsehen und Internet. Über die Jahrzehnte entwickelten sich diese Anstalten zu Kraken, zu Medienkonzernen mit riesigem Wasserkopf. Der öffentlich-rechtliche Moloch leistet sich sogar eine eigene öffentlich-rechtliche Anstalt zum Einzug der lebens- und überlebenswichtigen Zwangsgebühren.

Ob in diesem Gebilde, wo ohnehin der Medienkonsument die Zeche zahlt, die Bedürfnisse des Geldgebers noch von Interesse sind, ist zweifelhaft. Konsumenten sind Gebührenzahler, sie halten den Topf am Kochen! Und ob denen das gekochte Süppchen schmeckt, ist den Köchen vermutlich schnuppe.

Wie titelte Johannes Mario Simmel einst so schön: Es muss nicht immer Kaviar sein! Stimmt genau – manchmal reicht auch Kartoffelsuppe mit Würstchen oder Matjes mit grünen Bohnen. Wichtig ist doch nur, dass der Köder dem Fisch schmeckt und nicht dem Angler und dass dem, der die Musike bezahlt, die Musike auch gefällt!

Daher ist für mich jedenfalls nicht automatisch das ERSTE auch das Beste. Ich halte es da viel lieber mit Harald Juhnke: „Barfuß oder Lackschuh, alles oder nichts, leg ich mir nen Frack zu, oder komm ich vor Gericht?“ Soll heißen: Immer schön flexibel bleiben mit der Fernbedienung…hält die Finger in Bewegung und bewahrt vielleicht vor Rheuma!