Vom Heiraten und vom Geld

Nicht mal der Tod ist umsonst, so sagt der Volksmund. Das freut die Zunft der Bestatter und Friedhofsverwaltungen landauf und landab. Gestorben wird immer, somit ein lukratives Geschäft und wer sich „trendy“ am Markt behauptet, verdient mehr als nur das tägliche Brot.

Beim Heiraten ist das nicht anders. Hochzeit machen kann teuer sein – muss aber nicht. Ist eben wie mit dem Aufkleber auf der Zigarettenschachtel: Rauchen kann tödlich sein! Kann, muss aber nicht zwangsläufig.

Doch bleiben wir beim Heiraten. Wer sich dazu entschließt, sammelt fleißig seine Papiere zusammen. Alle Unterlagen, selbst wenn sie im Original beim Aspiranten vorhanden sind, müssen einen Aktualitätsstempel erhalten. Man bittet das Geburtsstandesamt, um den Nachweis, dass man irgendwann geboren wurde. Falls es nicht die erste Eheschließung ist, muss man sich zwecks Bescheinigung auch an das damalige Eheschließungsstandesamt wenden. Gleichzeitig muss das zuständige Standesamt bestätigen, dass diese Ehe nicht mehr gültig ist, also irgendwann geschieden wurde. Ist doch logisch oder? Sonst dürfte ein Heiratswilliger auch nicht wieder über ein erneutes Jawort nachdenken – wäre schließlich Bigamie und das erlaubt das Gesetz nicht – jedenfalls ist das in Deutschland so.

Alle Wünsche kann man heutzutage selbstverständlich per Internet der jeweils zuständigen Behörde unterbreiten. Ziemlich rasch erhält man dann die entsprechende Kostennote für die jeweils gebührenpflichtige Bestätigung, und zwar mit dem Hinweis: Erst zahlen, sonst keine Bescheinigung!

Irgendwann ist man um etliche Euro erleichtert, hat die Papiere komplett in der Klarsichthülle und stattet dem Standesamt seines Wohnortes einen Besuch ab. Der preußisch korrekte Beamte sichtet mit Argusaugen den Papierstapel, um ihn dann seiner Kollegin am PC zu geben. Die wird sich nun an einem der nächsten Arbeitstage damit befassen, den elektronischen Datenspeicher mit diesen Details zu füttern. Wenn das alles erfolgreich verlaufen ist, wird man zu einem Vorgespräch ins Standesamt gebeten. Natürlich beide Heiratswillige, sozusagen die Verlobten, in der Regel sind das Mann und Frau. Bei diesem Meeting wird man wieder Geld los.

Grundgebühren fallen an und Urkunden sind auch kostenpflichtig, also ein staatlich verordnetes Muss auf Grundlage der Gebührenordnung. Stammbuch, Familienbuch, das Buch für die eingetragene Partnerschaft, entweder schlicht und unaufdringlich, farblich unterschiedlich von beige bis schwarz, Echtleder oder Plastik, mit Goldrand und angedeuteten Eheringen und anderem Firlefanz kostet mal mehr, mal weniger. Für jeden Geldbeutel ist was dabei, das Angebot ist groß und den Brautleuten wird die Auswahl nicht leicht gemacht. Außerdem ist ein Familienbuch schließlich eine einmalige Anschaffung – so glauben die Verlobten es jedenfalls – und sowohl die kommende Kinderschar findet beliebig Platz darin als auch die, die den Weg alles Irdischen gehen.

Nachdem auch diese Entscheidung getroffen und der Standesbeamte sie wunschgemäß notiert hat, werden nun die praktischen Dinge der bevorstehenden Trauungszeremonie besprochen. In welchem Monat, an welchem Tag, zu welcher Stunde, wie viele Leute begleiten das Brautpaar, gibt es Trauzeugen, Blumenschmuck ja oder nein, werden Ringe gewechselt usw. usw. Einen unendlichen Fragenkatalog gilt es abzuarbeiten.

Endlich sind alle Details zusammengetragen, auch die kostenpflichtigen. Per Knopfdruck spuckt der Drucker die Rechnung aus, die es nun zu begleichen gilt. Zwecks Barzahlung geht man zur Kasse, wer die Zahlung per Karte bevorzugt, kann’s auch im Sitzen am Schreibtisch des Standesbeamten tun. Das war’s dann fürs Erste, für die Behörde, für den Gesetzgeber. Nun darf man sich anderen Hochzeitsvorbereitungen widmen – oder auch nicht – wie es eben jeder mag.

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