Im Kittchen ist ein Zimmer frei

Der 29. Februar ist was Besonderes, ihn gibt’s nämlich nur alle vier Jahre. Wer an diesem Tag geboren wird, heiratet oder gar stirbt, hat irgendwie mit Zitronen gehandelt, zumindest wenn’s ums Feiern oder Gedenken geht.

So auch Uli Hoeneß, für den sich in diesem Jahr am besagten Tag die schwedischen Gardinen öffneten. Falls er zukünftig diesen Entlassungstag feiern möchte, gilt auch für ihn die Vierjahresregel. Nun ist der Ex-Bayern-Boss wieder auf freiem Fuß und seine Gefängniszelle ist frei! Ob sie lange frei bleiben wird, weiß keiner so recht und ob der nächste Insasse wieder den Promistatus hat, auch nicht.

Promis sind übrigens im Kittchen keine Seltenheit und „sportliche“ Promis schon gar nicht. Die sind auch Menschen wie du und ich, begehen Unfallflucht, hinterziehen Steuern, morden, nehmen Drogen, fahren besoffen Auto, werden straffällig und verknackt. So auch der Vater von Steffi Graf, der größere Summen eifrig am Fiskus vorbei jonglierte und Robert Hoyzer, der als Fußball-Schiri mit viel Pfiff untrennbar mit dem Bundesliga-Wettskandal verbunden ist.

Denken Sie mal an Karsten Speck, beliebter TV-Star aus der DDR. Der wanderte wegen seiner krummen Immobiliengeschäfte für etliche Jahre in den Knast. Schauspieler Martin Semmelrogge ist ein Kenner des offenen Vollzugs und von dem einen oder anderen Richter wird er mit Handschlag begrüßt.

Die Älteren unter uns erinnern sich an Ingrid van Bergen. Sie hat in den Siebzigern ihren Geliebten im Affekt erschossen und diese Tat brachte ihr fünf Jahre gesiebte Luft ein. Auch der Boxer Bubi Scholz landete für drei Jahre hinter Gittern, weil er 1984 seine Ehefrau fahrlässig tötete. Und der ehemalige ARD-Wetterfrosch Jörg Kachelmann, hatte vor einigen Jahren zunächst Stress mit einer Geliebten, dann mit dem Staatsanwalt und wurde später freigesprochen, nachdem er einige Zeit in Untersuchungshaft verbrachte.

Einen Milliardenbetrug hat man dem Baulöwen Dr. Jürgen Schneider nachweisen können und man brummte ihm über sechs Jahre auf. Allerdings hat ihn der Knastaufenthalt nicht wirklich geläutert, denn es heißt, dass er sich auch in jüngster Vergangenheit wegen des einen oder anderen Betruges wieder vor Gericht verantworten musste. Dann gab’s noch einen Namensvetter mit viel krimineller Energie. Sein Vorname lautet Karlheinz, sein Beruf Rüstungslobbyist und so richtig bekannt und berühmt wurde er Ende der Neunziger Jahre durch die Spendenaffäre in der CDU. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre liebe Not, ihn hinter Schloss und Riegel zu bringen, denn er floh zunächst ins Ausland und konnte erst viele Jahre später gefasst und eingelocht werden.

Die Liste der berühmten Menschen, die Knastologie und Gitterkunde auf Staatskosten studiert haben, ist lang und sowohl Stars und Sternchen als auch Politiker und andere ehrenwerte Nasen haben Gefängnisse und karge Zellen von innen kennengelernt.

Doch das hat überhaupt nichts mit dem Tag zu tun, den wir alle vier Jahre geschenkt bekommen und schon gar nichts mit der Freiheit, die Uli Hoeneß nun wieder genießen darf. Den Kickern seines Vereins haben beide Ereignisse jedenfalls kein Glück beschert – denn immerhin haben sie am Mittwoch verloren und am Samstag eine Nullnummer präsentiert und das hatte bestimmt eine andere Ursache!

http://www.lto.de/galerien/promis-auf-der-anklagebank/yag/c5489/ItemList/list/bilderstrecken/promis-auf-der-anklagebank/2#imagetop