Tigi und der Umzug

Das mit der Wohnung in Lesum klappt also und im Juni ziehen wir um. Schnell rückte der Umzugstag ran und die Männer von der Umzugsfirma ebenfalls. Alles war gepackt und verstaut und nun konnte es losgehen. Den letzten Rest trugen wir im Rucksack, im Türkenkoffer, im Stoffbeutel, über und unterm Arm und voll bepackt näherten wir uns unserem roten Flitzer.

Heulend stand schon unser zwei Meter großes Felltier am Auto, in der linken Pfote seine Tarnkappe, in der rechten seinen prall gefüllten grünen Rucksack und unter der Achsel eine Küchenrolle mit Abreißtüchern, in die er regelmäßig reinschniefte. Als er W. sah ließ er alles fallen, lief auf ihn zu, sprang ihm auf den Arm, herzte und schleckte ihm das Gesicht und schluchzte herzzerreißend dabei. „Mensch Tigi, setz mal die Tarnkappe auf, wenn uns einer sieht“ mahnte W. „dann kommste noch ins Tierheim oder in den Zoo und Lesum kannst du dir dann abschminken! Apropos Lesum, warum willst du denn nun doch mit? Du wolltest doch endlich völlig alleine leben, für dich selbst sorgen, erwachsen werden, neue Freunde finden! Hast du all diese Vorsätze über Bord geworfen, du kleiner Schisser?“

Tigi beteuerte, dass er da wohl seine Schnauze mit den langen Barthaaren ringsherum zu voll genommen hatte, stieg dann aber flugs ins Auto und machte es sich auf den Rücksitzen bequem. Na toll, jetzt nimmt er auch noch den Platz ein, der für unser restliches Zeug inklusive Drucker und Laptops bestimmt war. Tigi klamüserte sein Handy hervor und telefonierte laut und deutlich mit wem auch immer. Diesem wem auch immer erzählte er, dass seine Pflegeeltern nicht ohne ihn sein wollen und ihn inständige gebeten haben, mit ins neue Domizil zu kommen. Dieser behaarte Spinner, was bildet der sich bloß ein? Wir waren insgeheim schon ausgesprochen froh, endlich diesen, zumeist unsichtbaren Hausgenossen loszuwerden, aber das  war wohl ein Irrtum. Diese zugelaufene Großkatze findet doch immer wieder einen Weg, seinen Kopf durchzusetzen und uns seinen Willen aufzuzwingen!

Nun denn, auf geht’s nach Lesum. Wir sind mal gerade eine Viertelstunde gefahren, da will Tigi was essen. Tomaten, Paprikaschoten, einen Apfel, ein Stück Gurke, ein hart gekochtes Ei und drei Scheiben Salami sind alles, was der Kühlschrank so hergab. Hätte uns  für die dreieinhalb maximal vier Stunden von A nach B völlig gereicht. Nun futtert unser Tigi alles genüsslich nacheinander auf. Die Sprudelflasche hat er auch in einem Zug geleert und nach einem kräftigen Rülpser schlief er satt und selig erstmal ein. Putzmunter entwickelte er sich bald darauf zur Nervensäge: „Macht mal schöne Musik an, so Oldies zum Mitsingen! Haltet sofort da vorne an, ich muss Pipi! Es ist so tolles Wetter, kann ich mal ein Weilchen im Wald rumspringen? Biegt mal da zur Lüneburger Heide ab, da kann ich ein paar Heidschnucken Angst einjagen und mich danach ins Gras legen! Oder wir fahren zu einem schönen See und gehen alle dort schwimmen!“

Mit jeder Menge Verspätung kamen wir irgendwann hundemüde in unserem neuen Zuhause an. Tigi natürlich auch, obwohl er im Auto kräftig schnarchte und wir das Radio schon immer lauter stellen mussten. Doch nun waren wir zuhause, fix und foxi zwar, aber dafür inklusive Tigi.

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