Jürgen Domian

„Willkommen bei Domian…“ wenn man diese drei Worte hört, dann ist es ein Uhr nachts und Jürgen Domian ist beim WDR für eine Stunde auf Sendung. Seit mehr als 20 Jahren ist er der Nachttalker und Kummerkasten der Nation mit sehr viel Tiefgang und Einfühlungsvermögen. Für seine Anrufer ist er Zuhörer, Ratgeber, Seelsorger, Freund und Intimus für wenige Minuten. Anrufer sind auch klassische Nachtarbeiter, Bäcker in der Backstube, Fernfahrer im Cockpit ihres Trucks, Tankstellenmitarbeiter und viele andere Menschen auf einsamen Posten durch die Nacht.

Nachtschwärmer, ausgeflippte Typen, Menschen mit Schrullen, großen und kleinen Macken, absonderlichen und exotischen Marotten sind seine Klientel, seine Gesprächspartner und Fans. Aber auch verurteilte Mörder, Vergewaltiger, Kinderschänder und andere Straftäter haben das Bedürfnis, mit Domian zu reden. In mehr als zwei Jahrzehnten erfuhren seine Stammhörer viel über Sex in deutschen Schlafzimmern und in Swinger Clubs, im Rotlichtmilieu und über die Arbeit so manch einer Domina. Suizidgefährdete rufen ihn genauso an wie schwerkranke Menschen, die von Ärzten längst aufgegeben wurden. Ebenso verzweifelte Jugendliche, die Hilfe suchen, mit Pubertätsproblemen belastet sind, die erste Liebe erleben und solche, die geschlagen werden und unter häuslicher Gewalt leiden.

Aber auch ganz viel Kurioses, Sonderbares und Lustiges ist ihm und seinen Zuhörern in vielen nächtlichen Stunden zu Ohren gekommen, was zum Staunen, Schmunzeln und zum Lachen animierte aber auch fassungslos machte.

Leider blieb er aber auch von Spinnern nicht verschont. Immer wieder stahlen ihm Anrufer Zeit und verbreiteten gefakte Storys über den Äther, während ernstzunehmende Gesprächspartner nicht zu Worte kamen.

All diese Menschen haben ab Mitte Dezember keinen Ansprechpartner mehr. Jürgen Domian hört auf, er kann und will nicht mehr nur Mond und Sterne auf dem nächtlichen Heimweg sehen und oftmals auch unfassbar traurige Schicksale mit in die Nacht nehmen. Nur zu verständlich ist es, wenn er vom Nachttalker zum Sonnenanbeter wechseln möchte. Mit Ende Fünfzig kann es nur klug sein, sein Leben nochmals neu zu ordnen, in einen anderen Lebensrhythmus zu wechseln und sich selbst was zu gönnen, was vorher nicht möglich war. Vermutlich braucht er den Rest seines Lebens dazu, all das Gehörte zu verdauen und zu verarbeiten.

Vielleicht schreibt er noch weitere interessante Bücher, wie „Interview mit dem Tod“, „Der Gedankenleser“ und „Der Tag, an dem die Sonne verschwand“ sind allesamt spannend, zeugen von Lebenserfahrung, stimmen nachdenklich, sind geheimnisvoll und realistisch zugleich. Seine Geschichten sind lesenswert, machen Lust auf mehr und sind was ganz Besonderes – für seine Fans und auch für mich….