Von Puddingvegetariern und anderen Exoten

„Extravagante Menschen sind auf dem Vormarsch“
titelte neulich eine Tageszeitung, und zwar in allen Lebensbereichen.

Immer mehr Menschen entwickeln eigene Lebensmodelle, die speziell und ganz persönlich auf sie zugeschnitten sind. Voraussetzung dafür ist, dass man sich Individualität leisten kann. Und „leisten können“ geht nicht zwangsläufig mit kostspielig einher.

Vermutlich wird unsere Zeit in die Geschichtsbücher schon alleine deshalb eingehen, weil keine Generation vor uns so viel Wahlfreiheit hatte, ihr Leben derart vielfältig zu gestalten.

Seit langem sind Mehr-Generationen-Wohnhäuser der Renner. Dort leben Männlein und Weiblein in den Altersklassen von null bis hochbetagt unter einem Dach und jeder kümmert sich um jeden. Prinzipiell keine Neuentdeckung, eher ein Remake aus Omas und Opas Zeiten.

Klassische Lebensgemeinschaften wie die Ehe zwischen Mann und Frau sind heutzutage kein Muss mehr. Ein Eheversprechen ist auch zwischen Mann & Mann möglich und ebenso dürfen sich zwei Frauen die ewige Treue schwören. Und der Nachwuchs hat dann eben zwei Mamis oder zwei Papas – warum auch nicht.

Alte Rollenspiele wurden von neuen abgelöst, denn die holde Weiblichkeit hat sich freigeschwommen und das starke Geschlecht efrauzipiert. Was noch vor zwei Jahrzehnten Empörung auslöste, ist heute selbstverständlich. In den Chefetagen sind taffe Frauen in High Heels ebenso normal, wie Männer in Armani-Anzügen.

Frauen sind erfolgreich beim Boxen und holen den Fußball-WM-Titel ins Land, Männer versorgen den Nachwuchs und stemmen die Hausarbeit. Alles ist eben machbar und nichts ist unmöglich.

Da im Zusammenleben und im Beruf nichts mehr unmöglich ist, ist auch in punkto Ernährung einfach alles drin und jeder kann für sich entscheiden und voll und ganz nach seiner Fasson satt und selig werden.

Vegetarier und Veganer kennt mittlerweile jeder und klassische Gourmettempel haben diese Spezies für sich entdeckt. Vegane und vegetarische Restaurants sind mehr und mehr im Kommen. Der neueste Hit ist, wenn die kulinarischen Küchenspezialitäten aus dem eigenen Anbau stammen, die der Chefkoch vor Zubereitung selbst pflückt und erntet.

Veganer sind übrigens die Leute, die auf wärmende Daunendecken und Strickpullover genauso verzichten, wie auf den ledernen Hosengürtel. Bei denen haben weder Federvieh noch Rind, Schaf und andere Vierbeiner was zu befürchten.

Das sieht bei den Vegetariern etwas anders aus, zumal sie Produkte von lebenden Tieren gerne verputzen und bei denen sind Sonntags-Ei und Honigbrötchen durchaus akzeptabel.

Rohköstler sind eher vegan orientiert, Frutarier begeistern sich für Fallobst und Nüsse und der Flexitarier mag eigentlich die gesamte Bandbreite des Essens, verträgt aber leider nicht alles. Dann gibt es noch die Freeganer und das sind die, die sich ihre überwiegend vegane Nahrung z. B. auch aus der Mülltonne des Supermarktes beschaffen.

Aber eine Art der Ernährungssonderlinge habe ich noch vergessen: Es ist der Pudding-Vegetarier! Haben Sie noch nicht gehört? Ist aber bereits fester Bestandteil im guten alten Duden und dort wird er mit diesen Worten erklärt: „Der Puddingvegetarier ist jemand, der auf Fleisch verzichtet, sich ansonsten aber nicht gesund ernährt“!
Na dann mal guten Appetit und ein schönes Leben!