Von Münchhausen, Hinz & Kunz

Und, wie halten Sie es mit der Wahrheit? Hand aufs Herz – sind Sie ehrlich und schwindelfrei? Oder gehören Sie zu der Kategorie des Fleischerlehrlings, der laut Zeugnis „immer ehrlich bis auf die Knochen“ war?

Sicherlich brauchte die Welt nicht erst Baron Münchhausen, um das Thema Lügen ins Gerede zu bringen. Vermutlich war schon Marco Polo so weit davon entfernt, die Chinesische Mauer persönlich in Augenschein genommen zu haben, wie der Stern niemals die Tagebücher Hitlers entdeckt hat.

Selbst Bill Clinton durfte feststellen, dass Lügen kurze Beine haben, im Gegensatz zu der seiner Praktikantin und Gespielin Monica Lewinsky.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“ log Walter Ulbricht im Sommer 1961 kackfrech.

Irgendwo steht sogar geschrieben, dass die Welt belogen werden will. Wer ist denn die Welt? Na klar, wir alle. Also wir alle haben – angeblich – keinen Bock auf die Wahrheit und somit flunkert uns man was vor!

Ach ja, unsere Politiker! Sie sind Lügenbarone erster Klasse, wenn’s um Bankenrettung, Steuererhöhungen und seit Jahren schon um den Griechenland-Bankrott geht. Sie schwindeln uns die Hucke voll, dass es man bloß so brummt und als aufmerksamer Bürger entgeht es uns nicht, dass sie auch das Lügen im Chamäleons-Modus aus dem Effeff beherrschen.

Helmut Kohl z. B. wollte seine Vision von den blühenden Landschaften aus der Portokasse finanzieren – allerdings nicht aus seiner privaten. Und was hat er uns alles für Märchen aufgetischt, damit wir bei der Euroeinführung jubeln und ihm auf ewig die Füße küssen!

Erinnern Sie sich noch an Norbert Blüm, der uns gebetmühlenartig vorgaukelte, dass die Rente sicher ist. Vermutlich stimmt das auch. Die Frage ist nur, ob man vom staatlichen Altersruhegeld auch leben kann!

Dann war da noch Christian Wulff, unser Kurzzeit-Bundespräsident, der sich mit seinen nicht ganz sauberen Kreditnummern wohl selbst aus dem höchsten Amt katapultiert hat.

Karl-Theodor zu Guttenberg wurde entlarvt, seine Doktorarbeit an einigen Stellen aufgepeppt zu haben – einfacher ausgedrückt: er hat abgekupfert und den wirklichen Urheber nicht genannt.

Und der Schärfste war seinerzeit Uwe Barschel. Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein zog sogar mit seinem Ehrenwort ins Rennen gegen seinen politischen Widersacher.

Die aktuellste Lügen- und Betrügen-Geschichte beschert uns Petra Hinz, eine langjährige Bundestagsabgeordnete, delegiert von der Essener SPD. Ihr Lebenslauf soll zu großen Teilen ein Fake sein, so berichtet man es jedenfalls. Kein Abi, kein Studium – einfach nichts dergleichen! Um in den Bundestag Einzug zu halten, benötigt man weder einen gymnasialen Abschluss noch ein Hochschulstudium. Es bedarf lediglich einer gewissen Fangemeinde im politischen Wahlkreis. Doch warum beging sie einen solchen Schmu? Ob wir darauf wohl jemals eine Antwort erhalten? Schön wär’s ja, denn immerhin lebt sie von einem stattlichen Salär, das immerhin von der Öffentlichkeit finanziert wird!

Warum wird immer wieder gelogen, betrogen, geschwindelt, geflunkert, hinter die Fichte geführt? Warum erzählt man uns Lügenmärchen und warum wird jemand zum Lügenmaul?

Ob wohl das Münchhausen-Syndrom – also eine Persönlichkeitsstörung – der Auslöser dafür ist? Oder ist es ganz eindeutig Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen – also der berühmt-berüchtigte Lügenbaron – der uns die Lust am Flunkern überliefert hat? Wer weiß das schon so genau.

Aber wenn dann mal einer die Wahrheit spricht, ohne wirklich was zu sagen, dann gucken wir auch dumm aus der Wäsche, wie z. B. im letzten November. Da gestand unser Innenminister, Thomas de Maizière, hinsichtlich des Terroranschlags und eines abgesagten Fußballspiels vor Pressevertretern: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“.