„Schlag nach bei Shakespeare, bei dem steht was drin…“

Vergessen Sie es – das war einmal! Also das Nachschlagen im gedruckten Buch ist total out. Trotzdem sind die Ratschläge des englischen Lyriker-Urgesteins aber niemals aus der Mode gekommen und trotz Internet gilt auch heute noch: Von Shakespeare lernen, heißt siegen lernen!

Benutzen Sie noch den großen Gelben? Und falls wenn, welche Ausgabe des Duden steht bei Ihnen denn im Bücherregal? Das bewährte Nachschlagewerk hat im Laufe der Zeit viele Reformen erfahren und auf eine gedruckte Variante wartet manchmal viel zu rasch die Altpapiertonne. Aber ein Relikt aus alten Zeiten ist der Duden trotzdem nicht, zumal er sich großer Beliebtheit im Internet erfreut und dort stets aktualisiert jedermann mit einem Klick zur Verfügung steht.

Der Brockhaus war auch einer der berühmten deutschsprachigen Nachschlagwerke, hat aber mittlerweile resigniert und seine große Enzyklopädie anno 2014 zu Grabe getragen – so steht es jedenfalls im Netz.

Die alten Meister zum Anfassen sind Staubfänger und zeugen nur noch im Billy-Regal oder Eiche-rustikal-Bord vom Bildungsstand des Besitzers. Der moderne Mensch geht mit wenigen Klicks ins Netz, stellt Herrn google oder anderen Suchmaschinen seine Frage und erhält eine Fülle von Antworten.

Einer der größten Schlaumeier ist wikipedia und dieses Online-Lexikon steht der Menschheit weltweit in ungefähr dreihundert Sprachen zur Verfügung. Dieser Pfiffikus weiß alles über William Shakespeare, Konrad Duden und auch über Friedrich Arnold Brockhaus, über Hunz & Kunz, Krethi und Plethi, Furz & Feuerstein – eben vermutlich über alles und jeden und Gott und die Welt.

Meine Frage an ihn, den gigantischen Zwerg Allwissend, lautet: was ist Satire. Nicht mehr und nicht weniger und seine Antwort lautet:

Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Das Wort Satire entstammt dem lateinischen satira. Im übertragenen Sinn lässt es sich mit bunt gemischtes Allerlei übersetzen.

Außerdem bietet mir der Klugscheißer noch 521.999 andere Möglichkeiten an, die mit dem Wort Satire zu tun haben.

Er verweist auf den „Satire-Gipfel“ in der ARD mit Dieter Nuhr und anderen Komikern. Er zeigt Analyse-Seiten auf denen man nützliche Hinweise erhält, die Spreu vom Weizen zu trennen. Beim Suchen bleibt mir nicht verborgen, was Satire darf und was nicht – denken Sie mal an Erdogan und Böhmermann – das ist wohl ein Paradebeispiel unserer Zeit. Satire-Blogs gibt es wie Sand am Meer, da ist für jeden was dabei, aber ob das immer Satire und was zum Schmunzeln ist, muss jeder selbst für sich herausfinden.

Bücher zum Thema gibt es auch jede Menge. In denen kann man Satire nachlesen, oder lernen, selbst zu schreiben und zwar sowohl für den Hausgebrauch als auch mit aller Ernsthaftigkeit für Profis.

Ein Hinweis sticht aber immer wieder ins Auge. Es ist die These, die Kurt Tucholsky seinerzeit aufstellte und die heißt: Satire darf alles!

Und im Volks-Brockhaus aus dem Jahre 1931 ist unter dem Begriff „Satire“ zu lesen:

Satire ist die bei den Römern entstandene Dichtungsart. Sie verspottet die Torheiten der Zeit mit scharfem Witz. Satiriker sind die Verfasser von Spottschriften.

Irgendwann ist es mir zu viel. Jetzt weiß ich kaum noch den Unterschied zwischen Witz, Humor, Satire, Spott, Hohn, Schadenfreude, Sarkasmus, Zynismus, Bissigkeit, Hänselei. Frotzelei, boshafte Anspielung, geistreiche Stichelei – und so weiter und so weiter! Ich habe die Nase voll von den Herren google & wikipedia – ziehe vor deren Wissen meinen Hut und drücke auf den Ausschaltknopf meines Laptops.

Dann greife ich das Eugen-Roth-Buch aus dem Bücherregal, setze mich ans Fenster in den gemütlichen Stressless-Sessel, schaue in den verregneten Garten und lese passend vom Meister des Humors Ein Sommerregen ist erfreulich, ein Regensommer ganz abscheulich.

  1. August 2016