Von Eva, dem Garten Eden und Herrn Sieling

Haie können nicht lächeln. Bei denen hat der liebe Gott vergessen, das entsprechende Gen einzubauen. Vermutlich hat er diese Zeitgenossen am Samstag kurz vor Feierabend erschaffen und nach der anstrengenden Schöpfungswoche nicht mehr wirklich Lust auf solche Details gehabt. Seither schwimmen Haie mit finsterem Blick, eiskalten Augen und Zähnen wie Rasierklingen durch die Weltmeere.

Doch wenn man sich einen so engen Zeitplan auferlegt, wie damals der große Zampano beim Kreieren der Welt, kann schon der eine oder andere Fauxpas passieren. So manchen kleinen oder großen Fehler hat die Evolution selbst korrigiert, etliche sind aber geblieben und haben sich noch verstärkt. Aber nun wollen wir IHM das mal nicht ankreiden, denn generell hat er alles ganz pfiffig und ziemlich perfekt hinbekommen. Außer das Ding mit uns Menschen – da gab’s doch vom ersten Tag an eine Mängelliste.

Denken Sie mal zurück: Adam und Eva im Paradies, die Nummer mit dem Apfelbaum, dem Baum der Erkenntnis – na, Sie wissen schon. Nach heutigem Erkenntnisstand könnte man sagen, Eva hat ein bisschen zu viel vom Neugierde-Gen abbekommen. Das hat dem Boss mächtig gestunken und er hat kurzerhand beide, also Eva und Adam aus dem Paradies geschmissen. Aber war Eva wirklich daran schuld? Oder hat ER vielleicht was mit den Genen durcheinanderbekommen?

Also ich habe ja den Verdacht, dass sich der eine oder andere kleine genetische Fehler bis heute durch die Weltgeschichte schlängelt. Mal davon abgesehen, dass weder der weiße Hai noch seine Artgenossen inzwischen lächelnd die Ozeane durchpflügen, sind auch bei uns Menschen manche Gene mal mehr mal weniger vorhanden.

Gerade in diesen Tagen schielt alle Welt auf Christoph Harting. Der hat eine Goldmedaille gewonnen und bei der Siegerehrung in Rio nicht die notwendige Ernsthaftigkeit rübergebracht. „Er schunkelte zur Nationalhymne und alberte herum“, so kann man bei Spiegel Online lesen. Ob dem wohl das Nationalstolz-Gen fehlt?

Im Weser Kurier konnte man in dieser Woche über den Bremer Regierenden Bürgermeister Carsten Sieling lesen, dass ihm das „Bürgermeister-Gen“fehlt. Und weiter heißt es: „Jenes Gen, das Hans Koschnick in jeder Faser seines Körpers trug, das auch Klaus Wedemeier besaß, Henning Scherf sowieso, und das selbst bei Jens Böhrnsen noch in Spuren nachweisbar war.“

Als Gott die Welt schuf, hat er vermutlich nicht daran gedacht, dass sich aus der Spezies Mensch später mal die Berufsgruppe Politiker bildet. Hätte er ahnen müssen, dass sich da schnell mal genetischer Wildwuchs ausbreiten könnte? Okay, hinterher ist man immer schlauer. Sicherlich trifft das auch auf ihn da oben zu und ganz besonders, wenn er derzeit in die Vereinigten Staaten guckt und dort Donald Trump begutachtet. Aber warum denn in die Ferne schweifen? Berlin liegt doch so nah und da wird viel früher als in den Staaten gewählt.

In Berlin sind scheinbar die Zeiten vorbei, als Bürgermeister und andere große und kleine Häuptlinge noch mit einem ausgeprägten Politik-Gen ausgestattet waren. Der derzeitige Regierende, Michael Müller, hat den „Charme einer Raufasertapete“ konnte man vor einiger Zeit lesen. Hartes Urteil und ein bisschen ungerecht, denn das Erbe vom schillernden Partymeister Klaus Wowereit anzutreten, gelingt nun wirklich nicht jedem.

Nun ja, so ist das eben mit den Genen! Blöd daran ist nur, man kann sie nicht reklamieren oder umtauschen. Man hat sie sich nun mal nicht ausgesucht, weder im Online-Shop bei Tchibo noch auf dem Grabbeltisch im Schlussverkauf bei C & A. Du musst sie nehmen wie sie kommen und dich mit ihnen arrangieren. Aber du hast ja auch ein Leben lang Zeit, sie zu sortieren und sie auszuprobieren. Also wenn man so unförmig wie ein Pottwal ist, muss man nicht mit dem Gedanken spielen, den Mount Everest erklimmen zu wollen. Und wer Angst vor Menschen hat, außerdem noch einen Sprachfehler als genetisches Manko verzeichnet, der muss nicht in die politische Bütt steigen.

Der Schöpfer hat jedem von uns viele Gene in die Wiege gelegt, aus denen sich was machen lässt. Somit muss auch niemand eine politische Karriere aufs Parkett legen, wenn die Erbanlagen und die zusätzlich erworbenen Fähigkeiten es nicht hergeben… es sei denn, der Lockruf der Macht und der gesicherten Geldquelle dominiert das Erbgut.