„Wie war denn eigentlich die Stimmung so in der DDR?“ fragt der Wessi den Ossi. „Ach, die hielt sich ziemlich in Grenzen!“

Lang, lang ist’s her – das mit der DDR, der Mauer und den Menschen hinterm eisernen Vorhang. Mehr als ein Vierteljahrhundert ist seit dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls vergangen, aber vergessen ist diese Zeit nicht.

Im kleinen Restaurant an der Weserpromenade treffe ich rein zufällig auf Eberhardt. Er macht Urlaub in Bremen-Nord bei Freunden. Mit denen will er Silberhochzeit feiern, sagt er. Er und der Vegesacker haben sich 1991 in Berlin im Museum am Checkpoint Charly kennengelernt. Seither sind sie befreundet, besuchen sich regelmäßig, fahren gemeinsam in Urlaub. „Die Damen können auch gut miteinander“ erzählt Eberhardt „und unser Sohn hat in Bremen studiert. Die Frauen und unser Freund sind beim Feinkosthändler und kaufen Matjes für heute Abend. Wir machen Bratkartoffeln dazu. Die schmecken uns selbstgemacht besser als im Restaurant. Ach, da kommen die Drei auch schon!“

Es werden Getränke bestellt und das Quartett plaudert munter und fröhlich über alte Zeiten. „Könnt ihr euch noch an die doofen Ossi-Witze erinnern? Was hab ich mich doch manchmal geärgert! Okay, aber gelacht haben wir auch!“

„Ebi erzähl doch mal ein paar“ löchern ihn die anderen.

Sagt der Ossi zum Wessi: ‚Wir sind ein Volk!‘ Darauf antwortet der Wessi: ‚Wir auch!‘

Was macht ein Ossi, wenn er in der Sahara eine Schlange sieht? – Er stellt sich an!

Ossi: „Ich komme aus Frankfurt/Oder.“ Wessi: „Oder was?!“

Warum sagt man nicht dummer Wessi? – Man sagt ja auch nicht weißer Schimmel.

Eberhardt und Frau wohnen noch immer in Ost-Berlin, da sind sie geboren, aufgewachsen und dort haben sie ein Häuschen, das sie vor kurzem von Grund auf renoviert haben. Und da in Grünau wollen sie auch sterben, sagt Ebi und nimmt die Hand seiner Elfi in seine.

Dann wechselt das Thema zum Berliner Wahlkampf, denn da finden in vier Wochen die Wahlen zum Abgeordnetenhaus statt. Die Bremer stellen fest, dass sich Berlin und Bremen wie zwei Eier gleichen. Die Regierungsfürsten sind was für die Pfeife, die Zustände bei den Behörden unter aller Kanone und der Pleitegeier schwebt über beiden Städten.

„Und den Flugplatz wollt ihr nun wirklich abreißen, Ebi? Meinste denn, dass euer Herr Müller sich das traut? Immerhin sind vier Milliarden Euro da im märkischen Sand verbuddelt.“

„Ach sei bloß stille, mein Gutster! Kiek dir mal euern Bürjermeester an, der is doch eene noch blassere Jestalt…Mensch, wie heißt der denn jleich? Also wenn du mich fragst, denn sollten wir beede in eenen Sack stoppen, mit nem Knüppel druff hauen und ick mach jede Wette, dass wir keenen Falschen treffen! Aber leider is dett mit den Politikern nich so einfach. Micha, ick sage dir: so watt jab’s inne DDR nich!“

„Also Jungs, jetzt hört mal uff, lasst uns mal lieber nach Hause jehn, sonst kriejen die Matjes noch zu viel Sonne ab. Politisieren könnt ihr ooch beim Kartoffelschälen für die Bratmänner!“

Sie winkten die Kellnerin, bezahlten und ich bestellte mir noch einen Latte. Irgendwie war’s mal klasse, Berliner Slang zu hören – selbst wenn’s der aus dem Ostteil war – hat een bisschen watt von Heimat. Aber bei der Gelegenheit fällt mir ein, ick muss mal wieder meiner Freundin Rita in der Grohner Düne einen Besuch abstatten.