Ach hätten wir sie doch behalten…!

Na die Senatsreserve in Berlin natürlich. Dann müssten die Berliner zumindest null Angst vor Terror, Katastrophen, Angriffen aus dem All oder sonst woher haben. Essen, Trinken und jede Menge erforderlichen Zeugs wären massenhaft eingebunkert für welchen Ernstfall auch immer. Und unsere hochgeschätzten Damen und Herren im Bundestag könnten sich gemütlich zurücklehnen und über neues dummes Zeug sinnieren, womit sie die Öffentlichkeit überraschen könnten.

Der aktuelle Gag des hohen Hauses lautet: die Bevölkerung soll animiert werden, Vorräte an Lebensmitteln anzulegen. Sind die da voll durchgeknallt, fragt man sich und jeder, der noch seine sieben Sinne beisammen hat, fragt nach dem Warum. Gibt es aktuelle Bedrohungen, Giftgasangriffe, Terroranschläge, schreckliche Unwettervorhersagen oder flächendeckende Lieferengpässe für dies und das?

Das betrifft doch den Zivilschutz und für den ist vermutlich der allseits beliebte und verehrte Thomas de Maizière in seiner Funktion als Innenminister zuständig – oder?
Drum sagen Sie mal, lieber Herr Minister, ist das schon wieder ein Statement nach Ihrem bewährten Konzept: Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern?
Neulich haben Sie schon ein Rucksack-Mitnahme-Verbot auf Volksfeste rausgeprustet und nun das!

Ihrem Titel Innenminister sollte man doch glatt hinzufügen, dass Sie auch Minister für „Angst- und Panikmache“ sind. Vielleicht diskutieren Sie dieses Thema einfach mal im Kollegenkreis – von der Opposition erhalten Sie bestimmt hundert Prozent Zustimmung für diese Ressortaufstockung.

Bei dieser Gelegenheit wäre auch angebracht, generell mal mit den Damen und Herren der Regierungs-Crew darüber zu reden, ob das Kommunikationskonzept nach außen nicht ein klein wenig verbessert werden sollte. Und dabei denke ich nicht daran, dass auf den Infoseiten der Regierung die Sonderangebote von Aldi und Lidl hinsichtlich Ravioli-Büchsen und Wasserflaschen gleich neben den Reiseinfos in krisengeschüttelte Länder stehen.

Andererseits möchte ich Sie aber auch etwas beruhigen, lieber Herr Minister. Bei uns im Haushalt betreiben wir die Vorratswirtschaft ziemlich intensiv. Wir kaufen immer große Pakete Toilettenpapier, Küchen- und Tempo-Tücher, verwenden nur Spülmittel und Mundwasser von den äußerst ergiebigen Sorten (one drop only), Knoblauch im familienfreundlichen Gebinde und züchten im Blumenkasten Schnittlauch und Lorbeerblätter selbst. Wenn ich Ihnen zu Ihrer Beruhigung noch etwas verraten darf: wir kaufen überwiegend bei einem Schlachter ein, der den guten Ammerländer Schinken in Scheiben eingeschweißt anbietet und der ist dann mindestens fünf Monate haltbar.

Mein Mann sorgt übrigens stets dafür, dass unsere Taschenlampe mit frischen und leistungsstarken Batterien aufgefüllt ist und unsere Wanduhr auch. Schließlich wollen wir doch auch im Extremfall und im Dunkeln sehen können, was uns die Stunde schlägt. Nur für den Fernseher und das Radio haben wir noch keine Lösung in petto, falls mal der Strom ausfällt. Dann müssten wir nämlich leider auf die Sendung kitchen impossible mit Tim Mälzer verzichten und bedauerlicherweise auch auf Ihre Fernsehtipps zu Hamsterkäufen im Notfall.

Wir sind aber guter Dinge und äußerst hoffnungsfroh, lieber Herr de Maizière, dass uns kein Ernstfall wirklich erschüttern kann. Mit Ihnen als obersten nationalen Krisenmanager fühlen wir uns pudelwohl. Schon Ihre persönliche Erscheinung und die ausgewogenen Worte, die über Ihre Lippen kommen, vermitteln uns persönlich Vertrauen und Sicherheit.

Nur weiter so, Herr Minister!