Berlin: Das ist ja alles schleierhaft!

In unserem Land sind Frauen nur dann verschleiert, wenn sie in den heiligen Stand der Ehe treten. Dann verdeckt oftmals ein Schleier das Gesicht der Braut auf dem Weg zum Altar. Eine weitere Möglichkeit, sich zu verschleiern, besteht dann, wenn man einer orientalischen Bauchtanzgruppe in Berlin-Neukölln oder anderswo angehört. Da ist der geheimnisvolle Schleier ein wichtiges Utensil und gehört wie der Hüftschwung dazu. Dann gibt es noch den Witwenschleier, der meist am schwarzen Hütchen der Hinterbliebenen befestigt ist und das tränenbekleckerte Gesicht bedeckt.

Die erste Variante ist der Liebe wegen. Die zweite wegen der Bewegung und weil die Tänzerin gerne mit Bauch und Hintern wackelt und die dritte, wenn die Trauer angemessen unterstützt werden soll.

Doch seit vielen Jahrzehnten leben auch islamische Frauen in Deutschland. Viele sind traditionell verwurzelt und ihrem Glauben entsprechend – mal mehr, mal weniger -verschleiert. Der Nikab, die Burka, das Kopftuch sind muslimische Kleidungsstücke und im Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Selbst im Schwimmbad sind Frauen jeden Alters im Burkini anzutreffen. Dieses Gesamtbild hat sich verstärkt, seit die Flüchtlingswelle anrollte. Damit auch die Diskussionen um die Kleidung der Neuankömmlinge.

Dürfen die so verschleiert rumlaufen? Sollte nicht wenigstens das Gesicht frei sein? Müssen sie sich nicht unseren Gepflogenheiten anpassen? Sind die Verschleierten Frauen alle von Männern unterdrückt? Müssen sie sich emanzipieren wenn sie in Deutschland bleiben? Warum geben sie uns nicht die Hand zur Begrüßung?

Fragen über Fragen, die im Internet in vielen Foren diskutiert werden. Sondersendungen im Hörfunk und Fernsehen sind jetzt nach der Sommerpause der große Renner. Die klügsten Köpfe der Nation sind bei den Damen Will, Maischberger und Illner zu Gast und auch der Montagstalk mit Frank Plasberg dreht sich um dieses Thema. Die Stühle in den Studios werden nicht kalt und die Emotionen kochen hoch. Nur Lösungen hat niemand, weder der Islam-Experte, noch der Ethnologe und Politiker jeglicher Couleur schon gar nicht.

Leider kommt niemand von den Gastgebern dieser Laberrunden auf die Idee, wirkliche Kenner der Szene zu befragen. Zum Beispiel Heinz Buschkowsky. Der Ex-Bürgermeister des Problembezirks Berlin-Neukölln wäre geradezu prädestiniert, umsetzbare Ratschläge zu geben. Selbst wenn für ihn der Islam nicht zu Deutschland gehörte, so gehörten jedoch diese Menschen aus fremden Ländern zu seinem Tagesgeschäft. Seine Thesen lauten u. a.: „Neukölln ist überall“ und auch „Integration ist harte Arbeit“. Wie recht er damit hat, doch nur vom Reden alleine wird sich nichts regeln.

Heinz Buschkowsky ist ein Mann der klaren Worte. In einem Zeit-Online-Interview sagte er: „…Familien, die Jahrzehnte hier leben und ihren Kindern den Weg in die Gesellschaft versperren, würde ich gern beim Kofferpacken helfen…“

Selbst wenn er bei seinen „Untertanen“ polarisiert, haben sie ihn ins Herz geschlossen und das trifft auf deutsche und ausländische Mitbürger gleichermaßen zu. Im Interview erzählt er weiter, dass er oft von Menschen mit Migrationshintergrund auf der Straße angesprochen wird. Sie kennen ihren Bürgermeister, wollen ein Selfie mit ihm und die größte Zuneigung aus ihrer Sicht war diese Ansprache: „Bürgermeister, hast du Feinde? Sag uns Bescheid, wir kämpfen für dich!“

Buschkowsky ist ein Berliner Urgestein aus Neukölln und ein streitbarer Sozialdemokrat, der seit über einem Jahr im Ruhestand ist. Noch immer mischt er sich ein, ist kein bisschen leise und immer wieder hört und liest man von ihm. Irgendwann bezeichnete der Tagesspiegel ihn als Heinz Dampf in allen Gassen.

Schade, dass er weg ist, wo doch Menschen wie er heute mehr denn je dringend gebraucht werden!