Wieder eine echte Berliner Pflanze weniger

Sie war Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts aber auch etliche Jahre Justizsenatorin in Berlin. Letzteres war sie in spannenden Zeiten. Wenn Walter Momper als Regierender Bürgermeister in seiner Amtszeit in Berlin etwas Gutes getan dann, dann das: Er holte Jutta Limbach genau zur Wendezeit in die bis dahin eingemauerte Stadt. Diese kluge Frau war ein Hauptgewinn für diese Metropole. Berlin war ihre Heimatstadt und sie wurde mit Spreewasser getauft. Hier studierte sie Jura, 1966 promovierte sie an der Freien Universität und als Professorin blieb sie dieser Uni treu. Sie kannte die Stadt und ihre Probleme aus dem Effeff. Sie wusste wie die Eingeborenen ticken. Doch dann folgte Jutta Limbach 1994 dem Ruf des Bundesverfassungsgerichtes und wurde Präsidentin des höchsten deutschen Gerichts. Glück für Justitia – Pech für die neue alte Hauptstadt.

Gibt es überhaupt noch echte Berliner Pflanzen mit diesem Format?

Rainer Brüderle von der FDP ist zwar in Berlin geboren, allerdings wohl eher zufällig. Ihm wurde es nicht in die Wiege gelegt, Karriere an seinem Geburtsort zu machen.

Hingegen ist Eberhard Diepgen gebürtig aus Pankow, wuchs im Wedding auf, führte die Amtsgeschäfte als Regierender erst im Schöneberger dann im Roten Rathaus und mittlerweile ist er Pensionär.

Ein rhetorisches Talent, das bis zur Wende auf der anderen Mauerseite lebte, ist Gregor Gysi, der seit einiger Zeit überwiegend Polit-Rentner ist.

Ebenfalls weg von der großen Bühne sind Hans-Christian Ströbele, Wolfgang Wieland und Klaus Wowereit.

Übrig geblieben sind nunmehr Namen und Menschen, die den politischen Berliner Acker bestellen. Diese Nachfolger sind keineswegs markant und schillernd und möglicherweise fehlt ihnen auch ein ganz klein wenig Persönlichkeit.

Doch muss ein Politiker auch eine schillernde Persönlichkeit sein? Vielleicht ist dieses Modell eine ausgestorbene Spezies? In Flora und Fauna gibt’s viele Beispiele für Arten, die ausgestorben sind. Mammuts und die gleichnamigen Bäume sind genauso wenig unter uns, wie Flugsaurier und Dinos. Auch Langschwanz-Hüpfmäuse und ihre Vettern mit den kurzen Schwänzen sind vom Erdboden verschwunden, genau wie die einst auf Kuba heimische Stummelschwanzferkelratte. Dafür erlebt aber der totgesagte Maikäfer eine Renaissance.
Vielleicht sollte das der Wähler am 18. September 2016 einfach mal bedenken, wenn er in Berlin den Weg zur Wahlurne antritt… Ist lediglich ein Vorschlag!