Kiffen mit Hermann?

Man sollte nicht glauben, wie beliebt Cannabis bei Hobbygärtnern ist. Mit Regelmäßigkeit informieren uns die Medien über zufällig entdeckte private Anpflanzungen zum Eigenbedarf – behaupten jedenfalls die Erwischten. Dachterrassenbesitzer, Laubenpieper und botanisch aktive Stubenfliegen wird Kommissar Zufall immer öfter zum Verhängnis. Justitia findet das Anpflanzen mit dem verbotenen Stoff nicht ulkig und schlägt meist mit der vollen Härte des Gesetzes zu. Die Anklage lautet: Besitz von illegalen Betäubungsmitteln und manchmal kommt noch der Handel dazu. Alles zwar im überschaubaren Rahmen, aber verboten ist nun mal verboten! Schmerzbekämpfung heißt es oft aus dem Munde von Angeklagten.

Bei Rheuma, Migräne, Krebs, Phantomschmerzen, Neuralgien und anderen Krankheitsbildern kommen Haschisch, Cannabis und Marihuana erfolgreich zum Einsatz und das bereits seit vielen Jahrhunderten. Das gilt heute noch, sowohl für Selbstangebautes als auch für das vom Apotheker Hergestellte.

Mit Regelmäßigkeit wird im deutschen Bundestag diskutiert, ob ein Gesetz zur Freigabe von Cannabis als Medizin beschlossen werden soll. Unser Gesundheitsminister, Hermann Gröhe, hat angeregt, dass bereits ab 2017 Schmerzpatienten – bei denen herkömmliche Mittel nicht mehr helfen – Cannabis auf Kassenrezept bekommen sollen. Die Versorgung soll durch staatlich organisierten Anbau und Einfuhrüberwachung erfolgen.

Pro und kontra geben sich die Klinke in die Hand. Echte und selbsternannte Experten melden sich zu Wort, von allen Seiten wird das Für und Wider beleuchtet. Lediglich die Betroffenen kommen zu kurz – also die Kranken selbst. Sie werden nur selten zum Thema gehört und wenn, dann nur kurz, knapp und meist am Rande. Prinzipiell gefällt ihnen der Vorschlag von Hermann Gröhe, aber sie wollen mitreden dürfen. Schließlich sind sie krank und wissen in Kooperation mit ihrem Arzt, wie eine Cannabis-Therapie laufen muss.

Irgendwann sollten die Entscheider im Bundestag nun mal zu Potte kommen, und zwar um Wohle der Kranken. Geht aber nicht so einfach! Schließlich haben alle ein Mitspracherecht im hohen Haus in Berlin – auch die Lobbyisten. Soviel steht fest: Cannabis ist eine wirksame Alternative zu Pharmaprodukten und das ist nicht im Sinne der Pillendreher und Giftmischer.

Auf der Info-Seite des Deutschen Hanfverbandes kann man lesen: Eine Legalisierung von Cannabis würde die Risiken und Probleme, die die Substanz mit sich bringt, nicht beseitigen! Sie würde aber die Möglichkeit schaffen, mit ihnen offen umzugehen.
Na dann mal ran an die Buletten, lieber Hermann Gröhe!