So seh’n Sieger aus…..in Berlin und bei der SPD

Der Regierende Bürgermeister hält die Schusswaffe in der Hand. Er gibt einen Schuss in die Luft ab und über 40.000 Menschen rennen los, denn es war der Startschuss zum Berlin-Marathon.

Vor einer Woche hat’s schon mal in Berlin und bei der SPD geknallt, aber da ging der Schuss nach hinten los. Da war Michael Müller auch der Knaller. Er hat dem aufmerksamen Fernsehzuschauer am Wahlabend vermittelt, dass er der Wahlgewinner ist. Hat seine Arme gen Himmel gestreckt, die Siegermiene aufgesetzt, hat den Strahlemann gegeben – Gesten, die wir z. B. von Muhammed Ali oder den Klitschkos kennen!

Die SPD – also Herr Müller und seine Berliner Genossen – haben das Allzeittief mit gut dreiundzwanzig Prozent für die Hauptstadt eingefahren. Wenn das man kein historisches Ergebnis und Grund zum Feiern ist! Und als die Prognosen zur ernsthaften Wahrheit wurden, mutierte Willy Brandt vermutlich in seinem Grab zum Ventilator…andere Altgediente der einstigen Volkspartei sicherlich ebenso.

Die lebende Raufasertapete – so nennt man Michael Müller in gewissen Kreisen – jubelte fröhlich drauf los, und zwar völlig ungeniert, von sich überzeugt, gemeinsam mit Eltern, Bruder, Ehefrau, seinem Boss Sigmar Gabriel und vielen anderen Parteifreunden.

Jedem (Noch-)SPD-Fan und allen Urgesteinen der alten Berliner Sozi-Garde, den Mitstreitern im Abgeordnetenhaus und den Regierenden im Bundestag stockte sicherlich der Atem vor so viel Chuzpe, Großmut und geballter Arroganz. Was gibt’s bei 23 % zu jubeln und zu feiern, fragt man sich. Daran ist nix feierlich! Vor der Drei steht weder eine Fünf, gar eine Sechs, geschweige denn eine Sieben. Nicht mal eine Vier oder eine lumpige Drei! Einfach nur eine schnöde Zwei! Über diese Zahl freut sich wohl jeder, der einen Buckel von der Schulmappe zur Schau trägt, aber niemand, der das Amt des Regiermeisters von Spree-Athen innehat und verteidigt.

Sind immerhin fünf, sechs oder sieben Prozentpunkte mehr als die anderen haben, sagt Müller. Immerhin, die CDU hat 18 Prozent, die Grünen 16, die Linken 15 Prozent erhalten und wenn man so herum rechnet, dann stimmt Müllers Analyse haarscharf. Also tolle Ergebnisse hat keine Partei zu verzeichnen. Es sei denn, man guckt auf die FDP, die nun wieder mit 5,7 % an Bord ist und auf die AfD, die es mit 13 % aus dem Stand geschafft hat.

Zwei Sonntags-Ereignisse im Herbst anno 2016 in Berlin. Einmal der Urnengang der Wähler und sieben Tage später das alljährliche Laufereignis in der deutschen Hauptstadt.

Der erste Sonntag hat es im Nachhinein nicht so mit dem eindeutigen und anhaltenden Siegestaumel. Alle Beteiligten haben mittlerweile ein paar Nächte drüber gepennt und keiner weiß so genau, wem er die Schuld für das Ergebnis in die Schuhe schieben soll. Fest steht, dass eigentlich der Wähler alles verbockt hat.

Ganz anders beim Berlin-Marathon. Da stehen die Sieger bereits nach gut zwei Stunden fest. Da wird der erste Sieger genauso gefeiert, wie der, der als Allerletzter durchs Ziel stolpert. So sehen eben wirkliche Sieger aus – völlig erschöpft, nach Strich und Faden ausgepowert – aber überaus glücklich, das sportliche Ziel erreicht zu haben.
Das ist wohl der Unterschied zwischen Politik und Sport – zum Glück!