Wer sich nicht wehrt, landet am Herd!

Dieser alte Postkartenspruch bringt seit Jahrzehnten ganze Scharen von Feministinnen auf den obersten Wedel der Palme. Mich hat der Spruch immer amüsiert und die Reaktionen der Alice Schwarzers der Welt noch wesentlich mehr.

Ich bin übrigens am Herd gelandet und das auch noch sehr gerne. Heute habe ich Zeit dafür, früher von viel zu wenig bis gar nicht. Spaß gemacht hat mir das Kochen und Zubereiten schon immer. Seit vielen Jahren ist mein angetrauter Liebster auch mein phantastischer „Mitesser“ und geliebter Genießer, für den ich gerne und mit viel Liebe koche – allerdings auch oft mit etwas zu viel Butter und Sahne, was die Personenwaage präzise notiert.

Liebe geht durch den Magen und Liebe und gutes Essen gehören zusammen, sagt der oft zitierte Volksmund und Recht hat er mal wieder. Ebenso sind Tisch und Bett auch eng miteinander verbunden. Wenn es aber mit diesen beiden Möbelstücken nicht mehr hinhaut, dann ist das einstige Paar getrennt von Tisch und Bett.

Der Liebe ist es übrigens ziemlich wurscht, wer am Herd den Kochlöffel schwingt und wem vom Zwiebelschneiden die Äuglein tränen. Bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts war das allerdings anders. Damals wuselte fast ausschließlich die brave Ehefrau zwischen Pütt und Pann herum. Der Herr der Schöpfung äußerst selten, es sei denn, er verdiente mit der Kocherei das Haushaltsgeld.

Heute sind es oft die Männer, die in technisch hochwertigen und sauteuren Küchen großes Koch-Kino zelebrieren. Das steht der Suvit-Garer neben dem Thermomix, das Hightech-Waffeleisen hinter dem 1000-Euro-Kaffeebereiter, die XXXL-Küchenmaschine, die außer Wäschewaschen so ziemlich alles kann. Alleine schon eine Küchenwaage der neuesten Generation ist ein Wunderwerk, das den Wiegevorgang nur als Randerscheinung verkörpert.

In unserer Küche findet man solche Schickimickis nicht und trotzdem schmeckt das Essen – sagt mein Mann. Unser Kochtempel hat erst ein paar Jahre auf dem Buckel, aber beherbergt auch viele Utensilien, die eigentlich zum alten Eisen gehören, aber noch immer zuverlässige Helfer sind, um uns mit leckeren Ergebnissen zu erfreuen.

Erfolgreiches HomeCooking braucht Individualität – nicht nur Küchenausstattung, Köchin oder Koch. Rezepte sind das A und O, wobei Land, Region und die Herkunft der Produkte die eigentlichen Hauptdarsteller sind.

Einer kocht wie bei Oma, nach Art des Hauses, regional, mediterran, orientalisch, asiatisch, à la sonst wie oder einfach frei Schnauze.

Andere bevorzugen das, was Großmeister und Spitzenköche in Büchern, in Fernsehshows oder Zeitungskolumnen zum Besten geben.

Bei dem einen geht’s um die Wurst, für den anderen sind leckere Kräuter gewachsen und ein dritter ist der geborene Erbsenzähler im Sinne des Kochens mit Hülsenfrüchten. Jedes Gericht, ob Fisch oder Fleisch, Nudeln oder Reis, egal welche Machart – kann lecker und schmackhaft sein!

„Schmeckt nicht – gibt’s nicht“ ist der Sinnspruch von Tim Mälzer, der auch für Hobbyköche oberste Regel sein sollte.

Ich jedenfalls mag meinen Platz in unserer Küche und die individuelle Kreativität, die ich dort entfalten kann. Aber eins stört mich dort gewaltig und das sind die Kalorien! Sie erinnern sich? Das sind die fiesen Parasiten, die nachts immer heimlich die Klamotten enger nähen.