Ab mit dem Frühling in die Erde!

Unsere Terrasse ist nicht riesengroß, aber wenn es darum geht, sie in Schuss zu halten, kommt sie mir wie ein stattliches Fußballfeld vor. Besonders im Herbst, wenn die Natur sich letztmalig im Jahr aufbäumt und Üppigkeit produziert, als möchte sie Frühling und Sommer übertrumpfen. Die überschüssige und aufgestaute Kraft wuchert aus allen Töpfen und der Erde, bevor die Kälte erbarmungslos zuschlägt und die Natur in den Winterschlaf schickt.

Wenn es im Frühjahr sprießen soll müssen Schneeglöckchen, Krokusse, Tulpen und ihre Zwiebel-Kompagnons nun dringend ins Freie, damit die noch warme Erde ihnen eine kuschelige Winterkinderstube zum Wohlfühlen bietet.

Die Quitten sind knallegelb und warten darauf, gepflückt und verarbeitet zu werden. Rosen blühen schöner und länger, als in den Monaten zuvor. Das Grün erscheint kräftiger und satter, Rosmarin, Thymian, Schnittlauch und Lorbeer wollen geerntet werden, ebenso die Hagebutten. Auf den Wochenmärkten duften viele Apfelsorten aus dem Alten Land um die Wette. Birnen, Pflaumen, Kürbisse, die letzten Tomaten, Kohl, Pilze und anderes Saisonales lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Trotzdem – das Jahr ist bald vorbei. Graue und nasskalte Herbst- und Trauertage erwarten uns, bevor die Weihnachtszeit mit sinnlichen Düften, vielen Kalorien, Lichterglanz und Glockengeläut das Finale bringt. Bald pilgern Heerscharen von Menschen wieder zu den Friedhöfen in Stadt und Land, um die Gräber der Toten für die vierte Jahreszeit winterlich zu schmücken. Bei den Gärtnern und Blumenhändlern klingeln die Kassen.

Wenn es in Bremen wieder „ischa Freimaak“ heißt, dann ist auch die Grünkohl-Saison nicht mehr weit. Dann sind die ersten Apfelsinen und Mandarinen aus Valencia im Handel – noch teuer aber lecker. Der Einzelhandel ist gewappnet fürs Jahresendgeschäft und in der niedersächsischen Gemeinde Himmelpforten trudeln nach und nach die Briefe und Wunschzettel an den Weihnachtsmann ein. Wer nicht per pedes Weihnachtsgeschenke einkaufen möchte, ordert alles bequem aus dem heimischen Sessel und wenn dann der Postmann dreimal klingelt, können die Feiertage kommen.

Früher nannte man die Zeit, wenn sich die Natur zur Ruhe begeben hat, die stille Zeit. Diese Zeit ist heute hektisch und alles andere als still. Menschen hetzen von hier nach da, um dieses und jenes zu erledigen, wollen dies und das vorbereiten, sich mit Hinz und Kunz treffen – müssen all das erledigen, wozu die vergangenen Monate nicht gereicht haben. Müssen sie das wirklich?

Wir machen das anders. Wir machen Leckeres aus Quitten, brutzeln Saisonales in der Küche, backen Kürbisbrot und Apfelkuchen und freuen uns darauf, liebe Leute zu treffen, mit ihnen zu reden und gemeinsam zu essen. Wir können es kaum erwarten, den großen Adventskranz wie jedes Jahr auf die Terrasse zu hängen, ihn zu schmücken und uns an ihm zu erfreuen.
Wir sind an den Feiertagen fit und ausgeruht, wenn Andere abgehetzt und entnervt am Heiligen Abend das Lied von der stillen Nacht singen.