Der doppelte Donald

Was war doch Amerika angenehm, als die nur einen Donald hatten! Nämlich Donald Duck aus Entenhausen.

Über diese cholerische, zu Wutausbrüchen neigende Ente, die irgendwie immer vom Pech verfolgt ist, haben mittlerweile Generationen von Menschen auf der ganzen Welt gelacht. Donald hat jede Menge charismatische Verwandtschaft wie seinen reichen und geizigen Onkel Dagobert Duck, seine Neffen Tick, Trick und Track und seinen Vetter Gustav Gans, der das Glück für sich gepachtet hat. Auch seine Kumpel gelangten zu Weltruhm, wie Daniel Düsentrieb, der Erfinder, Goofy, Kater Karlo, A-Hörnchen und B-Hörnchen und viel andere mehr. Entenhausen hat mit Donald Duck und Co. jedenfalls in den dreißiger Jahren Lustiges hervorgebracht.

Der andere Donald zählt erst siebzig Lenze, kommt aus New York, ist absolut kein Pechvogel sondern ein Self-made-Milliardär, der Spaß am Heiraten und Kinder in die Welt setzen hat und nun Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden will. Er will Barack Obama ablösen und Hillary Clinton, seine Mitbewerberin, zum Teufel jagen, bestenfalls hinter Gitter bringen. Mit Immobilien, Model-Agenturen, Spielkasinos, Golf-Clubs, Bücherschreiben und vielen anderen Aktivitäten verdient er seine Millionen. Ehrendoktorwürden wurden ihm verliehen und ein Stein mit seinem Namen ziert den Walk of Fame in Hollywood.

Hört sich doch eigentlich recht intelligent und pfiffig an – ganz nach dem amerikanischen Traum und nach einem Menschen, der über Hochschul- und Allgemeinbildung verfügt, einen Uniabschluss hat und der es versteht, sich zu präsentieren und zu artikulieren.

Die Weltöffentlichkeit hat diesen Mann im Laufe des Jahres im amerikanischen Wahlkampf allerdings ganz anders kennengelernt. Schnoddrig, rotzig, frech, arrogant, ignorant, obszön, anmaßend, verbal unterste Schublade – einfach blamabel. In Köln würde man ihn eine fiese Möpp nennen.

Und in den USA – was sagen da die Menschen zu ihm und seinen verbalen Ausrutschern? Der kann doch unmöglich zum Mächtigsten Mann der Welt gewählt werden! Die Washington Post fordert Trump zum Rückzug auf, etliche seiner republikanischen Parteifreunde ebenfalls. Bereits im Januar 2016 fragt Die Welt: „Was zum Henker ist mit den Amerikanern los?“

In einer hochpolitischen Schaltzentrale wie Washington braucht es jedenfalls nicht ihn.

Darüber besteht bei vielen klugen Köpfen Einigkeit – doch wie wird man ihn wieder los? Schulterzucken, Stirnrunzeln, Ohnmacht und Hilflosigkeit macht sich breit. Wer wirft den ersten Stein, um diesen unangenehmen Präsidentschaftskandidaten vom Sockel zu stürzen? Goethes Zauberlehrling würde sich mal wieder vor der Frage wie werde ich sie los die Geister die ich rief? sehen.

Dieser Donald ist leider keine Figur, die zum Lachen animiert, wie sein Comic-Namensvetter. Er ist widerliche und lebendige Realität, die einem das Lachen im Gesicht erfrieren lässt…