Ein Kunstwerk für die Ewigkeit

„Zu Risiken lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker…“
Diesen Slogan kennt jeder aus der Werbung. Aber scheinbar ist er in Vergessenheit geraten. Die Packungsbeilage sollte gelesen werden, bevor man mit der Medikamenteneinnahme loslegt. Wenn dennoch Fragen offen sind, beantwortet diese der Arzt oder Apotheker auch außerhalb der bekannten Öffnungszeiten, und zwar 24 Stunden ohne Pause im Internet.

Wie verhält es sich aber mit dem Stechen von Piercings oder Tattoos? Wer darf Stecher sein? Braucht man zum Stechen eine Ausbildung? Und die hygienisch und steril ist das? Was ist, wenn was schiefgeht und wer haftet wofür? Doch wer sich ein malerisches Bildchen auf den Body piksen lassen möchte, wird das schon alles wissen – der hat sich bestimmt informiert! Oder etwa nicht?

Da staunt der Laie nicht schlecht, wenn er solch ein lebendes Kunstwerke in voller Pracht im Hallenbad, am Strand, in der Sauna oder anderswo live zu Gesicht bekommt. Experten sprechen übrigens davon, dass jeder Zehnte sich bereits dieser Tortur unterzogen hat.

Heutzutage sind diese hautnahen Schmuckvarianten in allen Bevölkerungsschichten beliebt und nicht nur bei jungen Menschen. Es ist also nicht nur Kevin aus Marzahn oder Cindy aus Lichtenberg, die diesen Körperschmuck mögen. Es ist auch Sigrun von A. und Kaspar Graf zu S., die ihre Tattoos und Piercings nicht verstecken – es sei denn, sie befinden sich in Bereichen, die nicht öffentlich sind.

Warum auch verstecken? Selbst Ötzi hat angeblich Einstiche auf seiner Haut gehabt, die Wissenschaftler als „dauerhafte Kennzeichen“ identifizierten. Vielleicht hatte man ihm seinen Namen eingraviert, damit er ihn beim Wandern durchs Eis nicht vergisst – wer weiß schon, was damals in war.

Viele Kulturen weit vor unserer Zeit schmückten die Haut ihrer Krieger, Bräute, Kinder und Mumien mit Nadeln, Tätowierungen und Ornamenten. Schmuckvolle Verzierungen und Malereien waren immer sehr beliebt. Bei Indianern und Naturvölkern sind sie es noch heute und ohne die geht’s gar nicht.

Seit Jahren ist diese Art der Verschönerung jedenfalls auch in unseren Breiten sehr angesagt und voll cool. Doch nicht alles was boomt, ist auch gesund! Was ist, wenn die Haut die Tattoo-Farbe nicht verträgt, das Piercing-Material Entzündungen hervorruft? Wenn Magen- und Darmprobleme durch das Bauchnabel-Piercing auftreten, Allergien das Leben beeinflussen, Tattoos das Hepatitis- und Krebsrisiko erhöhen? Dann muss der ambulante Arzt oder der im Krankenhaus ran, die schicken ihre Liquidation der Krankenkasse, die zahlt aus dem großen Topf der Solidargemeinschaft und der Rententräger schlimmstenfalls die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit. Schwarzmalerei – Horrorszenarien? Keineswegs! Ernstzunehmende Statistiken beweisen, dass das Verschönern der Haut oft auch gefährlich sein kann!

Doch bevor das Piksen und Stechen beginnt, muss nach einem Profi fürs Handwerkliche und nach einem Bildmotiv gesucht werden, dass beim Träger lebenslanges Entzücken hervorruft und was mit ein paar Kilogramm mehr auf der Waage nicht entstellt wird. Beides bedarf einer gewissen Sorgfalt.

Der zertifizierte und erfahrene Tätowierer arbeitet meist selbständig, ist ein kreativer Künstler, mit großem Wissen über Material, Anwendung und Wirkung, entwirft eigene Motive und berät seine Kundschaft bei Auswahl und Farbe.

Wer das mit dem Bild für die Ewigkeit nicht mag, dem gefällt vielleicht ein Herz auf der linken Pobacke mit der Inschrift: Für immer und ewig: Luise und Fritz! Und wenn‘s mit Luise und Fritz nicht klappt, dann geben Sie nicht dem Tätowierer die Schuld! Halten Sie ihm einfach die rechte Backe fürs nächste herzige Tattoo hin, diesmal vielleicht: Dein ist mein ganzes Herz – Mariechen.