Een Sportsvan in Ferrari-Rot aber ohne Mustang

Also meen Freund Martin, Sie wissen schon der aus Lesum, hat sich nen neuet Auto jekooft. Eenen Volkswagen. Jenauer jesacht: eenen Golf, der aber neumodisch Sportsvan heißt!

Irjendwie albern, wie ick finde, denn olle Martin is absolut nich sportlich und een paar Jährchen hat er ooch schon uffm Buckel. Vor juut fünfundzwanzig Jahren hätte man ihn als Opel-Typ bezeichnet. Kennen Sie diese Typen noch: Männer im jesetzten Alter, die mit Frau und Schoßhündchen Teddy kleene Ausflüge im beigefarbenen Kadett ins Umland machten und die unterm Wackel-Dackel uff der Hutablage eene Rolle Klopapier versteckt hatten?

Uff alle Fälle isset heutzutage doch so, dass man sich mit zunehmenden Jahren dett Leben bequem jestaltet und warum nich ooch mit nem altersjerechten Töfftöff.

Stinkich war ick ja erstmal als ick hörte, dass Martin eenen VW bestellt hat. Mensch, nach dem janzen Skandaljedöns muss man nich noch dafür sorjen, dass der Frührentner Winterkorn rejelmäßig jutet Jeld uffs Konto kriegt!

Aber denn hat Martin mir die janze Jeschichte verklickert, warum er nen Golf jekooft hat. Janz viele Automarken hat er sich anjekiekt und hier verglichen, da Probe jefahren, Preise abjeleuchtet und watt man sonst noch so allet macht.

Een nicht zu unwichtijer Punkt war übrijens ooch der mit der Farbe. Seine Frau liebt rot, sacht er, aber etliche Automarken haben keen vernüftijes Rot bei dem eenen oder anderen Modell im Anjebot – nicht mal jejen Uffpreis! Und gnädije Frau will nun mal ne fahrbare Einkoofstasche in Ferrari-Rot. Watt willste also machen, sacht Martin? Der Neue is nu wieder jenauso rot wie der Alte!

Also lange Rede, gar keen Sinn: Rot is der Neue, hundert Schickimickis hat er, einparken kann er völlich alleene, vorausjesetzt, Martin drückt uff die richtigen Knöppe. Bei Regen jeht der Scheibenwischer lustijerweise von janz alleene an, steht inne Jebrauchsanweisung. Dett muss er aber noch mal jenau nachlesen, denn uff der Heimfahrt fing’s an zu pladdern und der Wischer jing nur durch Martins Handarbeit an. Den einjebauten Sensor hat‘s jedenfalls keen bisschen interessiert, dass draußen Regen vom Himmel prasselte!

Vom Jeld her, sacht Martin, hat der VW in der Größenklasse am besten abjeschnitten, ooch wenn die Autoverkäufer der anderen Hersteller mächtich geklotzt ham, um gegenanzustinken.

Apropos Autoverkäufer: Dett is ne Spezies für sich – sagt nich nur Martin, dett weeß man ja selbst. Die Typen vakoofen sojar notfalls ihre Familie – unseriös bis zum Geht-nicht-mehr und noch schlimmer als Versicherungsfuzzys oder Möbelverkäufer!

Die neue Kiste hat Martin im Wolfsburjer Werk jekooft und abjeholt und mich hat er mitjenommen. Nu habe ick den Betrieb da mal von innen jesehen und bei so eener Rundfahrt durchs Werk habe ick live gucken können, wie da jearbeitet wird. Is schon interessant, sag ick Ihnen, aber Martin sacht, die Werksführung war früher länger und ausführlicher. Na ja, Volkswagen spart eben wo sie können und am besten können sie dett beim Kunden tun!

Wir mussten nüscht für die Rundfahrt bezahlen, die war in unserem Fall im Neupreis fürs Auto enthalten. Aber andere Autostadtbesucher löhnen janz kräftig für die juute halbe Stunde im Werk, wo fotografieren wejen Werksspionage und so natürlich verboten is.

Apropos löhnen: Hunger hatten wa denn ooch mal zwischenmang. Also watt sollen wir jetzt essen? Jede Menge Restaurants bieten allet Mögliche an. Wir ham uns für ne Klappstulle mit Salami und Sauerrahmbutter entschieden. Eene Stulle, trocken wie Furz. Die Salami und Butter waren nur andeutungsweise zu schmecken. Eene Stulle hat jeschlagene drei Euro und sechzig Cent jekostet. Also nach Adam Riese sind dett 7,20 Euro für zwee Stück! Na ja, die nehmen es eben von den Lebendigen. Aber nu waren wa für die feierliche Überjabezeremonie jestärkt und ooch für die Heimfahrt.

Zuhause in Bremen-Nord ham wir uns erstmal über een jroßet Eis herjemacht. Wir waren beede völlig fix und foxi vom janzen anstrengenden Tach. Ick hab beschlossen, dass dett für mich ne einmalije Nummer war. Dett nächste Auto kann er alleene abholen, mit mir jedenfalls nich mehr. Eenmal Wolfsburjer Autostadt hat mir jereicht!

Aber nu steht dett juute Stück vor Martins Türe. Der kleene Flitzer in Ferrari-Rot, ohne Pferd uff der Haube, aber mit viel Pferdestärken darunter. Und so schön bequem beim Ein- und Aussteigen is er.

Mit dem Koof von dett Auto hat Martin übrijens ooch viele juute Taten jetan: Seiner Frau und der deutschen Wirtschaft hat er ne Freude jemacht, VW die Verkaufsquoten jestärkt und een kleen bisschen zu Winterkorns Apanage beijetragen. Is doch ne juute Bilanz – oder?