Die bucklige Verwandtschaft

Jeder hat sie, jeder kennt sie. Aus ulkigen, ernsthaften und traurigen Filmen, aus Erzählungen anderer, aus Romanen und natürlich aus eigener Erfahrung. Es sind die lieben Verwandten. Bereits im Kinderwagen schieben sie uns ins Leben, sie schaukeln uns in süße Träume und wechseln uns die nicht mehr frischen Pampers. Verwandtschaft nennt man sie, die Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen und natürlich die Eltern und Geschwister. Keinen haben wir uns ausgesucht. Das ist Familie, in die werden wir hineingeboren. Manche sind super und astrein, mit denen kann man Pferde stehlen und mit denen ist man ein Kiek und ein Ei. Andere sehen wir lieber gehen als kommen und am liebsten überhaupt nicht. Aber wir bleiben mit ihnen verwandt, blutsverwandt sogar, und zwar bis zum bitteren Ende, bis der Sensenmann die Verbindung für immer trennt. Manchmal ist allerdings auch dann noch die Familienzugehörigkeit auf dem Grabstein erkennbar.

Manche Familien existieren bereits seit Jahrhunderten und erhalten sich in der Regel durch stetigen Zuwachs und der wiederum bringt neue Mischpoke in den Stammbaum, den man angeheiratete Verwandtschaft nennt.

Was dann kommt, kennen wir alle: die einst noch überschaubare Sippe platzt aus allen Nähten! Wer also den neunzigsten Geburtstag im Kreise seiner Lieben verbringen will, muss entweder beizeiten Kohle ansparen oder das eine oder andere Clanmitglied von der Einladungsliste streichen. Das könnte zu Animositäten führen, die die Familienharmonie empfindlich stören könnten.

 

In jeder ehrenwerten Familie gibt’s auch Schwiegermütter, die eher einen zweifelhaften Ruf genießen. Aber es gibt auch ganz tolle dieser Spezies – nette, kluge und liebe aber auch die gegenteiligen – mit denen ist dann nicht gut Kirschenessen. Doch Vorsicht, schnell wird man selbst zum „Schwiegermonster“, denn dazu braucht’s nicht viel. Lediglich einen Sohn oder eine Tochter auf Freiersfüßen und schon ist es passiert!

 

Das Image der Schwiegermutter ist übrigens schlechter, als das der Atomindustrie, konnte man vor einiger Zeit in der Süddeutschen Zeitung lesen. Um das zu verdeutlichen, hat die Redaktion das anhand einiger witziger Beispiele dargestellt:

  • Adam war der einzig glückliche Mann auf der Welt: er hatte keine Schwiegermutter.
  • Die Schwiegermutter ist tot. Der Mann vom Beerdigungsinstitut fragt den Schwiegersohn: „Einäscherung oder Beerdigung?“ – „Beides bitte, ich will auf Nummer sicher gehen.“
  • Auf die Frage, warum Schwiegermütter nicht in den Himmel kommen, gibt’s nur eine Antwort: Drachen steigen niemals höher als hundert Meter!
  • Ein junger Mann sagt im Gespräch mit einem älteren Herren: „Wenn ich heirate, dann schicke ich meine Schwiegermutter für mindestens fünf Jahre in den Urlaub!“ Darauf der ältere Herr: „Ihre Idee gefällt mir! Haben Sie nicht Lust, eine meiner Töchter zu heiraten?“
  • Alte Bauernweisheit: Mischt der Bauer Gift zur Butter, ist sie für die Schwiegermutter.

Trotzdem, Familie ist was ganz Besonderes und nicht umsonst hält sich das geflügelte Wort, Blut ist dicker als Wasser, seit Generationen. Chemisch ist diese Feststellung falsch, moralisch allerdings okay. (Bluts-)Verwandte halten nun mal wie Pech und Schwefel zusammen. Bestenfalls ist eine intakte Familie Liebe, Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen und nicht zuletzt Freundschaft auf allerhöchstem Niveau – aber nicht immer und schon gar nicht selbstverständlich!Schon die Bubis von Adam und Eva waren sich nicht grün, denn sonst hätte Kain ja wohl kaum seinen Bruder Abel erschlagen. Und das war immerhin die allererste Familie der Weltgeschichte von der wir wissen.

Dann gibt’s noch die berühmten Familien mit lange zurückreichender Geschichte wie die Bismarcks, die von Thurn und Taxis, die Opels, die Hohenzollern, die Ottos, die Erfinder des Versandhandels und des Katalogs, um nur einige zu nennen. Wie bei denen die Familienbande geknüpft sind, lassen sich gelegentlich in der Yellow Press nachlesen oder in einschlägigen TV-Magazinen ansehen.

Auch in grauer Vorzeit, nämlich bei den Feuersteins und Geröllheimers in Steintal, war familiär nicht immer alles tutti. Und erst mal bei Ekel Alfred Tetzlaff und seiner Frau Else – die Älteren unter uns erinnern sich oder warten auf Silvester, da wird die Episode „Der Silvesterpunsch“ garantiert zum gefühlten fünftausendsten Mal wiederholt.

Familie bestimmt unser Leben, sie ist Bestandteil menschlicher Kulturen auf allen Kontinenten weltweit. Trotzdem – rein familiär betrachtet hat man nicht die freie Wahl, man muss nehmen wie es kommt und man muss sich arrangieren. Mit den Wölfen heulen, Familiengeheimnisse mit dem Clan teilen, das Familienoberhaupt akzeptieren, im Kreise der Familie feiern, für sie sorgen und zusammenhalten. Von der Wiege bis zur Bahre ist man miteinander verbandelt. Freude verbreitet Babygebrabbel, Altersstarrsinn bringt Unmut, Tränen fließen bei der Taufe, der Hochzeit und auf dem Friedhof – alles ist Familie – aber auch Spaß, Chaos, lachen und tratschen, ein Hürdenlauf durch dick und dünn und vor allem durchs gesamte Leben – wenn man viel Glück hat.