Tigis Freunde

Eingewöhnt hat sich Tigi in seiner neuen Umgebung sehr schnell, Freunde und Spielgefährten hat er auch gefunden.

Da sind zum Beispiel die beiden Eichhörnchen Helmut und Henri die Flitzpiepe. Bis vor einiger Zeit wohnten sie im großen Nussbaum, der aber mittlerweile nicht mehr existiert. Er war von innen hohl, also durch und durch krank und eine Zeitbombe für Passanten und parkende Autos. Somit blieb nur das Absägen. Als die beiden Kletterfritzen das hörten, bastelten sie Schilder auf denen zu lesen stand: Der Baum muss bleiben! My Home is my castle! Lasst uns die Nüsse! Und damit gingen sie demonstrieren, immer auf und ab in der Einfahrt und auf dem großen Parkplatz. Zur Verstärkung hatten sie Freunde, Familienmitglieder und ihre Kumpels mobilisiert und dazu gehörte natürlich auch Tigi. Der hatte das größte Schild und trug es stolz vor sich her. Rettet meine Freunde, stand drauf geschrieben und seine beiden Freunde Helmut und Flitzpiepe hatten ganz oben drauf Platz genommen. Die Ringeltaube namens Gerda ebenfalls. Das hatte schon was von den Bremer Stadtmusikanten, fanden die meisten, die das ulkige Gespann vorbei marschieren sah.

Gerda ist eine Ringeltaube und sie lebt seit längerem schon alleine. Keine Ahnung, wo ihr Partner abgeblieben ist, ob sie Kinder oder überhaupt Familie hat. Man sieht sie immer nur solo. Gerda ist ein bisschen paddelig. Beim Landen und beim Starten stellt sie sich etwas unbeholfen an und wer sie nicht kennt, hält ihre Darbietungen für eingeübte Slapstickeinlagen. Wir haben uns mittlerweile an ihre Tollpatschigkeit gewöhnt und freuen uns, dass sie für Tigi eine gute Freundin geworden ist, die regelmäßig mit ihm Zeit verbringt.

Von Zeit zu Zeit machen die Zwei, also Tigi und Gerda, auch mal einen Ausflug. Diesmal wollen sie mit dem Metronom nach Hamburg fahren und sich einen schönen Tag bei Hagenbeck machen. Nach längeren Diskussionen konnten wir Tigi davon überzeugen, seine Tarnkappe aufzusetzen, denn sonst hätte es wieder Ärger mit anderen Leuten gegeben. Die sind nun mal empfindlich, wenn sie einem ausgewachsenen Tiger auf der Straße oder im Zug begegnen. Wir leben hier nun mal nicht in Asien! Bei Gerda ist eine Tarnkappe unnötig. Eine Taube gehört zum Alltagsbild und die kann sich schon mal in einen Personenzug verirren – ist eben anders als ein Tiger.

Tigi nimmt seinen Lieblingsrucksack mit, nämlich den von Studiosus, denn da passt alles rein, was er tagsüber so braucht. Wichtig sind sein Schal, sein Handy, seine Geldbörse und natürlich Bananen, Äpfel, ein paar Tomaten, ein Glas Spreewaldgurken, eine Tafel Vollmilchschokolade und seine selbstgebackenen Vollkornkekse. Das ist übrigens sein Proviant und kein Mitbringsel für Zoobewohner. Das futtert Tigi ganz alleine, denn er ist Vegetarier. Gerda hat ihr Tütchen mit Körnern ebenfalls im Rucksack verstaut und nun dampfen beide ab.

Am Bremer Hauptbahnhof verpassen sie den Zug nach Hamburg und bummeln bis zur Abfahrt des nächsten durch die Bahnhofshalle und an der Seite. Ganz zufällig treffen sie auf zwei Krokodile. Die sind direkt aus Kairo – Ägyptens Hauptstadt – angereist und sprechen gutes deutsch. Sie sehen sehr gepflegt und adrett aus, haben anscheinend recht gute Manieren, sind allerdings von der weiten Reise etwas geschafft, haben Hunger und Durst. Tigi und Gerda stellen sich ihnen vor und das war der Beginn einer Freundschaft zwischen Tigi und Gerda und den beiden Nilkrokodilen Emil und Karl.

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