ARD-Büffet – Kochen und Info in 45 Minuten

Bis noch vor einigen Monaten war das eine tolle Sendung – doch jetzt? Man hat sie drastisch auf fünfundvierzig Sendeminuten zusammengekürzt. Vorher präsentierte das Format Interessantes in knapp zwei Stunden. Nun ist alles gequetscht und kein Thema kann mehr ausführlich behandelt werden. Weder das Dialekträtsel noch die Künstler am Herd kommen so richtig zu Wort geschweige denn, die Tipps vom einen oder anderen Experten. Restaurant- und Ausflugsempfehlungen für Deutschland zum Beispiel kommen überhaupt nicht mehr vor und der Slogan „Die Servicesendung mit vielen Rezepten, Alltagstipps und tollen Dekorationsideen“ ist nicht mehr das, was sie seit Oktober 2012 bis Ende 2013 war. Schade, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen gute und vor allem informative Sendungen mehr und mehr ausdünnt.

Wie viele Sendungen in der ARD haben an Zeit und somit an Qualität im Laufe der vergangenen Jahre schon verloren? Keine Ahnung wie viele, aber Panorama, Monitor, Report Mainz und München, Fakt und auch die eine oder andere Informationsquelle im ZDF sind in der Vergangenheit einfach hinsichtlich der Sendezeit gerafft worden.

Dafür gibt es Unmengen von Talkshows. Auch die Dritten Programme mischen da kräftig im ARD-Verbund mit. Wenn Herr Jauch am Sonntagabend mit dem Thema XYZ der Vorreiter ist, so dürfen wir sicher sein, dass alle anderen Talker am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag auf genau diesen Zug aufspringen und nachlegen. Am Freitag darf der geneigte Zuschauer sich dann boulevardesk berieseln lassen, denn da lässt man Aktuelles und Politisches überwiegend außen vor. Da redet das Starlet, die Dschungelqueen, der Musiker, der Rapper, der Fußballtrainer im Ruhestand, der in die Jahre gekommene Journalist, Moderator, Bestsellerautor im Plauderton über dies und das und macht ordentlich Promotion für sich und sein neues Buch, Album, seinen Film oder sonst was. Ob Männlein oder Weiblein, ob blutjung oder im rüstigen Rentenalter – alle haben uns scheinbar was mitzuteilen.

Und nicht zu vergessen sind die ZDF-Spezial- und ARD-Brennpunkt-Sendungen aus aktuellem Anlass zur Primetime. Da werden wir über Aktuelles, das in vorangegangenen Nachrichtenblocks schon ausführlich behandelt wurde, nochmals innerhalb von zehn oder fünfzehn Minuten mit dem bereits Gesehenen und Gehörten versorgt. Die nachfolgenden Beiträge verschieben sich somit um diese Zeit und das wird uns auch mit wichtigem Gesicht vom jeweiligen Moderator angekündigt. Übrigens: für manch einen Zuschauer eine willkommene Pause, das Abendbrotgeschirr in die Spülmaschine zu räumen, noch das eine oder andere Geschäft vorm Krimi oder Spielfilm zu erledigen oder den Kindern einen zusätzlichen Gutenachtkuss auf die Backe zu drücken. Fast wie beim obligatorische Werbeblock bei den privaten Sendern.

Nur Sport verliert nichts an Zeit – Sport gewinnt! Hier wird, wenn erforderlich, rund um die Uhr berichtet, gesendet und gezeigt, was das Zeug hergibt. Fußball wäre ja okay. Das ist nun mal des Deutschen liebster Sport. Dabei bleibt es aber nun mal nicht. Da gibt’s die Tour de France, das große Dopingspektakel im Sommer und diverse andere Sportarten, die aber keineswegs zum Breitensport gehören. Bei Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen im Sommer und im Winter gibt es für die öffentlich-rechtlichen Sender kein Halten mehr. Man füttert uns bis zum Erbrechen mit Live-Übertragungen und anschließenden Expertengesprächen, damit wir bloß nichts verpassen und alles wird endlos wiedergekäut. Selbst regionale Veranstaltungen bleiben nicht auf der sportlichen Strecke, denn schließlich hat jedes Dritte Programm auch hier was zu bieten.

Muss das sein? Wollen wir das? Finden wir es gut, wenn sich mal die ARD und mal das ZDF für einige Tage hintereinander von früh bis spät von seinen „normalen“ Konsumenten verabschiedet? Nee, ich glaube nicht, dass wir das so wollen! Bei der heutzutage vorhandenen Vielfältigkeit der Fernsehkanäle mit Spartensendern zu allen möglichen und unmöglichen Themen, könnte man auch andere Lösungen finden, um beim Zuschauer mit Abwechslungsreichem zu punkten.

Interessant wäre auch zu wissen, warum z. B. die Regierungserklärung der Kanzlerin gleichzeitig im Ersten und bei Phoenix gesendet wird! Meiner Meinung nach wäre diese Liveberichterstattung bei Phoenix bestens aufgehoben und meinem Wissen nach hat man genau für solche Fälle diesen Sender seinerzeit aus der Taufe gehoben.

All das wird uns tagein und tagaus geboten und für all das zahlen wir jeden Monat treu und brav unsere Rundfunkgebühren – ab demnächst sogar ein paar Cents weniger – pünktlich und per Bankeinzug. Somit sind wir dank ARD und ZDF bestens informiert, sitzen immer in der ersten Reihe und können uns glücklich schätzen – oder?

21.03.2014

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