Auf gute Nachbarschaft!

Da haben Sie gefühlte hundert Jahre gespart, um sich ein funkelnagelneues Reihenhaus als Altersruhesitz leisten zu können. Große Terrasse, kleiner Garten, Garage plus Carport und – was für Sie total wichtig ist: keine Außenwohnung! Mittelwohnungen sind nun mal wärmer und halten die Heizkosten niedrig!

Viele Dinge haben Sie bei der Auswahl bedacht: Infrastruktur stimmt, Supermarkt im Tante-Emma-Stil fußläufig erreichbar, Naherholungswert ist unschlagbar und sozusagen hinterm Haus, großer Park, idyllischer See, Fußball- und Bolzplatz in angemessener Entfernung, wichtig wegen Glasbruch und Lärm. Was will man also mehr! Allerdings gibt’s eine Unbekannte im Plan: Das Ding mit den Nachbarn – die Nachbarn rechts und links und überhaupt. Wenn es dumm läuft, lernen Sie die aber erst nach Ihrem Einzug kennen.

 

Die Handwerkerarbeiten sind abgeschlossen, alle Möbel stehen an ihrem Platz, Gardinen – soweit erforderlich – hängen, die Terrasse ist frühlingsmäßig bepflanzt und frühstücken unterm gelb-weiß-gestreiften Sonnenschirm ist Urlaub, Ruhe und Erholung pur!

Dann, an einem Tag wie Samt und Seide mitten im Mai ziehen plötzlich und unerwartet, mit viel Gepolter und Geschepper die neuen Nachbarn zur Rechten ein. Zwei Erwachsene, vier Kinder, ein großer gelb-grüner und laut brabbelnder Papagei und ein kleiner weißer Spitz, der scheinbar nur beim Pinkeln aufhört, zu kläffen.

Sind ja viel zu viele Personen für die 85 Quadratmeter, geht es Ihnen durch den Kopf. Sicherlich bewerkstelligen die alle nur den Umzug für ihre Eltern oder Großeltern. Eine Stimme reißt Sie aus Ihren Gedanken: „Hallo, ich bin Ihre neue Nachbarin, die Frau Lachmeister, wir ziehen heute hier ein. Ist ja Bombenwetter, bei Regen wär’s echt doof! Besonders mit den Kindern und dem Hund, da wär ja alles ratzfatz dreckig!“ Oh Gott! Mir bleiben die Worte im Hals stecken – vier Kinder und der kleine Zoo! Mein Mann hingegen ist kein bisschen geschockt, eher vom Anblick der Nachbarin hochgradig entzückt! Höflich stellt er sich vor und imponiert der Neuen mit seinem Hilfsangebot, „..falls mal irgendwas nicht so hinhaut…“ – komisch, ich denke seine Bandscheibe und sein Ischias machen ihm zu schaffen!

Ein paar Tage später – Sonntagnachmittag zur Kaffeezeit – hält ein silbernes Cabrio der Marke mit dem Stern links vorm Haus und zwei flotte Typen in den besten Jahren steigen lachend mit einem sandfarbenen Mops und einem borniert wirkenden und astrein getrimmten schwarzen Königspudel aus. „Hallöle, wir sind die Neuen und ab morgen kommen wir regelmäßig!“ Was ist das denn für ein Gespann?

Bevor ich was sagen kann, ermahnt mich mein Mann zur Ruhe: „Wir lernen die erst alle mal richtig kennen und dann sehen wir weiter und bis dahin hältst du mal die Füße still!“

Ein paar Monate sind seither vergangen, es ist Herbst und wir hatten einen wundervollen Sommer gemeinsam mit unseren Nachbarn – wir haben uns allesamt gesucht und gefunden!

Der Papagei Pumuckel bewacht täglich laut brabbelnd die Terrasse. Der gefiederte Exot lockt freifliegende Kollegen an, die neugierig um seinen Käfig schwirren und sich auf unserer Terrasse ausruhen und unseren Tisch für ihr Klo halten. Angie, so heißt der Mops, interessiert sich nicht die Bohne für den Quatschkopf und fürs andere Federvieh. Pluto, der Spitz, hat sich mit dem Königspudel namens Mäuschen angefreundet. Eigentlich haben die Lachmeisters nur zwei Jungs, wie sich herausstellte und das sind so richtige Lausbuben, die ihre Namen Max und Moritz völlig zurecht tragen. Die zwei anderen Rabauken sind Freunde der Zwei und besondere Schützlinge von Herrn Lachmeister. Der ist nämlich Gymnasiallehrer und ehrenamtlicher Fußballtrainer beim Kicker 07.

Das männliche Duo auf der anderen Seite der Terrasse sind Rolf und Harry und beide haben vor drei Wochen mit Frack und Zylinder geheiratet, flittern derzeit auf Barbados und ihre Vierbeiner bei uns Daheimgebliebenen in Obhut. Mein Mann hat überhaupt nicht mehr Rücken und ich übe mich regelmäßig im Kuchenbacken und Pudding ist so ziemlich ein tägliches Muss.

Nachbarn sind ähnlich wie Familienmitglieder. Es gibt außerordentlich angenehme und liebe Zeitgenossen unter ihnen, mit denen man gerne Zeit verbringt – wir haben solche gefunden!