Eine Weihnachtsgeschichte

oder VOLL IM ABSEITS
Keine Angst, ich erkläre jetzt keine Fußballregel und schon gar nicht die vom Abseits. Damit haben selbst Profis nach Meinung anderer Experten Schwierigkeiten und es sollen deshalb schon Ehen in die Brüche und Freundschaften zerbrochen sein.

Aber schnell kann man ins Abseits rutschen, und das nicht nur beim Kicken. Auf dem Pfad der Tugend kann man ausrutschen und schwupp ist man im Abseits. Auch andere Gründe können die Ursache sein. Wenn der Job futsch, die Liebste mit dem Nachbarn durchgebrannt, der beste Freund in die ewigen Jagdgründe gegangen ist, die Pappe für längere Zeit einkassiert wurde und das Auto beim Schrotthändler steht. Alles Ereignisse, die geeignet sind, sich ins Abseits katapultieren zu lassen.

Selbst Jesus hat diese Position kennengelernt, denn bereits seine Geburt fand im totalen Abseits statt. Seine Mutter Maria hat ihn weit ab von jeglicher Zivilisation mitten in der Pampa zur Welt gebracht. Josef, verheiratet mit Maria, aber nicht der Vater des Lütten, kümmerte sich liebevoll um die Zwei. Die kleine Familie lebte im Stall und der Junior lag in einer Krippe, nicht mal Pampers vereinfachten das Leben dort und ringherum standen Ochs und Kuh – also nicht wirklich tolle Verhältnisse.

Nun ist ja Klein-Jesus was Besonderes und das sollte die ganze Welt erfahren. Leider zu damaliger Zeit nicht ganz unproblematisch, denn Festnetzanschlüsse, Internet und Handys waren noch genauso unbekannt wie Twitter, Facebook und andere Netzwerke. Aber Engel gab es schon und somit mussten die ran, die Neuigkeit zu verbreiten. Die flogen zunächst mal zu den Hirten auf nahe Feld, die natürlich einen Riesenbammel vor den Engeln hatten. Denn die waren früher wohl nicht die goldigen Putten, so wie wir sie heutzutage kennen. Die waren ziemlich groß, kräftig und schauten meistens furchteinflößend aus ihrem Wallewalle-Kleidchen. Denken Sie bloß mal an Cherub, mit dem war angeblich nicht immer gut Kirschen essen. Also die Engel verklickerten den Hirten die Neuigkeit und nachdem die sich vom Schreck erholt hatten, machten sie sich prompt und neugierig auf die Socken, den zukünftigen Religionsstifter und seine Eltern zu besuchen.

Also ich frage mich manchmal, wie das damals wirklich war, denn es hielt sich vehement das Gerücht, dass Maria ein Techtelmechtel mit dem Heiligen Geist gehabt haben soll und Josef nur der Ziehvater von Jesus ist. Ob das wohl wahr ist? Muss wohl, denn immerhin geht’s hier um die heilige Familie und nicht um die Familie Münchhausen…!

Sowohl die Engel als auch die Hirten machten einen guten Job und man glaubt’s ja kaum, wie schnell sich die Botschaft in Windeseile über alle Kontinente verbreitete. So steht’s jedenfalls in der Bibel. Das scheint zu stimmen, denn bereits zu Beginn des neuen Jahres kamen drei Könige aus dem Morgenland – so nannte sich diese Boy-Group. Sie hießen Caspar, Melchior und Balthasar und sie brachten dem kleinen Windelschieter Geschenke. Am liebsten hätten sie Selfies von sich und dem kleinen Schreihals gemacht und in alle Welt gepostet, doch aus den bereits genannten Gründen ging das seinerzeit noch nicht.

Rumgesprochen hat sich das mit Jesus, Maria und Josef aber trotzdem. Viele Menschen waren voll aus dem Häuschen und anderen gefiel das mit Jesus kein bisschen – und dieser Status blieb, so lange er lebte. Seine Fangemeinde wuchs über die Jahre und schon als junger Mann hatte er jede Menge Follower. Aber die Geschichten mit und um Jesus kennt jeder und unterm Strich kann man feststellen, dass er kein Sonnyboy war, sondern auch alle naselang aneckte und viel zu oft auch im Abseits stand. Aber er hat sich nicht unterkriegen lassen, er war ein Macher, ein Kämpfer, ein Menschfreund, er half den Armen. Und er erzählte ihnen von Gott und er bekehrte die Menschen. Nicht alle – aber den einen oder anderen schon.

Sie nannten ihn Jesus von Nazareth, später Jesus Christus, den Heiland und Retter der Welt. Noch heute ist er der Boss in der christlichen Kirche und in seinem Namen werden Kinder getauft, Ehen geschlossen und mit seinem Beistand treten die werten Verblichenen ihre letzte Reise an. Auch als Religionsstifter ist er noch heute in aller Munde, sein Konterfei begegnet uns allerorts und sogar in jedem Kreuzworträtsel wird nach ihm gefragt.

Ein gefragter Typ also, unser Herr Jesus. Allerdings manchmal vielleicht ein wenig aus der Mode gekommen – oder vielleicht etwas ins Abseits gedrängt. Aber auch er hat so seine Hoch-Zeiten, wie zum Beispiel jetzt, denn es weihnachtet sehr und da hat er schließlich Geburtstag. Sein Feiertag also, den wir dazu nutzen, Warenhäuser leerzukaufen, Paketdienste mit Aufträgen zu überschütten, Weihnachtsbaumplantagen abzuholzen und jede Menge Leckeres zuzubereiten, um unser Hüftgold aufzubessern.

Ach ja, ihm haben wir auch unsere Zeitrechnung zu verdanken. Er hat für ein Davor und ein Danach gesorgt. Daher nennt man die Zeit bevor er zur Welt kam vor Christus und mittlerweile sind wir 2116 Lenze nach seiner Geburt. Er, der so oft im Abseits war, hat uns Etliches hinterlassen, was wir bis heute noch hegen und pflegen, was uns in Fleisch und Blut übergegangen ist und auf das wir nicht verzichten wollen. Aber er hat uns auch gezeigt, wie man aus einem Abseits wieder herauskommt, und zwar manchmal sogar mit seiner Hilfe!