Einmal Wurscht immer Wurscht?

Von Ostfriesland bis zu den Alpen und von Thüringen bis zum Westerwald haben ungefähr fünfzig Prozent aller Landsleute Appetit auf Kartoffelsalat mit Würstchen an Heiligabend. Der alte Brauch wird nicht gebrochen – sagen zumindest die Statistiker und die müssen es ja wissen! Unzählige Geschmacksrichtungen variieren regional bei Würstchen und Salaten.

So viele Schlachter, so viele Wurstsorten, so viele Köche und Hausfrauen, so viele Salatzubereitungen. Während der Weihnachtsbaumschmuck der Mode unterliegt, ändert sich an der Wurst-Salat-Traditions-Front einfach nichts und Familienrezepte werden sozusagen von Generation zu Generation vererbt. Wiener und Frankfurter Würstchen, Schinkenwürste, Breslauer, einfache Bockwurst mit und ohne Kraut, mit Majoran oder Kümmel, geräuchert oder gekocht, mild oder deftig, dicke oder dünne aus Schweinefleisch, Lamm oder Rind – unzählige Geschmacksrichtungen stehen zur Auswahl. Selbst Vegetarier müssen der Heiligabendtafel nicht fernbleiben – denn für sie gibt’s Tofu- und andere Veggie-Würste.

Mit dem Kartoffelsalat verhält es sich ebenso. Hauptperson ist die schmackhafte Knolle und der ist es total schnuppe, ob sie zum Auftakt des Weihnachtsfestes eine Liaison mit einer selbstgemachten Mayonnaise eingeht, ein Rendezvous mit Essig und Öl hat oder als rustikaler Specksalat in der Schüssel landet. Hier sind der persönlichen Kreativität und Fantasie keine Grenzen gesetzt und – wie beim Sex ist alles erlaubt, was gefällt – und in diesem Fall auch noch lecker schmeckt.

Senf darf in der Küche und auf an der weihnachtlichen Futterkrippe keineswegs fehlen. Er ist eine wichtige Zutat – sowohl für Würstchen als auch für Salatmarinade. Diese leckere Würzpaste von mild bis scharf, mit und ohne Körner, edel oder rustikal oder völlig unspektakulär aus Bautzen, dem Spreewald oder Düsseldorf ist ein absolutes Muss.

Aber Salat und Würstchen ist nur eine Variante der vielfältigen Beköstigungsmöglichkeiten am Heiligabend. Immerhin wollen die anderen fünfzig Prozent der Deutschen auch was in den Bauch bekommen, wenn der Baum festlich funkelt und sich unter ihm die Geschenke und nach der Bescherung die Papierberge stapeln.

Die fliegende Ente und die freilaufende Gans sind die Küchenschlager seit anno Zopp und es ist egal, an welchem Weihnachtstag ihre abgenagten Gerippe auf dem guten Geschirr hinterlassen werden. Beilagen wie Rotkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Maronen, Bratensoße, Klöße, Salzkartoffeln und andere Köstlichkeiten haben Spuren auf der anfangs so persilweißen und gestärkten Tischdecke hinterlassen. Und zu guter Letzt noch der Bratapfel, der so betörend duftet und Weihnachtsstimmung verbreitet.

Wem das zu traditionell ist, der richtet eben Köstliches für Raclette oder Fondue in der eigenen Küche her und kauft das Fleisch beim Schlachter seines Vertrauens und alle weiteren Zutaten eben bei Aldi, Lidl & Co. Wer Hummer, Austern oder andere Wald-, Fluss- und Meeresbewohner mit und ohne Schuppen in weihnachtliche Zeremonien einbinden möchte, dem steht der Lieferservice diverser Gourmettempel oder Edelkaufhäuser zum angemessenen Preis zur Verfügung.

Doch wer sich gerne die Küchenschürze vor Brust und Bauch bindet und selbst Hand anlegt, der braucht entweder Rezepte oder werkelt einfach frei Schnauze. Jede Zeitschrift – von der Rentner-Bravo (Apotheken Umschau) bis hin zur altehrwürdigen HörZu – bietet dazu Umfangreiches. Die Tipps für die Zubereitung kommen von den üblich verdächtigen Promi-Köchen wie Lafer, Schuhbeck, Lichter, Mälzer und wie sie alle heißen. Ebenso ist das Internet eine unerschöpfliche Quelle für schmeckt nicht gibt’s nicht und die Mediatheken aller Sender sowieso.

Halten wir also mal fest: Würstchen und Salat sind auch für die Eiligen und Gehetzten unter uns geeignet und denen es an Vorbereitungszeit mangelt. Also für die, die Heiligabend noch arbeiten müssen, jede Menge Stress um die Ohren haben, den Baum herausputzen und gefühlte hundert Dinge im Sauseschritt zu erledigen haben. Würstchen aus Glas, Büchse oder eingeschweißt sind optimal und Kartoffelsalat aus dem Kühlregal gibt’s in jedem Supermarkt, und zwar in mehreren Geschmacksrichtungen. Diese Art der Vorbereitung kann gut und gerne vor dem ersten Advent erledigt werden. Zur Deko reicht ein Petersilienblatt oder ein Radieschen mit grünem Zipfel völlig aus oder irgendwas Anderes, was das Gemüsefach des Kühlschranks so hergibt.

Essen gehört zu Weihnachten wie die Oase zur Wüste, der Mond zur Sonne und es ist ein Hochgenuss, wenn zum Essen ein guter Tropfen kredenzt wird. Ob Bier, Wein, Champagner oder ganz einfaches Leitungsheimer, dem einen schmeckt dies, dem anderen das. Und genauso verhält es sich auch mit den Essgewohnheiten zum Weihnachtsfest: Von Erbsensuppe, Lachs, Rinderrouladen, Hühnereintopf, Karpfen, Gemüse und Obst ist alles möglich, denkbar und lecker.

Wie immer im Leben sollte das Fazit in puncto essen und trinken an den Feiertagen lauten: Jeder soll nach seinem Geschmack satt und selig werden und das gerade auch – und ganz besonders – zu Weihnachten.