Mach mal was mit Fisch…

Nee, nicht schon wieder Matjes, der war neulich erst dran. Nun lassen wir ihn mal bis zum Juni ungestört durchs Wasser planschen – und dann kann der jungfräuliche Silberfisch seine Saison eröffnen. Vielleicht mal Lachs? Farbenfroh, schmackhaft und sehr dekorativ ist er und aus der Küche und vom Teller nicht wegzudenken. Der geht auch roh, leicht mariniert oder als Sushi – mit dem ist alles möglich. 

„Mach mal was mit Fisch“ … sagte mein Mann, zog Handschuhe und Schal an und verschwand.

Mit Fisch? Ich setzte mich an meinen Laptop und überlegte, was man so über Fisch schreiben könnte. Über die Fluss-, Seen- und Meeresbewohner wurde schon jede Menge geschrieben, sodass für mich eigentlich nichts mehr übrig ist.

Momentan hat man den Karpfen am Wickel. Denn wenn Orangen, Mandarinen, Spekulatius, Dominosteine, Gans & Co. sich mit Tannenduft ein Stelldichein geben – darf dieser Bursche nicht fehlen. Zu meinen Lieblingsfischen gehört er jedenfalls nicht, weder blau noch polnisch und auch nicht in Mandelkruste, noch vom Grill oder aus dem Backofen. Über ihn hat der stern mal geschrieben, dass er ein „Spalterfisch“ sei, denn er hat jede Menge Fans, aber auch viele Gegner und die nörgeln: Er schmeckt moderig, hat viel zu viele Gräten, sieht so hässlich aus, ist viel zu fett! Hingegen fiebern seine Liebhaber der „Erntezeit“ entgegen und bereiten ihn dann auf tausend und eine Art zu.

Übrigens sind die bunten japanischen Kois auch eine Karpfenart, aber die sind eher in der Zoohandlung oder im Gartenteich zu finden.

Vielleicht sollte ich über Fische im Aquarium schreiben – immerhin gibt’s bei einigen Ärzten im Wartezimmer solch eine Idylle, die Patienten beruhigen und Wartezeit verkürzen. Auch in manchen Restaurants gehört ein mit grünen Pflanzen, bunten Fischen und sprudelndem Wasser gefülltes Bassins ebenso dazu, wie leckere Fischgerichte in der Angebotskarte. Mich bringen Zimmeraquarien auf die Palme und am liebsten würde ich den Stöpsel ziehen.

Grundlegend mag ich aber Fischrestaurants sehr gerne. Je einfacher desto besser. In Bremerhaven existiert noch eine richtig altmodische Fischbratküche. Das Mobiliar stammt aus den sechziger Jahren – Holzstühle und Tische mit Resopalplatten und aufgebügeltem Umleimer, die Deko besteht aus Plastikblumen und von gehobener Gastronomie keine Spur. Dafür Küchenpersonal, das Kartoffelsalat zubereitet wie Oma ihn gemacht hat und Backfisch brutzelt, dass man sich alle Finger nach leckt. Wer dort allerdings ein Carpaccio vom Lachs mit Honigsoße auf Rucola mit Parmesanspänen erwartet, sollte einen großen Bogen um diesen Laden machen. Wer aber im Winter Lust auf frische Stinte aus der Fritteuse hat, der ist genau richtig.

„Mach mal was mit Fisch“ hat er gesagt und mir kommt die Forelle in den Sinn: sie ist leicht und lecker und selbst für Nicht-Fischliebhaber musikalisch von Franz Schubert als Quintett (zu-)bereitet ein Hochgenuss.

Doch im Süßwasser tummelt sich nicht nur die fröhlich-flinke Forelle sondern auch der Zander, der eigentlich ein Barsch ist. Ein ausgewachsenes Exemplar kann schon mal an die zehn Kilo auf die Waage bringen und das ist eine gute Basis, in der Fischküche ein Highlight zu sein. Der schmeckt gebraten, gedünstet, gegrillt, gebacken, mit und ohne Butter, Gemüse, Salat und Kartoffeln und das zu jeder Jahreszeit.

Zum Zander gehört auch ein edler Tropfen und da schweifen meine Gedanken doch glatt zu Frank Zander. Der hatte vermutlich zu tief ins Glas geschaut, als er mit „Ich trink auf dein Wohl Marie…“ 1974 die Hitparaden stürmte.

Fische gibt’s wie Sand in Fluss und Meer, weltweit und die Geschmäcker der Menschen sind so unterschiedlich wie die Menschen, an den Seen, Flüssen und Ozeanen selbst. Aber das wissen alle längst, denn die einen haben darüber geschrieben, berichtet und gesendet und die anderen haben neue Erkenntnisse über Wassertiere gerne konsumiert.

Was würden wir zum Beispiel ohne den Lachs tun? Ohne dieses vielfältige Flossentier, das wir uns unter anderem mit den Eskimos, den Eisbären und vielen anderen Genießern teilen dürfen, wär’s in der Küche viel langweiliger. Früher war der orangene Meeresbewohner eine Art Globalplayer, während er heute in riesigen Zuchtstationen wächst und gedeiht. Aus diesem der-ist-nur-was-für-feiertags-Fisch ist ein null-acht-fünfzehn-Produkt geworden – aber trotzdem noch immer der beliebteste Fisch in unserem Land und total lecker.

Einen ganz anderen Ruf als der Lachs genießt der Aal, der polarisiert und ist unterschiedlich beliebt. Manch einer bekommt bereits das große Würgen, wenn er ihn nur sieht und andere verdrehen vor lauter Vorfreude aufs Essen die Augen. Geräuchert, gekocht und gebraten ein Gaumenschmaus für Gourmets.

Mit Fischen ist es ähnlich wie mit Menschen: manch einer schmeckt einem mehr als der andere.

So, und was soll ich nun über Fisch schreiben?
Geräusche in der Diele, mein Mann ist zurück. „Schau mal, das habe ich aus deiner Idee von vorhin gemacht!“
„Ach, getippt hast du was – also ich dachte eigentlich an Fisch den man essen kann…!“