Plötzlich und unerwartet

Von wegen besinnliche Weihnachtszeit! Fast überall steppt in der Adventszeit der Bär. Diese Wochen sind ebenso hektisch, wie die Wochen vor Urlaubsbeginn im Sommer. Gefühlte tausend Dinge müssen erledigt werden, die keinen Aufschub dulden. Einkaufen, backen, kochen, Freunde und Bekannte treffen, Weihnachtsfeiern besuchen – eben dies und das vorbereiten. Gutes Zeitmanagement und Organisationstalent sind von Vorteil!

Aber muss das so sein? Nee, natürlich nicht, denn Weihnachten kommt jedes Jahr zur gleichen Zeit und ist weit entfernt von plötzlich und unerwartet. Es bleibt also jede Menge Zeit für Vorbereitungen. Doch wer denkt schon im Sommer bei schweißtreibenden dreißig Grad über Null an Weihnachtsgeschenke und das ganze Drumherum zum Fest mit viel Glück unter null Grad?

Immer zum Weihnachtsfest läuft Uschi zur Hochform auf. Da wird die ohnehin gründlich geputzte Wohnung auf den Kopf gestellt und auf Hochglanz gewienert. Das ist der Zeitpunkt, wo Harry die Fliege macht und alljährlich den Clipper nach Malle besteigt. Er kommt meist Heiligabend zwischen Familiengottesdienst und Kartoffelsalat mit Würstchen zurück, um dann mit seiner Herzallerliebsten Weihnachten zu feiern.

Uschi ist über fünfzig und Haustiere meiden sie wie der Teufel das Weihwasser. Kein Hund, keine Katze und nicht mal ein Silberfisch würde mit ihr unter einem Dach leben wollen. Uschi lebt mit Meister Proper and friends zusammen und mit Harry, ihrem langjährigen Lebensgefährten. Beruflich ist Uschi mit Herz und Seele Putzfrau und vermutlich ist sie schon mit Feudel und Eimer auf die Welt gekommen. Reinemachen ist ihre Passion und daran wird sich vermutlich auch bis zu ihrem letzten Atemzug nichts ändern.

Geht Ihnen das auch so? Da will man rechtzeitig vorm Fest telefonisch liebe Grüße an den Mann und die Frau bringen und niemand freut sich über den Anruf und so gut wie niemand hat Zeit, zuzuhören. Alle sind im Stress, sind unterwegs beim Einkaufen, wirbeln durch die Küche, sind auf dem Weg zum Zug oder zum Flieger oder fällen gerade verbotenerweise den Tannenbaum im Wald.

„Sorry, das ist jetzt echt ganz schlecht. Ich steh gerade bei Karstadt an der Kasse. Nee, später geht’s überhaupt nicht, muss noch zur Weihnachtsfeier!“

„Wer ist da? Oh verflixt, mir brennt der Kuchen an! Ach du bist es! Melde dich doch einfach morgen noch mal, am besten gegen neun Uhr!“

Neun Uhr morgens? Das ist ja vorm Aufstehen – jedenfalls für mich!
In diesem Jahr verschärft sich die Hektik noch, denn Heiligabend findet am Sonnabend statt und ein zusätzlich freier Tag ist eigentlich nur Montag. Somit konzentriert sich alles auf zweieinhalb Tage! Das trägt nicht zur Erholung bei und dem Familienleben möglicherweise auch nicht. Wer dann Gäste – schlimmstenfalls an allen Tagen – zu versorgen hat, muss ganz schön Gas geben, flotte, flinke Schritte machen, um alles zur Zufriedenheit aller zu wuppen.

Dienstag darf man sich dann endlich ausruhen, oder wieder ins Gewimmel stürzen, um Gutscheine einzulösen, Geschenke umzutauschen, Leergut wegzubringen, die Silvesterfete einkaufsmäßig vorzubereiten oder einfach nur zur Arbeit gehen. Und wenn man so wie Uschi mit dem Putz-Gen ausgestattet ist, endlich wieder mit Meister Proper durchs traute Heim tanzen.