Terror in meene Heimatstadt

„Ey Rita, watt sagste denn dazu? Nu isset bei dir zuhause passiert! Irjendwer von deine Spezies betroffen? Kennste den Weihnachtsmarcht da anne Kirche?“

Also meene Kundschaft im Laden wees, dass ick Berlinerin bin – also eene West-Berlinerin – so viel Zeit muss sein! Na und nu fragen sie mich, watt ick dazu sage. Oma Pfeifer aus dem Laubenpieperverein is extra vorbeijekommen und hat mir een paar selbstjebackene Kekse jebracht, weil ihr dett so leid tut, watt da uffm Weihnachtsmarkt passiert is. Von meene Kollejin lebt der Junior in Charlottenburg und die hat natürlich Bammel jehabt, dass der Junge vielleicht blöderweise gerade da war. Geschlagene zwee Stunden hatte sie jebraucht, um ihn anne Strippe zu kriejen – Gott sei Dank ist der Bubi heil und jesund!

Meene alten Freunde sind alle putzmunter, ham se mir jesimst, jemailt oder sonst wie mitjeteilt und da hab ick erstmal durchjeatmet. Meene Eltern sind sowieso keene Fans von Weihnachtsmärkte und abends schon gar nich und um die machte ick mir absolut keenen Kopp.

Tja, aber ansonsten fand ick dett nich besonders plötzlich und unerwartet. Irjendwie war Berlin nu ooch mal dran und zujejebenermassen lang jenug im Visier dieser Idioten. Jewünscht hat sich so watt Schlimmes keen Einziger, aber watt heißt hier Bratkartoffel! Diese Terroristen interessiert dett doch nen feuchten Kehricht. Denen ist es doch schnurz egal, wie viele bei so eenem Anschlag hopsgehen.

Heute hab ick mal een bisschen im Internet jelesen und ick wunder mich darüber, dass sich andere Leute darüber wundern, dass wir Berliner ziemlich jelassen damit umjehen. Ja warum ooch nich? Ick sage Ihnen mal watt: Watt so een echter Berliner is, also eener, der mit Spreewasser jetauft is, und schon een paar Jährchen uff’n Buckel hat, den bringt so schnell nüscht aus der Fassung. Damit will ick sagen, dass der ne Menge erlebt und überlebt hat und zum Glück jibt’s noch den eenen oder anderen davon.

Wissen Sie, wer miterlebt hat, wie die Mauer jebaut wurde, janz viele Menschen wejen det Schießbefehls beim Fluchtversuch von Ost nach West erschossen wurden, Menschen aus Fenstern in den Tod jesprungen sind, sich Panzer am Check Point Charly face to face jejenüberstanden, Anschläge uff die Disco LaBelle und dett Maison de France erlebt hat, den kann so schnell nüscht erschrecken.

Also Terroristen in meene Heimatstadt jabs schon immer, will ick mal an dieser Stelle anmerken!

Fragen Se mal die janz Alten, watt die noch so in petto ham, die könnten noch und nöcher erzählen vonne Hauptstadt, vom Krieg, von Adolf und anderem Kroppzeug, watt schon früher die Stadt jeteilt und terrorisiert hat. Immer ham sich die Menschen der Stadt nich unterkriejen lassen. Sie ham die Ärmel hochjekrempelt und sich jewehrt. Aber ick gloobe, damals war dett einfacher, denn da hatten wa ooch noch wehrhafte Typen an Spitze vonne Rejierung. Und heute? Da schiebt eener dem anderen die Schuld inne Schuhe. Na sagen Se doch mal selbt, wie soll dett denn funktionieren, wenn keener nen Arsch inne Hose hat?