Von Möpsen und vom Schweinehund

Weihnachten, Silvester, Jahresanfang und jede Menge gute Vorsätze. Der Schweinehund räkelt sich auf dem Sofa mit der TV-Fernbedienung in der Hand. Der große Spiegel und die Personenwaage schlagen ständig Alarm – still und lautlos natürlich. Die beiden und mein innerer Schweinehund haben mich im Visier. Sie nerven um die Wette.

Die Waage bildet mit dem Spiegel eine Allianz – eine unheilige – aber einig sind sie sich beide. „Mensch, früher hatte ich es auch mal leichter mit dir“ jammert die Waage und der Spiegel stößt ins gleiche Horn: „Ich bin dein Spieglein an der Wand und sag‘ dir, es gibt Schlankere im Land!“ „Wer führt sich denn hier immer auf wie ein Zerrspiegel“ motze ich ohne Worte zurück.

Und wenn ich dann wirklich mal Bock habe, meine Faulheit zu überwinden, dann meldet er sich zu Wort. Mein innerer Schweinehund ist nämlich Weltmeister im Ausredenerfinden. „Es regnet draußen, der Schnee ist so schmadderig, ich bin so müde, lass uns mal Nachrichten gucken, habe noch nicht gefrühstückt, bin mit Max verabredet, Schuhe sind nicht geputzt, der Drahtesel hat nen Platten, hast du das aktuelle Zeitungsrätsel schon gemacht …“ Dieses Faultier lässt sich mit nichts locken, es sei denn mit Eis essen und er bedauert es sehr, dass die Eisdiele keinen Lieferservice hat. Handeln ist auch eine Spezialität von ihm: „Lass uns mit dem Auto ins Fitnessstudio fahren, beim Radfahren sitze ich auf dem Gepäckträger, fünf Kniebeugen – mehr hält mein Meniskus nicht aus, Salat zum Abendessen – ist der nicht mit den komischen Erregern verseucht; vielleicht doch lieber Nudeln“ sind nur ein paar Lieblingsargumente von ihm.

Sämtliche Zeitschriften quellen über mit Rezepten für die schlanke Linie, Fitnessstudios werben mit kostenlosen Probetrainingsstunden. In der TV-Werbung wirbt Alma-und-noch-was mit pummligem Mops und gut gebauter Lady mit hüpfenden Möpsen im gelben Bikini für die ideale Strand-Figuren-Diät. Wem dieser Werbespot nicht gefällt, kann sich gerne den mit der Fahrstuhlsirene antun. Da muss der dicke Köter wegen Überladung draußen bleiben. Dünn und schlank ist in – mollig und Fettpolster gehen gar nicht.

Wenn man das gewisse Alter erreicht, muss man sich für dicke Kuh oder dürre Ziege entscheiden – sagt der Volksmund. Natürlich gilt das nur für Frauen oder hat jemand schon mal von dicken Ochsen und dürren Ziegenböcken beim starken Geschlecht gehört? Das gewisse Alter, was ist das eigentlich? Gleichberechtigung herrscht hier jedenfalls nicht!

Männer sehen mit zunehmendem Alter oft viel besser aus, als gleichaltrige Frauen. Mario Adorf ist so ein positives Beispiel: 86 Jahre auf dem nicht vorhandenen Buckel und sieht viel besser aus, als manch einer bei Rentenantritt. Ob er unterm Mantel ein Sixpack trägt, weiß man nicht, aber eine gute Figur hat er allemal. Beim Anblick der Damen Marianne Koch und Barbara Rütting kommt man zwar drauf, dass sie die Sechzig längst hinter sich haben, dass sie aber mit strammen Schritten und gertenschlank auf die neunte Null zugehen nicht unbedingt. Beide Ladys sind weibliche Gesundheitsapostel par excellence – erzählen sie in jedes Mikro, das ihnen unter die Nase gehalten wird.

Aber ich lebe doch auch gesund!!!
Sind es vielleicht die falschen Gene in mir, die Po, Hüften und Bauch heimlich füttern und dem Schweinehund Bewegungsverbot erteilt haben?
Vermutlich werde ich niemals mehr zur Ziege mutieren. Und genau das macht mich zickig … Aber so lange mein Schal noch passt starte ich mit keiner Diät!