Butler, bring‘n Sie mal ne Buddel Bier!

Hätten Sie einen, würde er es tun – und noch jede Menge mehr. Er würde Ihnen den Tee servieren, den Kaffee einschenken, den Anzug aufbügeln, die Krawatte binden und die Koffer packen, wenn’s ans Verreisen geht. Er würde Sie bei der Auswahl von Champagner und Zigarren beraten, für die perfekt gedeckte Tafel wäre er zuständig und ihm würde es ein Leichtes sein, perfekte Haus- und Gartenpartys zu planen und zu organisieren. Niemals mehr würde Ihnen Ihr Hochzeitstag, ein wichtiger Geburts- oder sonstiger Feiertag durch die Lappen gehen, ein guter Hausgeist erinnert nicht nur, er arrangiert auch das Notwendige. Ein Butler entlastet Sie enorm – Ihr Konto allerdings auch.

Gute Butler sind bestens ausgebildet und multilingual, verfügen über Organisationtalent, vielfältige Spezialkenntnisse, über Umgangsformen und Manieren, die genau den Empfehlungen des Freiherrn Knigge entsprechen. Wer diesen Beruf ergreifen will, braucht eine fundierte und umfangreiche Ausbildung, aber auch jede Menge Grundvoraussetzungen, die bereits im Wesen vorhanden sein sollten.

Wer entgegen der drei Affen – nicht hören, nicht sehen, nicht reden – gestrickt ist und für den die Begriffe Diskretion, Verschwiegenheit und Loyalität Fremdworte sind, sollte sich anders orientieren. Wer die Freundlichkeit nicht mit Löffeln gefressen hat und im Arbeitsalltag lieber Jeans und Karo-Hemd trägt, sollte diesen Beruf keinesfalls wählen. Wem es keine Freude bereitet, andere Menschen zu bedienen, ihnen ihr Zeug von A nach B zu räumen, der kann sich definitiv den Weg nach Stade verkneifen. Da gibt’s nämlich seit Herbst des vergangenen Jahres eine Butler-Akademie, auf der Mann oder Frau eine „All-Inclusive“-Ausbildung absolvieren kann. Selbst wenn die norddeutsche Kleinstadt vom royalen Königreich weit entfernt ist, so spielt doch die englische Sprache schon in der Ausbildung eine große Rolle, denn die Upperclass spricht englisch.

Nach maximal drei Monaten hat man das Knowhow des Butler-Einmaleins‘ drauf – sagen die Experten. Nach diversen Prüfungen wird der angehende Diener im gehobenen Haushalt – so definiert Herr Duden den Butler – mit einem entsprechenden Zeugnis in der Hand und einer fünfstelligen Summe weniger auf seinem Konto, aus der Theorie entlassen. Nun geht’s mit Lackschuhen, dunklem Anzug und weißen Handschuhen in die Praxis und ans Geldverdienen. Vielleicht als Teilzeit-Butler, als stundenweises Event-Highlight zu Familie Neureich oder in eine Festanstellung als Newcomer, um Karriere in der Welt der Schönen und Reichen zu machen.

Verdienstmöglichkeiten sind von gut bis bombastisch und wie immer hängt es von der Qualifikation, der Erfahrung und sonstigen Vorzügen im Berufsleben ab. Die Nachfrage nach einem solchen Multitalent – egal ob männlich oder weiblich – steigt weltweit enorm. Immer mehr Begüterte und Stinkreiche verzeichnet unsere globale High Society und folglich ist auch die Nachfrage nach Servicekräften der gehobenen Klasse im Auftrieb.

Wer also partout keine Lust hat, als U-Bahn-Fahrer, Kanalarbeiter, Chefarzt, Wirtschaftsboss, Krankenschwester, Tippse oder Turnschuhverkäufer sein Arbeitsleben zu fristen, sollte in sich hineinhorchen. Und wem dann Etikette und Seriosität im Blut steckt, wer gerne ein freundliches Lächeln auf den Lippen und keinen Hexenschuss im Kreuz hat, wer das Dinner for One, Miss Sophie und ihren Butler James nicht nur am Silvesterabend mag, der kann ja umsatteln.