„Familie ist gut und schön…

aber auch ohne, kommt man über die Runden.“ So könnte das Fazit diverser Mitmenschen lauten, die weder Geschwister noch andere Mischpoke haben. Kinder, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen und Kusinen können oftmals auch lästig sein, besonders dann, wenn der Familienklan umfangreich ist.

Sechs Geschwister zum Beispiel haben jede Menge Potenzial, um Vielfalt ins Kinderzimmer zu zaubern, aber auch, um im fortgeschrittenen Alter die Familienbande auf den Prüfstand zu stellen.

So war es jedenfalls bei meiner besten Freundin Chrissi. Mittlerweile ist sie Ende Fünfzig, kinderlos, ohne jeglichen Kontakt zu Blutsverwandten und trotzdem glücklich und zufrieden.

Schwester Hanni wusste nicht, dass bereits die Pille erfunden war, drum wurde sie mit gerade siebzehn Lenzen Mutter. Dieses Fräulein Mutter brachte es bis zum 24. Lebensjahr auf fünf Kinder und jedes ihrer Kinder hatte einen anderen Vater. Sie war das, was man heute bildungsfern nennt, allerdings total clever beim Ausfüllen jeglicher amtlicher Anträge von Sozialhilfe bis Wohngeld, und das bis in die heutige Zeit.

Chrissis Vater liebte das Kartenspiel und wenn er dieser Leidenschaft nachging, machte es ihn durstig, was wiederum dazu führte, dass er abends nicht rechtzeitig ins Bett und morgens mit dem Hintern nicht rauskam. Folglich hat in seiner Vita der Begriff „nicht durchgehend beschäftigt“ Dominanz.

Seinem Sohn Ralle war er stets ein Vorbild und der brachte außer Fußballspielen, zocken und verlieren nicht wirklich was auf die Reihe. Klug war er allerdings in der Auswahl seiner Ehefrauen und Lebensgefährtinnen. Die nahmen ihn unter ihre Fittiche, versorgten ihn und zogen seine Kinder mit viel Liebe auf.

Mama Gitti hielt die Familie über Wasser. Etliche Putzstellen hatte die fleißige Frau, zwei mit Steuerkarte – die anderen von der Hand in den Mund.

Zwei der älteren Kinder halfen ihr so gut es ging und das waren Chrissi und ihr Bruder Benno. Beide trugen vor der Schule Zeitungen aus und nach Schulschluss standen Einkäufe und vieles andere auf dem Zettel und mit Nachhilfestunden verdienten sie nicht schlecht.

Gitti starb mit nicht einmal einem halben Jahrhundert auf dem vom Arbeiten krummen Buckel.

Benno studierte Physik und hat einen sehr netten Lebenspartner. Chrisi erlernte den Beruf der Anwaltsgehilfin und ist seit langer Zeit mit ihrem Chef glücklich liiert. Beide leben seit vielen Jahren im Kreise von Bekannten und Freunden zufrieden und glücklich, aber ohne familiäre Kontakte.

Beide wollten niemals Kinder und beide hatten keine Lust auf Familie. Die Erinnerungen an Kindheit und Jugend hielten sie davon ab. Dafür haben sie beide jeweils zwei Patenkinder und um die kümmern sie sich rührend. Mit denen verreisen sie, die verwöhnen sie, für die sind sie da und für die sind sie Familie und das beruht auf Gegenseitigkeit.