Guten Tag und herzlichen Glückwunsch, Herr Kaiser!

Wer kennt ihn nicht, den Mann von der Hamburg-Mannheimer-Versicherung aus der Fernsehwerbung! Kein Werbeblock in den siebziger und achtziger Jahren ohne ihn. Herr Kaiser beruhigte den Nachbarn im Schadensfall, setzte sich persönlich für die rasche und unkomplizierte Regulierung ein. Er beriet die alte Frau Müller, den sportlichen Herrn Jansen und die junge Familie Grünwald mit Haus, Hund und Kind rund ums Versicherungspaket. Ihn gibt’s schon lange nicht mehr – jedenfalls nicht in der Werbung. Vor einigen Jahren tauchte Günter Geiermann – so heißt Herr Kaiser im richtigen Leben – allerdings noch mal in den Medien auf. Kurioserweise hieß es damals, dass er ausgesprochen schlecht versichert ist und neue Kauleisten für ihn unerschwinglich sind.

Dann gibt’s noch Kaiser Franz, den genialen Fußballer Franz Beckenbauer. Weltmeister, Europameister, Legende, Lichtgestalt, weltbekannt und sehr beliebt. Allerdings bröckelt es kräftig um ihn herum und das deutsche Sommermärchen von 2006 ist wohl nur äußerlich märchenhaft gelaufen.

Und noch einen Herrn Kaiser gibt es schon lange nicht mehr. Gemeint ist der „richtige“ und letzte deutschen Kaiser! Kaiser Wilhelm II. und König von Preußen, der geschlagene dreißig Jahre das Land regierte. Heute hätte der Kaiser Geburtstag, und zwar den 158., denn er wurde am 27. Januar 1859 in Berlin geboren.

Kaisers Geburtstag war ein fester Feiertag in Preußen und Deutschland.

„Das war ein vertrauter Begriff für mehrere Generationen. Man feierte diesen Tag, wo immer die deutsche Fahne wehte. Die Straßen waren geschmückt, es gab schulfrei, Festansprachen, Festtagsessen und Feiern“, so steht es in den Geschichtsbüchern.

Dreißig Jahre in Amt und Würden mit Krone und Zepter. Kann man vermutlich nur schaffen, wenn man Boss oder Chefin eines Kaiser- oder Königreiches ist – wie Lisbeth von England beispielsweise.

Ob Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder von einer so langen Amtszeit heimlich geträumt haben, weiß man nicht. Bei Angela Merkel wissen wir derzeit nur, dass sie eine vierte Legislaturperiode anstrebt. Sollte das gemeine Wahlvolk ihr diese Freude bereiten und falls sie bis 2021 im Kanzleramt durchhält, befindet sie sich zumindest mit Helmut Kohl auf Augenhöhe – er hat immerhin 16 Jahre auf dem Chefplatz gethront.

Alterstechnisch wäre Frau Merkel dann zwar 67, aber bestimmt noch fit genug, für weitere 14 Jahre und mehr. Dann hätte sie den letzten deutschen Kaiser getoppt und sogar altersmäßig Konrad Adenauer überholt, der mit 87 die Politikbühne verließ.

Mit Rücktritten ist das immer so eine Sache. Weder der Kaiser ging freiwillig nach Holland ins Exil noch hat Adenauer seinen Stuhl aus Altersgründen geräumt. Dem einen wurde das Ende des ersten Weltkrieges und der Abschaffung des Kaiserreiches zum Verhängnis und bei dem anderen war es schlichtweg der Zoff mit dem Koalitionspartner FDP.

Als die Hamburg-Mannheimer ihre Aktivitäten einstellte, musste Herr Kaiser alias Günter Geiermann seinen Hut nehmen und Kaiser Franz ist derzeit auch – aus welchen Gründen auch immer – von der Bildfläche verschwunden.

Auch bei Angela Merkel wird es irgendwann mal einen Grund geben, das Kanzleramt zu räumen, oder den Parteivorsitz abzugeben – sicher nur eine Frage der Zeit.

Doch wenn der 17. Juli – Frau Merkels Geburtstag – zum Volksfeiertag ernannt wird, dann ist Frau Merkel die neue kaiserliche Hoheit oder die eiserne Lady Deutschlands!
27. Januar 2017