Martin Schulz – das Multitalent

Eigentlich ist der Januar ein ruhiger Monat. Wir feilen an den guten Vorsätzen und überlegen, ob wir nicht doch den Mund zu voll genommen haben und lassen uns eine Pizza schmecken. Dieser Monat hat gefühlt doppelt so viele Tage wie andere Monate und finanziell stecken uns immer noch die kostspieligen Ausgaben von Weihnachten in den Knochen. Die Tage sind kurz, das Wetter so lala und gemütliche Abende auf der Couch mit Chips und Tee vorm Fernseher gut für den inneren Schweinehund.

Der Januar 2017 ist anders. Er ist nicht so ruhig, wie andere seiner Vorgänger. In Amerika trumpelt Old McDonald wie der Elefant durch den Porzellanladen und sein Getöse schwappt durchs Weltgeschehen und auch übern großen Teich.

Bei uns rumpelt‘s ebenfalls im Karton – also bei der alten Tante SPD zumindest. Dass Frank-Walter Steinmeier unser aller Präsident wird, ist schon eine ganze Weile bekannt. Seit ein paar Tagen aber auch, dass unser Vizekanzler Sigmar Gabriel nun bis zum Herbst den deutschen Reiseonkel geben wird. Die Chefin im Wirtschaftsressort ist ab sofort Brigitte Zypries, die Universalwaffe der SPD. Sie war schon Anfang der Zweitausender für die „Koordination“ des Hochwassers zuständig. Also warum nicht auch jetzt, wo der SPD das Wasser Oberlippe Unterkante steht!

Doch die absolute Lichtgestalt, der Retter, der Heilsbringer, der Messias für die deutsche Sozialdemokratie ist Martin Schulz. Parteivorsitzender – muss nur noch formell bestätigt werden. Kanzlerkandidat – auch nur eine Formalie – eigentlich schon der neue Bundeskanzler ab 24. September 18 Uhr. Er, der sprachbegabte Tagebuchschreiber und bis vor kurzem Präsident des Europäischen Parlaments in Straßburg und Brüssel, ist momentan auf allen Kanälen präsent, seine Statements sind zu lesen – in der Zeitung und im Internet. Jovial, selbstherrlich und ein ganz klein wenig arrogant erzählt er dem Wahlvolk, warum wir unbedingt ihn wählen sollen – ja müssen – und wie er das Ruder rumwirft, wenn es am 24. September Abend wird. Hat was von Weihnachten und Bescherung – von Heiligabend!

Toll Herr Schulz, so einen wie Sie, braucht das Land, denke ich. Nicht nur Bankenrettung für teures Geld, weder im Ausland noch in heimischen Gefilden. Lieber in Bildung und überhaupt ins deutsche Volk investieren, sagt er. Bemängelt all das, was Frau Merkel in den Sand gesetzt hat und er hat andere Ideen für die Flüchtlingspolitik. Der Mann hat’s drauf, Chapeau!

Aber er ist doch auch von der SPD und Sozi und all das, was er nun bemängelt, hätten doch seine Genossen längst machen können – oder? Soweit ich weiß, sind die doch mit Frau Merkel in einer Regierung! Irgendwie komisch!

Rätselraten ist ganz mein Ding, dabei kann ich gut entspannen und trotzdem zuhören, was der sprachbegabte Martin Schulz erzählt. Sprachbegabt! Hört sich an wie im Kreuzworträtsel: Sprachbegabter Vogel mit sechs Buchstaben? Hmm! Mit sieben wär’s der Papagei und mit drei Buchstaben ein Beo…. Aber mit sechs? Vielleicht ein Kakadu? Die sind anspruchsvoll und brauchen viel Aufmerksamkeit, sie können zwar pfeifen, Geräusche nachmachen, haben eine sehr laute Stimme doch sprachbegabt sind sie nicht.

Wie bin ich bloß auf diese possierlichen bunten Federviecher gekommen? Keine Ahnung, ist auch egal.
30.01.2017