Windmühlen, Tulpen, Käse und Fußball

Wenn es Frühling wird, dann schenk ich dir Tulpen aus Amsterdam… dieser musikalische Evergreen im Walzertakt aus dem Jahr 1956, komponiert von einem Deutschen, ist mit Holland verbunden, wie kein anderer. Kaum einer spielt dieses Lied so wundervoll auf der Geige wie André Rieu, der holländische „Stehgeiger“, der mit seinem Johann-Strauß-Orchester von Maastricht aus die Welt erobert hat. Der Walzerkönig ist in Maastricht, Hauptstadt der holländischen Provinz Limburg, geboren und einmal im Jahr dürfen seine Fans den berühmten Sohn der Stadt in einem Open-Air-Konzert erleben. Eine Stadt im Dreivierteltakt, außer Rand und Band, es wird gesungen, getanzt und gefeiert.

Die Holländer sind ein ganz besonderes Völkchen – oder soll ich besser Niederländer schreiben? Ist piep egal – die einen sagen so – die anderen eben anders. Holländer können Tulpen, Fußball, Obst, Gemüse, Matjes, Käse und Windmühlen. Böse Stimmen sagen, dass die Windmühlen bei so viel Käsegestank auch notwendig sind. Ihre Käsesorten sind weltberühmt und beliebt, genau wie die leckeren Matjes. Edamer, Gouda, Leer- und Maasdammer sind nur einige der bekanntesten niederländischen „Stinker“, die von morgens bis abends und zwischendurch ein Gaumenschmaus sind.

Das Königreich an der Nordsee ist Urlaubs- und Genever-Land. Das Nationalgetränk ist eine ganz besondere Spezialität für Liebhaber und es gibt ihn in Alt und Jung und in so vielen anderen Sorten, wie es Windmühlen gibt, sagt man. Schon Multi-Talent Johannes Heesters liebte die alten Mühlen und die jungen Mädchen Hollands und den einen oder anderen Genever hat er sicherlich auch nicht verachtet.

Eindrucksvolle und weit über die Grenzen der Niederlande hinweg bekannte Menschen haben zwischen Grachten und Windmühlen laufen, sprechen, singen, malen, kickern und sogar spionieren gelernt. Mata Hari, Tänzerin und Spionin, der Maler Vincent van Gogh, der als Begründer der modernen Malerei in die Geschichte einging. Lou van Burg, Rudi Carrell, Vadder Abraham, Heintje und Herman van Veen sind ebenso berühmt wie die Königinnen Juliana und Beatrix und König Willem-Alexander. Holländische Fußballer wie Arjen Robben, Marco van Basten, Rafael van der Vaart und Johan Cruyff kennt auch jeder.

Die Niederlande sind klein aber oho – könnte das Fazit lauten, doch eigentlich steckt da noch viel mehr dahinter. Wer das Vergnügen hat, häufig mit einen echten holländischen „Kaaskopp“ Zeit zu verbringen, bekommt – als selbst nicht ganz so fröhliches Wesen – rasch gute Laune. Vielleicht liegt es für deutsche Ohren an der doch etwas lustig klingenden Sprache. Ich stelle mir jedenfalls immer einen deutschsprachigen Holländer mit seinem deutsch-holländischen Akzent auf einer Trauerfeier als Redner vor und schon finde ich alles sehr ulkig!

Eingefleischte Holland-Touris schwärmen von manch einem Wochenmarkt gleich hinterm Nordseestrand im Land von Käse, Fisch und Tulpen. Dagegen soll der Münchner Viktualienmarkt ein Klacks mit der Wichsbürste sein, sagen Kenner, die nicht nur Bayern München lieben. Holländische Fußballer sollen übrigens auch die Frisuren-Trendsetter auf dem Rasen sein – zumindest auf dem grünen Parkett, wo niederländische Kicker spielen.

Wenn unsere Nachbarn so richtig gut drauf sind und feiern, dann ist die Farbe Orange nicht wegzudenken. Beim Fußball, bei den Königlichen, im Urlaub auf Malle – überall wo es orange aussieht, sind Holländer zugange. Warum orange? Okay, dann ein bisschen Geschichte: „Das Königshaus der Niederlande gehört bereits seit Jahrhunderten dem Geschlecht Oranien-Nassau an, welches sich im 18. Jahrhundert aus den Häusern Oranien und Nassau zusammenfand. Das Haus Oranien stammt ursprünglich aus der französischen Provinz Orange, woher sich auch der Name ableitet.“ So steht‘s bei wikipedia und die wissen alles und so erklärt es sich, warum die ganze Nation in einem orangefarbenen Meer versinkt, wenn’s Genever, Matjes und was zu feiern gibt.

 

Und ohne Fahrrad geht gar nichts! Wahrscheinlich wird nirgendwo sonst auf der Welt so viel Fahrrad gefahren wie in den Niederlanden. Statistiker sagen, dass es sogar mehr Fahrräder als Menschen dort geben soll. Ebenfalls wird behauptet, dass holländische Kinder erst das Fahrradfahren lernen und dann das Laufen.

Seit Jahrzehnten sind die Niederlande das Land der Coffeeshops. Die Angebote sind unterschiedlich – die Bestimmungen festgeschrieben. Nur „weiche“ Drogen – also verschiedenen Arten Marihuana – stehen in kleinen Mengen zum Verkauf, Alkohol ganz selten, meistens aber Kaffee, Tee, Fruchtsäfte, Snacks und Naschereien. Berichtet wird, dass das Modell funktioniert und vermutlich haben die Coffeeshops eine hohe Frequenz und nicht nur bei Einheimischen mit der lustigen Sprache.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, so auch bei unseren Nachbarn. Matjes, Käse, Obst und Gemüse stehen an erster Stelle, Frikandel sind ähnlich wie Frikadellen, Erbseneintopf heißt Erwtensoap und ist was für kalte Tage und Poffertjes sind leckere, süße Hefeteilchen. Nach dem Essen, vorher oder zwischendurch trinkt man den einen oder anderen Genever, wiegt sich im Walzertakt nach André Rieus Zaubergeige oder guckt ein bisschen deutsche Bundesliga – irgendein Holländer ist auf dem Rasen bestimmt in Sichtweite.

  1. Februar 2017