Bank-Gespräche

Die ersten Sonnenstrahlen. Ich sitze mit geschlossenen Augen auf einer Bank am Wasser und lasse mich von der Sonne streicheln. Zwei Damen älteren Semesters genießen ebenfalls das schöne Wetter:

Bald müssen wir Rote Rosen wieder ganz früh morgens im Fernsehen ansehen. Dann sind wir mittags unterwegs!

Hast Recht, Friedel – zum Glück gibt’s Wiederholungen.

Stimmt, wirklich verpassen tut man heute nix mehr. Meine Enkelin hat mir gezeigt, wie ich Rote Rosen und so im Computer finde. Kann mir nachts was ankucken, wenn ich sowieso nicht schlafen kann.

Ach, seit wann haste denn den Tick?

Wie jetzt Tick? Ich schlafe eben schlecht. Besonders bei Vollmond. Haste übrigens was von Helga gehört?

Seit Nikolaustag bin ich ihr auf den Fersen und endlich, heute früh, hat sie angerufen! Nächsten Montag um elf Uhr kommt sie zum Putzen. Erst zu mir, dann zu Dir – wird aber auch Zeit!

Montag um elf – hört sich an, wie Dienstag nach’m Krieg! Hauptmann von Köpenick – Heinz Rühmann – schöner alter Film, den könnten sie mal wiederholen, hätt ich Lust drauf!

Mensch Rosi, das hat der brave Soldat Schweijk gesagt! Und richtig heißt es: Also nach’m Krieg um sechs!

Meinetwegen! Was regste dich auf, du weißt doch, was ich meine…!

Guck mal, da hinten läuft übrigens Frau Lehmann, die hat nen neuen Hund. Den alten hat sie einschläfern lassen, der hatte Krebs!

Ihr Alter? Der liegt doch seit Anno-Dunne-Mal unter der Erde!

Den Hund meine ich – der ist noch nicht lange im Hundehimmel. Den neuen Vierbeiner hat sie aus‘m Tierheim.

Hast du eigentlich am Dienstag „Markt im Dritten“ gesehen? Da ham sie über den Enkel-Trick und so berichtet. Du glaubst gar nicht, auf was die Leute so reinfallen! Eine alte Frau ließ sich zur Bank locken. Angeblich war’s ihr Enkel, der sie telefonisch zum Bankautomaten bestellt hat. Aber die Banktante, die gerade zur Pause wollte, hat die richtige Oma mit dem falschen Enkel erkannt und der kam ihr suspekt vor. Die hat die olle Frau angesprochen und schwuppdiwupp hat der falsche Enkel Fersengeld gegeben!

Na denn pass mal schön auf, dass das keiner mit dir macht…!

Wollen wir Kaffeetrinken gehen?

Nee, jetzt noch nicht. Noch scheint die Sonne so schön. Können wir nachher bei mir zuhause machen, da isset billiger und schmecken tut der Kaffee besser, als da vorne im Restaurant. Neulich war ich mit meinem Nachbarn zum Mittagessen da…

Ach, mit deinem Nachbarn warste da…der ist doch Witwer – oder? Erzähl mal..!

Da gibt’s nüscht zu erzählen! Kürbissuppe ham wir gegessen, Kürbissuppe mit Schmand und ein bisschen dünne war sie – meine schmeckt ihm übrigens leckerer – hat er gesagt!

So, so, hat er gesagt! Und was hat er noch von sich gegeben?

Mensch, sei doch nich so neugierig! Wenn ich erzählen will, dann wirst du das schon mitbekommen! Jetzt lass uns doch mal die Sonne genießen – morgen soll’s schon wieder regnen.

Wann biste denn mit deinem Nachbarn wieder verabredet?

Morgen, da wollen wir bei einem Glas Wein uns die Sendung „wider den tierischen Ernst“ ansehen.

Du meinst die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst?

Na jedenfalls die Sendung, wo der Gregor Gysi nen Orden bekommt!

Der Gysi? Du meinst den Politiker aus der Ostzone – der kriegt nen Orden? Wofür das denn, der war doch bei der Stasi!

Weiß ich doch nicht, deswegen wollen wir uns die Sendung ja ansehen. Die kommt aus Aachen, und zwar jedes Jahr zur Karnevalszeit. Vor ein paar Jahren hat auch der von der Buchdruckerfamilie so einen Orden gekriegt, Mensch wie hieß der denn bloß? Der Adlige – kannst du dich nicht erinnern?

Ach, ich weiß, wen du meinst….warte mal, der Name liegt mir auf der Zunge…! Der auch bei seinem Doktortitel geschummelt hat – hmmm, ich weiß: Karl-Theodor von Guttenberg!

Zu, meine Liebe, zu!

Was zu jetzt?

Karl-Theodor zu Guttenberg!

Ist doch egal ob von oder zu – adlig ist adlig und schummeln ist schummeln!

Und der muss seinen Orden nun an den aus der Ostzone abgeben? Kann ja wohl nicht wahr sein, dass man dem deutschen Adel nun die Auszeichnungen wegnimmt wegen so einem Kommunisten!

Guck mal, wer da kommt! Hallo Frau Becker – dass ist ja schön, sie mal wieder zu treffen. Und ihr Mann ist auch dabei? Wie geht’s Ihnen denn? Ham uns ja lange nicht gesehen. Wollen Sie sich nicht zu uns setzen…? Bei dem schönen Wetter zieht’s einen doch raus – der Winter war so lange und man ist doch so richtig sonnenhungrig!

Ach, uns geht’s ja gar nicht gut – wir sind nur noch bei allen möglichen Ärzten…

Das war das Stichwort – Himmel, nicht auch noch Krankheiten, die braucht’s bei dem Sonnenschein wirklich nicht!