Schaun mer mal, dann sehn mer scho!

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, heißt es bei den Narren – sie läuten eine Pause bis zum 11.11. ein. Für viele Christen beginnt die Fastenzeit – für Gesundheitsbewusste regiert Küchenmeister Schmalhans. Karneval – carne vale – lässt sich also frei Schnauze mit Fleisch ade übersetzen.

Der Aschermittwoch ist aber auch traditionell in Bayern der Tag, an dem sich Spitzenpolitiker aller großen Parteien im Freistaat ein verbales Gockelgebalze bei Bier und Brezen bieten. Einer zieht über den anderen her, sie rechnen mit ihren Gegnern ab, sie schimpfen viel und loben wenig, neue Kandidaten rücken sich in Position, altbekannte bringen sich in Erinnerung, brüsten sich ob ihrer Fähigkeiten. In diesem Jahr ist es der Startschuss fürs Wahljahr 2017. Ein Schaulaufen, das am 23. September im großen Finale fürs Kanzleramt endet!

Wer wird KanzlerIn? Eene, meene muh und dran bist du! Eene, meene meck und du bist weg!

Schaun mer mal, dann sehn mer scho! Wenn’s mal so einfach wäre, wie‘s Kaiser Franz ausgedrückt hat! Es heißt aber auch, dass erfolgreiche Menschen instinktiv richtig handeln. Sind Politiker von Hause aus erfolgreich und haben sie gute Instinkte? Sind sie wie die dümmsten Bauern, die angeblich immer die dicksten Kartoffeln haben? Oder haben auch die mit den langen Beinen, die sprichwörtlich kurzen der Lügen?

Sekt oder Selters, heißt es. Sekt für Frau Merkel, Selters für Herrn Schulz? Wer weiß das schon. Bis zu gewonnenen Wahlen im Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und als Krönung das Berliner Kanzleramt, ist noch ein weiter und steiniger Weg. Das wissen alle Protagonisten, die nach dem Wahltag im Herbst sagen wollen „ich bin ein Berliner“ oder einfach nur „ran an die Buletten“ wollen.

Warum eigentlich, was ist dran an Berlin? Schon Franz von Suppé komponierte und textete für eine seiner Operetten dieses Lied: „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin. Wo die Verrückten sind, da gehörst du hin…!“

Seit Klaus Wowereit weiß alle Welt, dass Berlin arm aber sexy ist, trotzdem ist das Berliner Pflaster beliebt. Politiker drängt es nach Berlin. Arm und sexy ist das eine, Macht macht sexy das andere. Berlin zieht Politiker an, wie der Misthaufen die Schmeißfliegen. Es muss nicht immer gleich das Kanzleramt sein – manch einem Aktiven reicht zunächst der Bundestag.

Wer allerdings gerne Fußball spielt, das SPD-Parteibuch in der Tasche hat, Bürgermeister von Würselen und ein Riesentier in Brüssel war, wer ein fußballspielendes und am Tor des Kanzleramts rüttelndes Vorbild hat, der hat Bock auf Berlin, auf Kanzleramt, auf Kanzler – ob er Kanzler kann oder nicht! Das hat er wortgewaltig heute schon mal unterm blau-weißen Himmel klargemacht.

Mit dem heutigen Tage sind die manchmal politischen Narren aus der Bütt verschwunden und die nicht selten närrischen Politiker haben die Rednerpulte geentert. Sie haben sozusagen eine sechste Jahreszeit eingeläutet, die nun mehr als ein halbes Jahr dauern wird. Lautstark werden sie uns verkünden, welche Partei plus Kandidat das Nonplusultra fürs Kanzleramt ist und dann schaun mer mal, dann sehn mer scho!

01.03.2017