Krumme Beine sind hip

Wer in der Hauptstadt wohnt, ein Hipster ist, Haustiere liebt, der muss unbedingt einen haben. Einen von der Sorte Canis lupus familiaris. Der ist lebendig und verspielt, ziemlich klug und in ihm steckt eine große Portion Sturheit. Ihn gibt’s in verschiedenen Farbvarianten, wie zum Beispiel in einem cremigen Vollmilchschokoton bis hin zu dunkelbrauner Bitterschokolade. Echte Liebhaber bevorzugen auch die Nuancen sand, rot, blau und loh, mehrfarbig und gestromt. Ebenfalls können seine Fans zwischen Rau-, Lang- und Kurzhaar wählen und in der Ausführung Rauhaar soll er sogar für Allergiker geeignet sein.

Die Rede ist vom krummbeinigen Dackel, Teckel, Dachshund, wie er auf Deutsch heißt und dem es an Selbstbewusstsein absolut nicht mangelt. Man sagt, dass er sich Frauchen und/oder Herrchen aussucht. Es soll schon vorgekommen sein, dass der Krummbeiner mit der Wahl am anderen Ende seiner Leine überhaupt nicht zufrieden war und ein „Umtausch“ vorgenommen werden musste. Von seiner genetischen Veranlagung her ist er ein Einzelgänger, was er auch als versierter Jagdhund allemal unter Beweis stellt.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Hund, der über lange Jahre als bester Freund und Begleiter der nicht mehr ganz so rüstigen Rentner-Spezies galt, derzeit so viel Aufwind hat und dann sogar in der deutschen Hauptstadt. Wer im modernen Berlin dazu gehören will, auf sich hält, modisch und auch sonst up to date ist, der braucht diesen Kurzen an der langen Leine.

Natürlich nur an der langen Leine – selbstverständlich nicht als imitierter Wackeldackel auf der hinteren Autoablage für die Abdeckung der Klopapierrolle! Das war anno knipp auch mal total in, und zwar bevorzugter Weise vom grauhaarigen Opel-Liebhaber.

Die Renaissance des kleinen Vierbeiners wird im hippen Berlin und auch anderenorts geradezu zelebriert. Die Dackel-Züchter erleben einen ungeahnten Waldi-Boom, den sie allerdings mit sehr viel Vorbehalt betrachten. Ihnen widerstrebt der Gedanke, dass der talentierte und gewiefte Jagdhelfer mit der neuen Aufgabe als Pflastertreter zufrieden ist.

Apropos Waldi: der war übrigens auch das Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Das war das Ereignis, auf dem Silvia Sommerlath König Carl Gustav von Schweden kennenlernte und der sie vier Jahre später auch heiratete. Doch das ist eine ganz andere Geschichte und die hat mit Waldi, dem Krummbeinigen kein bisschen zu tun und natürlich auch nicht mit Waldi Hartmann, der Weißbier trinkenden Fußballreporter-Legende.

09.03.2017