Kabinett mit und ohne Stückchen

Wenn Sie gerne Rätsel raten dann wissen Sie, dass man einen Raum mit einer Sammlung Kabinett nennt.

Hinter dem Begriff Naturalienkabinett versteckte sich im 18. Jahrhundert eine Ausstellung unterschiedlichster Meisterwerke aus diversen Bereichen der Natur. Es war der Vorläufer unseres heutigen Naturkundemuseums.

Kabinett ist aber auch die Bezeichnung eines Prädikatweines, der eine ausgezeichnete Qualität aufweist.

Selbst in der Politik hat sich der Begriff Kabinett einen festen Platz erobert, denn die Regierungsmannschaft nennt man ebenfalls so.

Dann gibt’s noch die Kabinettstückchen. Als ein solches bezeichnet man besonders cleveres Handeln oder Taktieren, eine brillante Leistung oder ein absolutes Prunkstück. Gleichzeitig ist das Kabinettstück im Umfeld von Schauspielern und an Theaterbühnen ein durchaus geläufiger Begriff.

In einem Gruselkabinett geht’s unheimlich zu und wer mag, bekommt dort eine Lektion im Fürchten.

Im Wachsfigurenkabinett begegnet man berühmten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte oder der Vergangenheit lebensgroß, aus Wachs und originalgetreu modelliert.

Oftmals wird aber auch das stille Örtchen als Kabinett bezeichnet.

Ebenfalls nannte man in früheren Zeiten ein kunstvoll verziertes kleines Schränkchen mit vielen Fächern zum Aufbewahren von Schmuck, Liebesbriefen oder anderen Kuriositäten auch Kabinett.

Die Dame von Welt des 19. und 20. Jahrhunderts kleidete sich im Kabinett an, machte sich dort frisch und zurecht, frisierte sich dort, puderte ihre Nase und bei allem halfen ihr die eigens dafür angestellten Zofen.

Das Wort Kabinett ist also ausgesprochen vielfältig und sinnvoll anwendbar und ermöglicht dem Benutzer jede Menge Einsatzmöglichkeiten und das nicht nur in Bezug aufs Rätselraten.

Aber auch andere Worte sind bedeutend und manchmal reichen schon kleine Silben aus, um über das eine oder andere komplette Wort mal nachzudenken und es nicht einfach nur so drauf los zu plappern.

Die vier Buchstaben M I N I zum Beispiel. Mini heißt klein – einfach nur winzig, minimal eben. Das kann ein Autotyp dieses Namens sein oder auch die fesche Ente aus Entenhausen mit dem doppelten N, langen Wimpern und Schleifchen auf dem Kopf aus der Feder von Walt Disney namens Minnie Mouse. In der Mode ist mini seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht wegzudenken. Kurz, kürzer, am kürzesten ist seither immer mal wieder mal modern – vorausgesetzt, die richtige Figur mit schönen langen Beinen macht Minimode zum maximalen Hingucker fürs starke Geschlecht.

Minimalismus begegnet uns in der Kunst, der Musik, der Architektur – also eigentlich überall im (minimalistischen) Leben, wo wir drauf aufmerksam gemacht werden, dass weniger manchmal mehr sein kann. Auch minimalinvasiv durchgeführte Operationen erfreuen sich in der Medizin großer Beliebtheit und auch hier ist weniger oftmals mehr.

Selbst Mini-Jobs haben sich in unser Leben eingeschlichen und der eine oder andere hat sogar mehrere davon am Laufen, um über die Runden zu kommen. Diese minimale Variante des immer seltener werdenden Fulltimejobs haben wir unter anderem unseren Politikern zu verdanken. Und natürlich auch den Ministern in – na, wo wohl? Natürlich, im Kabinett unseres jeweils regierenden Häuptlings.

Was ist dann aber ein Minister in einem Kabinett? Ist er vielleicht eine Miniatur im Ausstellungsraum? Führt er gerade gemeinsam mit seinen anderen Kollegen und Kolleginnen ein Kabinettstückchen auf?

Finden Sie nicht auch, dass es sich lohnt, in Anbetracht der Worte Kabinett und mini mal über das eine oder andere zusammengesetzte Wort und die Bedeutung oder eine berufliche Tätigkeit inklusive Wortbedeutung nachzudenken? Dabei darf gerne ein klein wenig – aber wirklich nur minimal – geschmunzelt werden?

14.04.2017