Wölfe sind nun mal keine Vegetarier

Drum schmeckt dem Wolf frisches Lammfleisch allemal besser als Wildkräutersalat oder Spargel und runtergefallene Äpfel, Birnen oder Pflaumen auf  Streuobstwiesen sind auch nicht gerade sein Ding, wenn ihm der Magen knurrt.

Etwa 120 freilebende Wölfe gibt’s in Deutschland – im Osten mehr als im Westen – heißt es aus offiziellen Quellen. Liebhaber des Fleischfressers sind begeistert, dass er sich endlich wieder heimisch bei uns fühlt, denn immerhin galt er bereits als ausgerottet.

Bei Schafherdenbesitzern hingegen hält sich die Freude in Grenzen, denn sie verkaufen ihre Schafe und Lämmer lieber an zahlungsfähige Zweibeiner als sie an räuberische Vierbeiner zu verlieren.

Aber mit Wölfen ist das so eine Sache. Bereits die Brüder Grimm hatten den weiß-grau-schwarzen Waldbewohner auf dem Kieker, wenn wir mal an Rotkäppchen oder an die sieben Geißlein denken. Schon damals hatte der kräftige Fellträger ein Imageproblem, und zwar nicht als Kuscheltier sondern eher als der böse Wolf. Doch schon lange vor den Märchen-Brüdern hat Jesus vor ihm gewarnt, denn im Neuen Testament kann man lesen: „Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“

Unterm Strich lässt sich feststellen, dass der Name Wolf echt negativ besetzt ist und sich das arme Geschöpf – welches in der Zoologie eher als friedlich beschrieben wird – langsam aber sicher zu einer Metapher entwickelte, die nichts Gutes verheißt.

Der Wolf im Schafspelz ist so eine Negativbezeichnung, die bedeutet, dass mancher, der nach außen freundlich scheint, innendrin ein absoluter Fiesling sein kann und deshalb diese Bezeichnung auch verdient.

Von diesen Menschen mit den zwei Seiten gibt’s übrigens jede Menge. Zu allen Zeiten und mitten unter uns.

Zum Beispiel waren Dr. Jekyll und Mr. Hyde auch eine Art Wolf im Schafspelz, wenn auch nur die dichterische Erfindung eines Literaten aus Schottland.

Selbst die Redewendung mit den Wölfen heulen kommt nicht von ungefähr und bedeutet sinngemäß, dass man sich der Mehrheitsmeinung lieber anschließt, um als Einzelgänger keinen Ärger oder Stress zu bekommen.

Hans Fallada hat mit seinem Roman Wolf unter Wölfen aus den dreißiger Jahren seine ganz eigene Interpretation zur politischen und gesellschaftlichen „Rudelbildung“ in Zeiten der Weltwirtschaftskrise geliefert, die allerdings locker auch heute noch zutreffen dürfte.

Jedenfalls ist der Wolf ein wunderbares Beispiel, dass Gut und Böse nah beieinanderliegen können, sich aber nicht automatisch in die Quere kommen müssen. Genau diese zwei Charaktereigenschaften stecken in so manch einem von uns, wenn nicht sogar beide Wesensarten in jedem Menschen. Manchmal überwiegt das Gute und manchmal eben das Böse. Hängt vermutlich davon ab, welchen Affen man womit füttert und wie oft!

Aber das ist ein völlig anderes Thema…

19. April 2017