Gasthaus zum Karierten Pony

Entgegen unserer Negativ-Erfahrungen haben wir es wieder getan! Warum bloß? fragen wir uns – leider immer erst hinterher. Auswärts essen – warum nur – wo es doch zuhause viel besser schmeckt! Aber nun ist es zu spät und das Kind ist – mal wieder – in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen. Diesmal stand der vorm Restaurant zum „Karierten Pony“.

Statt herzlich willkommen oder einfach nur guten Tag zu wünschen, begrüßte uns die brünette Restaurantangestellte mittleren Alters unfreundlich-muffelig mit den Worten „Haben Sie reserviert?“

„Nee! Aber bei den vielen freien Tischen, dürfte das wohl kein Problem darstellen…!“ kontere ich schnippisch.

„Stimmt nicht, ich hab‘ angerufen und neun Plätze reserviert“ beeilt sich Martin, zu sagen.

Vor der Tür klettern die Kinder fröhlich tobend auf dem steinernen rotkarierten Pony, dem Namensgeber des Lokals, rum. Ihr juchzendes Lachen ist bis in die maritim-altmodisch-düstere Gaststube zu hören. Draußen scheint die Sonne, drinnen scheinen die LED-Birnen in den Lampen und Frau Oberin scheint uns vergessen zu haben.

Kenner der lokalen Gastronomie haben uns auf der Suche nach „schmeckt nicht gibt’s nicht“ diese Location empfohlen. Nach dem Besitzerwechsel soll‘s wieder richtig gut schmecken, denn bekanntlich kehren neue Besen gut!

Die Karten werden von einer jungen Blondine gebracht, die freundlich grüßt und uns nach unseren Getränkewünschen fragt, alles ordentlich auf dem mitgebrachten Block notiert und abrauscht. Am Tresen geht ihr die Arbeit fix von der Hand, so dass wir in Null-Komma-nix was zu trinken für unsere durstigen Kehlen haben und bald darauf notiert sie unsere kulinarischen Wünsche.

Am Nebentisch geht ein Teller mit Spargel und Kartoffeln zurück und einer gehörigen Portion verbaler Begleitmusik. Am Tisch dahinter mäkelt man am Wein herum und zwei Gläser werden von der Brünetten abgeräumt. Kann ja heiter werden, denke ich gerade noch, als Frau Oberin unsere Kids anquakt. „Finger weg vom Deko-Fischernetz, den Muscheln und dem Seestern – ist alles nix zum Spielen!“

Mir fällt das Wort Gasthaus ein – ein Begriff, der ziemlich aus der Mode gekommen ist. Im Wort steckt der Gast – also der Besucher – drin. Auf den freut man sich, den behandelt man freundlich, den umsorgt man, dem ist man wohlgesonnen. Falls nicht, dann sollte man das Gasthaus zuschließen und niemanden reinlassen!

Unser Essen kommt! Für die Kids Käpt’n Iglo‘s Fischstäbchen – zweimal mit Kartoffeln, die klein und rund wie Murmeln auf dem Teller hin- und her kullern und zweimal mit Kartoffel-Pü, das wenig appetitanregend aussieht. „Dreimal Matjes – zweimal mit, einmal ohne“ brabbelt die Brünette sich in den Bart. „Wer kriegt die Rahmsoße?“ fragt sie.

Wie jetzt – Rahmsoße? „Hausfrauen-Soße wollten wir..!“ antwortet Martin. „Ist es ja auch“ und schon stellt sie die Teller ab. Die Blonde bringt die beiden restlichen Essen, wünscht guten Appetit und wir greifen zu Messer und Gabel.

Oh hätten wir es doch gelassen! Martin und mir schmeckt nur der Matjes, Bratkartoffeln sind ungenießbar, der bunt-gemischte Salat trieft beim Hochheben, denn der schwimmt in einem Dressing, in den ein Zuckertopf gefallen sein muss. Die angebliche Hausfrauen-Soße ist Mayonnaise pur mit viel zu dicken Zwiebel- und Gurkenstückchen. Kulinarisch unterste Schublade, sagt Martins Blick.

Den anderen hat’s wohl geschmeckt, die haben ihre Teller mit Knipp und Labskaus ratzekahl leergefuttert. Die Kids knabberten die Fichstäbchen mit gutem Appetit – warum auch nicht, die hat schließlich Käpt’n Iglo gemacht!

Nur wir waren mal wieder die unzufriedenen Meckerköppe – wieder mal haben wir an der Küche der einheimisch-etablierten Gastronomen was zu bemängeln! Bei der Bewertung der Zubereitung des Essens gehen unsere Daumen nach unten – außer beim Matjes, der war top! Die blonde Bedienung wäre unser Vorschlag zur Mitarbeiterin des Monats, die Brünette hingegen – ach, das lassen wir mal, so unhöflich wollen wir dann doch nicht sein!

16.06.2017