Merkel: Eine geklaute Raute?

Die Weinraute ist ein immergrüner, hübscher, bis zu einem Meter hoher Strauch, der sich durch seine blaugrünen Blätter und seinen gelben Blüten im Sommer von anderen Stauden abhebt. Man nennt sie auch Getrudenkraut und bereits im Mittelalter waren ihre ätherischen Öle ein beliebtes Mittel, um die Beschwerden der Wechseljahre zu lindern. Gleichzeitig schützte ihr strenger Geruch vor Hexen, wilden Tieren, Pest, Ratten und Ameisen.

Die Raute wirkt sowohl appetitanregend als auch verdauungsfördernd, hilft bei Nieren- und Blasenproblemen, bei Depressionen und selbst in der mediterranen Küche hat sie ihren Platz gefunden. In unserer Zeit ist das magische Zauberkraut zu neuem Ruhm gelangt – so zumindest kann man es bei Harry Potter lesen.

Die Raute ist aber nicht nur was Botanisches sondern auch ein Zeichen, das uns in der Mathematik, auf alten Schreibmaschinentasten, auf jeder modernen Tastatur, ob Telefon, Handy, Tablet und anderen neuzeitlichen Begleitern begegnet. Selbst die Esoterik kann nicht ohne dieses Zeichen und das Internet ohne Doppelkreuz-Raute – Hashtag genannt – funktioniert kein bisschen.

Das ist rein rautenmäßig betrachtet aber noch lange nicht alles. Eine dritte Raute beschäftigt Deutschland und die Welt seit über zehn Jahren, die allerdings nichts mit dem Grünzeug oder Mystischem zu tun hat, sondern einfach nur mit unserer Bundeskanzlerin und der Raute als Symbol.

Frau Merkels Raute ist übrigens eine uralte Geste, die bereits der Märtyrer Johannes drauf hatte. Auf einem gut fünfhundert Jahre alten Bildnis steht Johannes mit entblößtem Oberkörper in einem Waschzuber und weiß scheinbar mit seinen Händen nicht wohin, formt die Finger seiner Hände zu einer Raute und positioniert sie überm Bauchnabel.

Kabarettist Helmut Schleich gab folgende Einschätzung zu diesem Bild „Wohin mit den Händen? Das war schon damals die Frage. Johannes steht zwar bis zum Bauchnabel im Kochtopf, aber die Finger verbrennen will er sich nicht. Geradezu symbolhaft für die politische Haltung der Kanzlerin.“

Diese Interpretation hört sich nicht nur lustig sondern auch schlüssig an – jedenfalls besser, als manch andere Aussage anderer Befragte, die man zum Thema lesen kann:

Erst die Buddhisten, dann die Christen und nun auch die Bundeskanzlerin!“

„Alle konzentrieren sich auf das Sonnengeflecht – besser bekannt als das Bauchgefühl!“

„Die Person hört interessiert zu und bewahrt sich gleichzeitig eine professionelle Distanz.“

„Die Raute ist das beschützende Dach“ verkündete ein Körpersprache-Trainer.

Ist auch ziemlich egal, was wer zur Merkelschen Raute verkündet. Fest steht, dass dieses „Bauchzeichen“ auch in der vergangenen Woche zu sehen war, als der Enkel von Themse-Liesbeth -Prinz William mit Family – in Berlin zu Gast war. Fürs royale Familienalbum spreizte unsere Angie Daumen und Zeigefinger auf dem hellblau beblazerten Bauch.

Ob sie dabei wohl an die PRINZEN aus Leipzig und ihren Hit „es ist alles nur geklaut….“ Gedacht hat?

24.07.2017