Wer will fleißige Handwerker seh’n, der muss….

….tja, wo muss der eigentlich heutzutage hingehen?

Auf ein Straßenfest, auf die Kirmes, auf den alljährlichen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt vielleicht. Er muss in die Provinz fahren, aufs platte Land, in kleine Dörfer und in Gegenden, wo das Leben stehen geblieben ist und die Uhren noch wie zu Kaisers Zeiten ticken.

Da gibt’s noch die Glasbläser zum Anfassen und man kann ihnen zusehen, wie sie ihre Kunst herstellen, wie grazile Figuren, Vasen oder Weihnachtsbaumkugeln entstehen. Wer kennt noch den Huf-, Messer- oder Kunst-Schmied, den Stellmacher, den Pinsel- und Bürstenmacher?

Wer weiß überhaupt noch, was diese traditionellen Handwerke ausmachen? Ganz viele Berufe, die noch vor ein paar Jahrzehnten beliebt ohne Ende waren, finden heute bei jungen Menschen keinen Zuspruch mehr. Etliche sind zwischenzeitlich aus Mangel an Nachwuchs ausgestorben und die wenigen noch verbliebenen Vertreter ihrer Zunft müssen intensiv ums Überleben kämpfen, weil die Industrieproduktion hier oder anderswo oft preiswerter ist.

Handwerk hat goldenen Boden, hat man früher gesagt und das stimmte auch. Wenn die Messer stumpf waren, gab man sie dem Messerschleifer zum Überarbeiten. Heute werden neue gekauft, aber nur selten im Fachgeschäft, der Supermarkt an der Ecke hat schließlich auch welche. Schuhe werden getragen, bis die Sohlen durch sind und die Socken bei Regenwetter nass werden. Dann wandern sie in den Müll, denn neue sind preiswerter als der Besuch beim Schuhmacher.

Doch das betrifft nicht jedes Gewerbe. Einheimische Sargtischler kommen gut über die Runden, heißt es in Fachkreisen. Viele Schreiner fertigen Särge aus einheimischen Hölzern und profitieren von den Billigbestattungen, die Discounter dieser Branche anbieten. Teure Särge werden im Ausland produziert und die kann und will sich nicht jeder leisten. Die preiswerte Variante tut’s schließlich auch. Gleiches gilt übrigens auch für Urnenhersteller, denn aufgrund der steigenden Beliebtheit von zum Beispiel See- und Friedwaldbestattungen, wächst der Bedarf stetig.

Und wenn Fiffi und Mietze das Zeitliche segnen, finden die auch nicht einfach nur unterm Birnenbaum im Garten neben Hansi dem Wellensittich und Kaninchen Pummelchen im Pappkarton ein zeitloses Plätzchen. Sie sind Herrchen und Frauchen mittlerweile auch Sarg oder Urne wert und werden zur letzten Ruhe auf den Tierfriedhof gebettet.

Drum keine Sorge, es gibt noch Tradition und Handwerk! Der Bäcker an der Ecke im Dorf auf dem Lande kauft seine Teiglinge nicht zwangsläufig in Osteuropa – er macht sie noch selbst, genau wie den Butterkuchen und die Erdbeertorte. Ebenso sind Bootsbauer und Reetdachdecker alles andere als angestaubte Berufe, vermutlich nicht in den bayerischen Bergen aber in nördlichen Gefilden allemal.

Es muss also nicht immer irgendwas mit IT oder Medien sein, selbst wenn für oder in den Medien zu arbeiten, es dem heutigen Zeitgeist entspricht. Und wenn schon denn schon, am liebsten natürlich vor der Kamera – also beim Fernsehen, im Internet, als Star mit eigenem lukrativen Blog – Hauptsache, man wird berühmt und verdient viel Kohle!

Trotzdem: Augen auf bei der Berufswahl!

Denn wer Lust hat, Fischer zu werden, sollte Fischgeruch mögen, eine gewisse Portion Seefestigkeit mitbringen und nicht bei jedem Schaukeln die Meeresbewohner erstmal füttern. Ein Schlachter tut gut daran, nicht schon bei den ersten Mundharmonikaklängen von „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus den Latschen zu kippen. Und Höhenangst ist bei der Berufswahl Pilot auch nicht optimal. Ebenso ist es ratsam, den Berufswunsch General in schmucker Uniform nochmals zu überdenken, wenn im innersten des Herzens der Pazifist das Sagen hat.

02.08.2017