Lokale Erlebnisgastronomie

Erlebnisgastronomie ist voll der Burner, aber längst keine Erfindung der letzten Jahre. In den Neunzigern ging’s mit POMP DUCK AND CIRCUMSTANCE für alle los, die Lust auf Essen, Trinken und jede Menge Revue, Comedy und Klamauk hatten. Dieser kulinarische Show-Mix begeisterte weltweit und rief kreative Köpfe auf den Plan. Seither ist der Erfindungsgeist pfiffiger Gastronomen unendlich.

Ein Knaller ist das Dinner in the dark, man sieht nix, man sticht die Gabel sonst wohin, kleckert und plempert nicht nur mit der Suppe. Beim Essen unter Wasser sitzt man zum gemütlichen Speisen zwar im Trockenen, allerdings zwischen Fischen, Korallen und Algen. Krimi-, Grusel- Comedy- und Musical-Dinner sind mittlerweile Standard und dem Maître de Cusine beim Kochen zuzusehen ebenfalls.

Wer also möchte, kann Außergewöhnliches kombiniert mit Schmackhaftem erleben. Auswärts essen kann toll sein, muss aber nicht und ist es oftmals auch nicht!

Manchmal ist es schon ein Erlebnis, in die Pizzeria drei Häuser weiter zu gehen, wegen der krossen Ente dem Chinesen einen Besuch abzustatten oder lediglich die Eisdiele wegen der coolen Kugeln aufzusuchen.

Unser Italiener hat’s immer noch drauf, den kleinen Beilagensalat so zu gestalten, wie in den frühen Siebziger Jahren, nämlich mit Eisbergsalat, geraspelte Möhren und Weißkohl und einem Dressing, das besser nicht so genannt werden sollte.

Das Chop Suye mit Rindfleisch schmeckt genau wie das Schweinefleisch Nasi Goreng, das Bami Goreng mit Huhn und die Soße rund um die knusprige Ente auf dem Gemüsebett. Null-acht-fünfzehn mit viel Glutamat oder vielleicht einfach nur Convenience-Food? Das wissen nur der Koch mit den dunkelbraunen Mandelaugen und der regelmäßige Lieferant dieses Gastro-Betriebes!

Italienisches Eis – wer mag es nicht – und wer hat nicht seine Lieblingseisdiele! Laut neuester Medienberichte soll so manch eine Eis-Boutique, eher einem Chemielabor gleichen, in dem mit Stoffen experimentiert wird, die alles andere als natürliche Zutaten sind. Gelbe Zitronen und Beeren aller Sorten haben den Laden niemals von innen gesehen, sind aber Namensgeber für die käuflichen Eisberge.

Am Sonntag waren wir am Meer. Bei schönem Wetter sitzt man gerne am Wasser, hat Lust auf einen Kaffee, aber nicht auf einen, der wie Abwaschwasser schmeckt! Total genervte und überlastete Bedienungen sind in der Ferienzeit in Ausflugsgebieten üblich und die Rechnung gerne schon ein wenig höher als korrekt.

Ein Restaurantbesuch kann also schnell zum Abenteuer werden, manchmal sogar zu einer Herausforderung, die mit Magenkneifen oder übermäßigem Klopapierverbrauch endet. Wenn man dann von Zeit zu Zeit noch die Restaurant-Tester-Sendungen im Fernsehen anschaut, vergeht einem ganz und gar der Appetit auf auswärts essen.

Es sei denn, man braucht mal wieder ne Currywurst mit Pommes von gleichnamiger Bude. Da riecht man auf Anhieb, ob das Frittenfett ranzig und verbrannt ist, das Curryketchup mehr Zucker als Tomaten enthält, die Wurst nicht vegetarisch und der Pappteller keineswegs umweltgerecht ist.

Da kann man vom ersten Bissen an, dem Ungesunden klar ins Auge blicken und man weiß, was man hat und das zu einem angemessenen Preis. Und erlebnisreich ist es außerdem, wenn man am Stehtisch hautnah Kontakt zum Nachbarn bekommt und die Tauben sich über jedes Stück Pommes freuen, was auf den Boden fällt!

02.08.2017