Und plötzlich sind wir mitten drin….

nämlich in unserer Vergangenheit. Wir hören ein Lied, eine Melodie, wir erinnern uns an eine ganz bestimmte Situation, haben einen besonderen Geruch in der Nase, wir wissen noch um jede Kleinigkeit, die Jahre oder sogar Jahrzehnte her ist. Der Fliederduft in dieser Mai-Nacht, das Sommergewitter am Meer, der Bratapfelduft vom Weihnachtsmarkt in den Sechzigern.

Oft gehört auch eine einzige Melodie dazu, ein ganz bestimmtes Lied – gespielt und gesungen von einer Band, unserem Lieblingsinterpreten, einer Sängerin, die noch heute mit ihrer Stimme verzaubert.

Kindheit, Jugend, das erste Ferienlager, der Abi-Ball, der erste Kuss, die erste Liebe, der erste Herzschmerz, Hochzeit und Flitterwochen, der erste Streit, die Geburt der Tochter  – na und so weiter.

Erinnerungen – wie zum Beispiel Schlager – sind das Salz in der Suppe des Lebens – jedenfalls für viele Menschen. Sie gehören zum Leben dazu – zu unserem Leben. Sie begleiten uns in allen Lebenslagen, egal ob man glücklich, traurig, frisch verliebt, im Urlaub oder am Boden zerstört ist.

Besondere Ereignisse sind auf unserer Festplatte abgespeichert und wenn uns ein ganz bestimmter Geruch in die Nase steigt, wir ein ganz bestimmtes Lied hören, dann spult das Erinnerungsband einfach zurück und plötzlich sind wir mitten in unserer Vergangenheit.

Udo Jürgens mit dem griechischen Wein, Peter Alexander mit der kleinen Kneipe in unserer Straße, Connie Francis mit der Liebe, die ein seltsames Spiel ist, Chris Roberts, der uns mit du kannst nicht immer siebzehn sein auf Kommende hinwies, André Rieu, der Walzerkönig mit Geige und sein kleiner Gardeoffizier, Cliff Richards Empfehlung rote Lippen soll man küssen, Karel Gott mit der Biene Maja, Drafi Deutscher mit dem Versprechen, dass Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht, Vicky Leandros mit ihrem Appell Theo wir fahr’n nach Lodz und die weißen Rosen aus Athen besang Nana Mouskouri.

Peggy March trällerte einst von den Memories of Heidelberg und Cindy und Bert drückten es so aus: Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung und da sind dieselben Lieder, die wir hörten in der Sonntagnacht, als das Glück uns Zwei nach Haus gebracht!

Jeder von uns kann bestätigen, dass wir voller Erinnerungen stecken – und nicht nur sonntags. Memories sind in uns vergraben. Tief drinnen schlummern sie, sitzen auf dem Sprung und wollen von Zeit zu Zeit mal wieder wachgeküsst werden.

Und das klappt auch – ob wir wollen oder nicht! Unsere Sinne sorgen dafür, wir hören, wir riechen, wir sehen und plötzlich sind sie da – die Verschütteten sind wieder da.

Ganz anders als Rudi Schurickes rote Sonne, die bei Capri im Meer versinkt tauchen unsere „Versunkenen“ wieder auf, bringen uns zum Träumen, zum Weinen, zum Schmunzeln – holen Erinnerungen an Gutes und weniger Schönes uns ein, und zwar ohne uns zu fragen – sie sind einfach da!

10.08.2017