Die Air Berlin ist fertig – der Flughafen nicht

Was mit der insolventen Airline passiert, weiß man noch nicht. Vielleicht ist die Rot-Weiße demnächst ein Teil des gelben Kranichs, denn die Lufthansa interessiert sich schon lange für diesen luftigen Wackelkandidaten. Ebenso die RyanAir und andere Fluggesellschaften, und zwar schon seit längerem. Doch das Bundeskartellamt hat aus Wettbewerbsgründen ein Veto eingelegt. Hätten die damals mal JA gesagt, dann müssten jetzt vielleicht nicht staatlich-stattliche 150 Millionen von der Bundesregierung übern Tisch geschoben werden. Die sind sozusagen als Erste-Hilfe-Pflaster gedacht, natürlich vom Steuerzahler subventioniert, obwohl die Bundeskanzlerin vehement beteuert, dass diese Knete ein Kredit und kein Geschenk ist.

Kein Wunder, dass diese Pleite Frau Merkel und anderen Parteien ein paar Wochen vor der Bundestagswahl nun absolut nicht in den Kram passt. Shit happen also!

Doch das In-die-Luft-gehen gehört in Berlin zum guten Ton und hat eine lange Geschichte, die mit Otto Lilienthal ihren Anfang nahm. Seine ersten erfolgreichen Flugübungen machte er bereits 1893 von einer Fliegestation in Berlin-Steglitz aus.

Gut hundert Jahre später begann dann die Never-ending-Story um den Neubau des Berliner Flughafens, der im Laufe der letzten Jahre zu einem jahrtausendübergreifenden Projekt mutierte. Bereits der Baustart erfolgte mit erheblicher Planungsverzögerung und die ursprüngliche Planung aus dem Jahr 1997 ging von einer Inbetriebnahme im Jahr 2007 aus, so kann man es bei wikipedia nachlesen. Zum Glück kann man das dort, denn wer erinnert sich schon noch daran, was vor zwanzig Jahren und mehr los war. Mal ehrlich, man ist doch schon happy, wenn man sich an den eigenen Hochzeitstag fehlerfrei erinnert…!

Zwar ist dieser Flughafen noch längst nicht flugfähig, aber „geflogen“ ist dort schon so mancher, und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen und Anlässen, angefangen mit den Verzögerungen beim Baubeginn und –Fortschritt, nicht planmäßige Inbetriebnahme, Missmanagement, Kostensteigerungen und vielen anderen Querelen.

Und zu der Air Berlin-Pleite und einem Flughafen von dem nicht geflogen werden kann, kommt noch der andere, der in Tegel, der übrigens nach Otto Lilienthal benannt wurde. Der ist längst an sein Limit gestoßen und hat seit Jahren das Maximale seiner Kapazitäten erreicht. Die Fliegerei von Tegel nahm im Oktober 1974 so richtig an Fahrt auf. Jeder wollte raus in die weite Welt und die Welt da draußen kam gerne in die eingeschlossene Stadt. So wurden im Jahr 2016 über 21 Millionen Fluggäste in Tegel begrüßt und verabschiedet – alles auf einem Flughafen, der eigentlich gar nicht mehr existiert und nicht mehr geöffnet sein dürfte.

Doch nun sorgt der „Alte“ auch wieder für neue Schlagzeilen – für dicke sogar – denn der soll nun nicht geschlossen sondern modernisiert und ausgebaut werden! Um mal zu hören, was die Berliner Bevölkerung möchte, sollen die am 24. September, also am Wahlsonntag, darüber abstimmen, ob sie TXL behalten wollen oder nicht. Eigentlich wurde 1996 beschlossen, dass Tegel sechs Monate nach der Eröffnung des BER geschlossen wird.

Doch wer nichts öffnet, muss auch nichts schließen! Ist doch irgendwie logisch – oder? Weshalb also diese Befragung, wenn das Ergebnis der Volksabstimmung für die politischen Entscheider ohnehin nicht bindend ist?

Ach ja, da ist noch was: Der Chef des neuen Flughafens ist übrigens der Ansicht, dass „sein“ noch nicht fertiggestellter Lande- und Startplatz für große Vögel ohnehin viel zu klein ist und man schleunigst mit einem zeitgemäßen An- und Ausbau beginnen sollte!

18.08.2017