Tatort Adlershof

Sonntagabend in Deutschland. Zwanzig Uhr und fünfzehn Minuten – Tatort-Zeit. Lauer Sommerabend. Vielerorts trifft man sich zum Public Viewing oder zum Fernsehen mit Freunden in der guten Stube, in der Kneipe und wartet gespannt, was da kommt.

Zwei gegen vier – oder umgekehrt. Die Bundeskanzlerin und der Herausforderer betreten das Fernsehstudio in Berlin-Adlershof. Einzug der Gladiatoren. Die Fragensteller sind schon da. Zwei von den Öffentlich-Rechtlichen und zwei von den Privaten, zwei Damen, zwei Herren.

Nun geht er los – der Gipfel des Wahlkampfes.

Neunzig Minuten plätschern dahin. Rückblick auf die zu Ende gehende Legislaturperiode, ein bisschen Gegenwart, keine Zukunftspläne geschweige denn, irgendwelche Visionen. Dafür aber viel Konjunktiv: wir müssten, wir sollten, wir könnten. Kein Hammer-Thema, nichts Neues für die kommenden vier Jahre. Nur alte Hüte.

Merkel und Schulz wirken wie zwei linke Latschen. Ein altes Ehepaar, das sich bestens kennt, aber ab und zu mal den Kick des Widerspruchs braucht. Mal nickt sie zustimmend, mal er. Mal verzieht sie das Gesicht, mal rümpft er die Nase – kleine Gesten einfach – aber im Großen und Ganzen herrscht Frieden. Einen echten Schlagabtausch liefern sie sich keineswegs und das Moderatoren-Kleeblatt entlockt den beiden auch nichts, was den Zuschauer und Wähler vom Hocker katapultiert.

Vor ein paar Wochen hatten wir schon mal in Hamburg einen Gipfel. Da ging’s drinnen um die Umwelt und draußen fand Randale vom Feinsten statt. Sonst war dieses Meeting langweilig und vom Ergebnis her außer Spesen nichts gewesen.

Und diese Sonntagabend-Nummer zwischen Merkel und Schulz hätten sich alle Beteiligten verkneifen und den Zuschauern ersparen können. Ein Gipfeltreffen drei Wochen vor der Bundestagswahl so ganz ohne Highlights – ohne Salz in der Suppe! Jede Bundestagsdebatte selbst zum langweiligsten Thema ist spannender und aufregender. Da fetzen sich wenigstens die Redner, da pampen sie sich gegenseitig an, kratzen sich verbal die Augen aus, da rappelt‘s kräftig im Karton und es findet alles andere als kuschliger Schmusekurs statt. Jedenfalls solange Phoenix live dabei ist.

Nun ist es vorbei – das Duell und ein zweites gibt’s nicht, so Merkels Verlautbarung. Der Wahlkampf geht weiter bis am 24. September die Klappe fällt – vermutlich für „Merkel die Vierte“. Lediglich ungeklärt sind die „Schauspieler“ neben ihr und um sie herum. Remake, Neuauflage, Wiederholung – alles ist möglich – Tatort bleibt in jedem Fall der Bundestag im alten und ehrwürdigen Reichstag-

Alles eben wie bei einem richtigen Sonntagabend-ARD-Tatort: Die Protagonisten bleiben, nur die Spitzbuben, Leichen und Themen sind andere – wenn man Glück hat. Ansonsten gibt’s Wiederholungen, die aber auch durchaus amüsant sein können ….. wenn man da zum Beispiel mal an die verbalen Duelle zwischen Professor Boerne und Kommissar Thiel im Tatort aus Münster denkt……..!

07.09.2017