Herbst ist Erntezeit

Der Urlaub ist längst vorbei, der Sommer vermutlich auch. Nun spucken alle wieder in die Hände, krempeln die Ärmel hoch, machen all das, was im Herbst eben erforderlich ist. Erstaunt schaut man auf den Kalender und stellt fest: in ein paar Tagen ist Herbstanfang, in einer Woche wird gewählt und in drei Monaten ist Weihnachten!

Herbst ist auch Erntezeit. Duftende Birnen, leckere Äpfel, pralle dunkelblaue Pflaumen, große und kleine Kürbisse in leuchtenden Farben und jede Menge Feldfrüchte sind nun reif. Sie wollen gegessen, eingefroren, eingeweckt, konserviert – eben winterfest gemacht – werden. Mutter Natur brüstet sich mit ihren Erzeugnissen, gibt alles und präsentiert sich vorm Winterschlaf nochmals von ihrer besten Seite. Sie schüttet ihr Füllhorn über uns aus und viele Menschen sind dankbar dafür und begehen das Erntedankfest.

Politiker jeglicher Couleur, jeder Altersklasse, alte Hasen und Neulinge müllen uns mit Wahlprogrammen ihrer Partei – gerne auch geklauten – zu, verteilen Kugelschreiber, Schirmmützen mit dem Parteilogo und verklickern uns, dass sie die Besten und die absoluten Glücklichmacher sind.

Herbst ist Erntezeit – in diesem Herbst auch politische Erntezeit. Politiker fahren die Ernte ein, die sie mit ihrer Aussaat in der Vergangenheit erwirtschaftet und verdient haben. Bei diesen Damen und Herren ist das große Erntefest der 24. September. An diesem Tag wird sich zeigen, welcher Bauer oder welche Bäuerin die dicksten Kartoffeln haben wird, wem die Petersilie verhagelt ist, ob Birnen mit Äpfeln vergleichbar sind und ob vielleicht ein blindes Huhn Körner gefunden und obendrein in Zukunft dicke Eier legen wird.

Die ersten Herbststürme entwurzeln Bäume, decken Dächer ab, der Regen wird kälter und ein wärmender Schal ist für Frühaufsteher und Früh-aus-dem-Haus-Geher so langsam wieder ein Muss. Die Tage werden so langsam kürzer und bald wird auch die Uhr wieder umgestellt. Ob wohl die Uhren schon am Abend des Wahltages umgestellt werden, weiß noch niemand, oder ob sie weiter so ticken wie bisher, auch nicht.

Eigentlich neigt sich das Jahr schon dem Ende zu wenn da nicht auch die Erkenntnis wäre, dass selbst der Herbst noch schöne Tage hat. Das wissen wir alle, denn der Herbst ist die farbenfreudigste Jahreszeit überhaupt – die herbstliche Natur kann zaubern. Indian Summer nennen die Nordamerikaner es, wenn der Herbst außergewöhnlich trocken und sonnig daherkommt und sich die Laubwälder besonders bunt färben.

Die neue Farbkonstellation im Bundestag kennt noch keiner. Schwarz-Rot, Rot-Grün, Schwarz-Rot-Gelb, Kräftiges Rot und/oder…….alles Spekulation – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, sagt ein passrechtes Sprichwort. Und wer schon vorab rechnet, muss meistens noch ein zweites Mal ran!

Apropos Spekulation – wieso kommt mir die Weihnachtszeit und der Spekulatius in den Sinn? Ein leckeres Gebäck für so manch einen. Diese Bezeichnung soll ursprünglich aus dem Lateinischen speculum und speculatio kommen, was unter anderem sowohl Betrachtung, Überlegung, Wohlgefallen als auch Spiegel lautet.

Gar nicht so schlecht, denn vermutlich werden sich die Wahlgewinner so gen Weihnachten geeinigt haben, wer an wem Wohlgefallen findet, der Spiegel wird dies und das darüber berichtet haben und bis dahin können Sie sich bei Tee oder Kaffee und dem einen oder anderen Spekulatius ihren Betrachtungen hingeben und abwarten, wer im Bundestag vielleicht schon am Nikolaustag den Hut aufsetzt.

16.09.2017