Was macht der Meier…..

Wenn Sie jetzt zufällig Meier heißen und Mitglied eines Vereins sind, dann sind genau Sie heute meine Zielgruppe!

Vereinsmeierei – so sagt man – ist des Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung. Ohne Meier und Verein läuft nix! Miteinander ist lustiger als alleine und füreinander ist allemal besser als gegeneinander, sagen die, die sich sportlich, ehrenamtlich, kulturell und weiß der Geier weshalb auch immer in großen und kleinen Vereinen engagieren.

Immerhin gibt es zwischen Nordsee und Alpen derzeit so um die sechshunderttausend Vereine, Klubs und Einrichtungen, die ein bürgerschaftliches Füreinander leben. Sie haben sich Aufgaben und Ziele ganz vielfältiger Art gesetzt und soziales Engagement ist von extremer Wichtigkeit.

Mitglieder in all diesen Einrichtungen sind Kinder, Jugendliche, Männer, Frauen, Senioren, und zwar aller Altersklassen. Und damit es in all diesen vielen Organisationen auch korrekt, satzungsgemäß und gesetzeskonform zugeht, sind Vorsitzende, Stellvertreter, Schatzmeister und Schriftführer, eventuell auch Beiräte, unerlässlich.

Walther Rathenau, ein deutscher Industrieller und liberaler Politiker, soll einmal über Vereine gesagt haben: „In den Händen eines unerzogenen und unpolitischen Volkes liegt die Vereinsmeierei und anderer kleinbürgerlicher Stammtischkram!“ Trotzdem gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der „Deutschen Gesellschaft 1914“, in der sich die Elite des kulturellen und öffentlichen Lebens der damaligen Zeit zusammenfand.

Auf jeden Fall gelten Vereine – und vor allem ihre „Vereinsmeier“- als typisch deutsch, was nicht von der Hand zu weisen ist, wenn man sich mal die Namen ansieht. Da gibt’s unter anderem den „Verein gegen betrügerisches Einschenken“ die aktiv mit den unlauteren Machenschaften der Wiesn-Wirte beschäftigt sind. Andere sind davon überzeugt, dass Lachen glücklich macht und haben „Lach-Clubs“ ins Leben gerufen. Falls Sie als Frau unter 1,80 m und als Mann unter 1,90 m lang sind, dann sind Sie keineswegs prädestiniert, im „Klub der langen Menschen“ aufgenommen zu werden.

Hingegen sind Karnickel-, Dackelzüchter-, Fußball-, Schützen-, Musik-, Gesangs-, Tanzvereine und Klubs für Naturburschen wie Berg- und Wattwanderer sowie FKK-Liebhaber richtig altbacken und an der Tagesordnung.

Nirgendwo auf der Welt soll’s so viele Vereine geben wie in Deutschland, so die klugen Statistiker. Und seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten sind unendlich viele hinzugekommen, zumal in der DDR und der SBZ (sowjetisch besetzte Zone) Vereinsmeierei als hochgradig suspekt galt und daher die Firma Horch & Guck ein wachsames Auge auf sämtliche Aktivitäten hatte.

Vereine gehören in Deutschland einfach dazu. Genauso wie das oft zitierte Beamtentum, die deutsche Pünktlichkeit, Laubenpieperei, Würstchen, Kartoffelsalat, Bier möglichst mit Rot-, Sauer- und Grünkohl.

Gleichgesinnte organisieren sich, packen an und kräftig zu, werkeln, basteln, häkeln, nähen und verkaufen Dinge – die eigentlich niemand braucht – am Jahrmarktstand für den guten Zweck. Frauen schmieren Schmalzstullen, backen Plätzchen und Butterkuchen, Männer kümmern sich um Getränke und deren Vertilgung, Stühle, Tische und mobile Toilettenhäuschen.

Freiwilliger Arbeitseinsatz muss sein, wird von der obersten Vereinsmeierei vorausgesetzt und Mitmachen ist Pflicht. Rentner und Pensionäre mit viel Freizeit sind gern gesehene Mitglieder.

Wer Hierarchien mag, der sollte Vereinsmeier werden. Der eine ganz oben zum Delegieren der Aufgaben und manch anderer weiter unten zum Ausführen des Erforderlichen. Wer mit einem Großteil seiner Lebenszeit nichts Gescheites anzufangen weiß, ist in einem Verein auch bestens untergebracht. Denn schließlich wollen Jahreshauptversammlung, regelmäßige Vereinssitzungen, Vor- und Nachbesprechungen, außerordentliche Treffen und Krisensitzungen vor- und nachbearbeitet werden. Selbst Festivitäten wie Kinderfest, An-, Ab- und Jubiläumsgrillen, Weihnachts- und sonstige Feiern müssen vom entsprechenden Fest-Komitee beschlossen, verkündet und auf den Weg gebracht werden.

Wer also Bock auf Sport jeglicher Art hat, Sammelleidenschaften frönt, Hasenzüchterei betreibt und seine Botschaften per gurrender Taube verschickt, seine Seele der christlichen Seefahrt gehört oder seine Tanzschuhe nicht in den Müll werfen möchte, nichts auf seinen Schrebergarten kommen lässt, für den ist vermutlich das Mit- und Füreinander in einem der vielen Vereine genau das Richtige. Der sollte nicht vergessen, seiner Bank den Auftrag zur regelmäßigen Überweisung des Mitgliedsbeitrages erteilen.

22.09.2017